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Ungeimpft kann ich nicht helfen!

Ungeimpft kann ich nicht helfen!

Ellen Ladnorg (74) und Dackel Paule (15) engagieren sich ehrenamtlich beim Projekt „Redezeit“ der Malteser. Sie hält per Telefon Kontakt zu einsamen Menschen
Foto: Olaf Selchow

Einmal in der Woche schreiben in der B.Z. Berliner Ehrenamtler über ihre Arbeit. Heute ist mal wieder Ellen Ladnorg (74) dran, sie engagiert sich beim Projekt „Redezeit“ der Malteser.

von Ellen Ladnorg

Ich lasse mir meine Laune wirklich nicht leicht verderben. Aber jetzt ist es passiert. Ich bin am Boden zerstört, traurig und ein bisschen wütend. Der Grund ist ein kurzer Anruf: Ein Mitarbeiter der Berliner Impfhotline hat am Montag meinen Termin für die Zweitimpfung verschoben.

Eigentlich hätte ich heute das zweite Mal im ehemaligen Flughafen Tempelhof meinen Piks mit AstraZeneca bekommen sollen. Neun Wochen nach dem ersten Termin. Schon der war für mich eine Riesenerleichterung. Am liebsten hätte ich alle Mitarbeitenden dort gedrückt (und das obwohl mein Dackel Paule nicht mit durfte).

Nicht nur weil ich selbst schon 74 Jahre alt bin, sondern weil ich in meinem Ehrenamt viele Menschen betreue und treffe, die noch älter sind als ich. Viele von ihnen haben bereits ihren vollen Impfstoff, und wir haben Pläne geschmiedet, wie und wann wir uns wieder treffen können. Die Aussicht auf ein ungezwungeneres Zusammensein, ohne die Angst man könnte sich mit jedem Atemzug den Tod bringen, das hat uns Kraft gegeben.

Das erste Treffen, zwei Wochen nach dem Termin war schon fest im Kalender eingetragen. Umso größer ist jetzt meine Enttäuschung.

Ja gut, könnte man sagen. Der Termin wurde ja nur verschoben. Muss ich halt drei Wochen länger warten. Aber wie alle habe ich jetzt natürlich das Gefühl, schon lange genug gewartet zu haben. Gleichzeitig lese ich, dass der Senat viele Tausend Impfdosen für viele Betriebe zur Verfügung stellt, damit Menschen in systemrelevanten Bereichen geimpft werden.

Ich dagegen telefoniere gerade Dutzende Hausarztpraxen ab und bettele um einen Termin. Als Antwort kommen von dort dann solche Absagen: „Im Moment erreichen uns mehr Anfragen von Bürgern als Impfstoff vorrätig ist.“

Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich gönne ich das den Leuten von Vattenfall oder der BVG. Aber bin ich nicht systemrelevant? Ich engagiere mich seit Jahrzehnten ehrenamtlich, besuche und kümmere mich um Senioren, die sonst sehr einsam sind. Natürlich macht mir das Spaß und ich erwarte wirklich keine Lobeshymmen dafür.

Aber ein bisschen Impfstoff, ohne Verzögerung – das wäre schon nett und eine tolle Anerkennung gewesen.

Fragen zum Thema Ehrenamt? kontakt@berliner-helden.com

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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