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Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche : Neue Dokumente belasten Kardinal Woelki schwer

Dokumente des Erzbistums Köln sollen belegen, dass Kardinal Woelki von Missbrauchsvorwürfen gegen den Geistlichen D. gewusst hat. Bisher bestritt er dies.

Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche : Neue Dokumente belasten Kardinal Woelki schwer

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von KölnFoto: dpa/Marcel Kusch

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wehrt sich gegen Vorwürfe, er habe einen geständigen Missbrauchstäter befördert. „Nach heutigem Kenntnisstand hat der Kardinal zu keinem Zeitpunkt einen Priester befördert, der nach damals geltenden Recht mit Kindesmissbrauch zu tun hatte“, erklärte die Erzdiözese am Dienstagabend.

Wie die „Bild“-Zeitung am Mittwoch berichtete, habe Woelki jedoch schon seit September 2015 von den massiven Vorwürfen gegen den Geistlichen D. gewusst. Neue Geheimdokumente sollen dies nun beweisen.

Die Erzdiözese äußerte sich zu einem Bericht der „Bild“-Zeitung vom Dienstag, wonach Woelki 2017 D. zum stellvertretenden Stadtdechanten von Düsseldorf ernannt hatte, obwohl er von den früheren Vorwürfen gegen den Priester gewusst habe. Ein Stadtdechant ist der oberste katholische Repräsentant auf kommunaler Ebene.

Die Ernennung erfolgte demnach laut Erzbistum 2017 auf ausdrückliche Empfehlung des damaligen Stadtdechanten H., der inzwischen selbst nach Vorwürfen sexueller Grenzüberschreitungen gegenüber einem erwachsenen Praktikanten sein Amt abgegeben hat. Zum Zeitpunkt der Ernennung sei lediglich ein nicht strafbarer Vorfall aus dem Jahr 2001 eindeutig belegt gewesen. Zudem sei ein psychologisches Gutachten eingeholt worden, das dem Priester eine uneingeschränkte Einsatzfähigkeit in der Seelsorge attestiert habe.

Am Dienstag wurde Pfarrer D. laut Erzbistum bis zur Klärung der Vorwürfe einstweilen beurlaubt. Durch aktuelle Medienberichte „von alten Vorwürfen“ seien die Bedingungen für ein Vertrauensverhältnis zwischen ihm und seiner Gemeinde wesentlich beeinträchtigt, hieß es zur Begründung.

Dokumente sollen Kenntnis Woelkis belegen

Dass Kardinal Woelki nun doch Kenntnis von den früheren Vorwürfen gegen den Priester hatte, sollen Dokumente nun belegen. Aus einem geheimen Schreiben vom 28. September 2018 gehe hervor, dass ein Gemeindemitglied von D. Woelki schon im Jahr 2010 persönlich informiert habe, dass D. „in den letzten Jahren kein normales Verhältnis zu Messdienern hatte“, berichtet die „Bild“-Zeitung.

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Des Weiteren existiere ein Glückwunschschreiben Woelkis an den „lieben Michael“ zu dessen silbernem Priesterjubiläum 2017, das er trotz der ihm bekannten Vorwürfe gegen D. abgeschickt haben soll. Darin versichert Woelki seine „herzliche Mitfreude“ am Jubiläum des Geistlichen D.

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Anfang Januar hat das Erzbistum nach eigenen Angaben den Geistlichen wegen des Verdachts des Missbrauchs von Schutzbefohlenen angezeigt. Ende 2020 habe die Stabsstelle Intervention neue Erkenntnisse zu einem Vorwurf gegen ihn aus dem Jahr 1995 erhalten, ein kirchenrechtliches Verfahren eröffnet und auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Deren Sprecher sagte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), man habe am Dienstag die Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt.

Fall des Priesters auch Thema in Missbrauchsgutachten

Das Erzbistum hatte zuvor mitgeteilt, dass es noch auf die Rückmeldung der Staatsanwaltschaft warte. Das kirchenrechtliche Verfahren ruhe solange, bis die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum Abschluss gekommen seien.

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Der Fall des Priesters ist auch Thema in den beiden Missbrauchsgutachten für die Erzdiözese Köln. Die nicht veröffentlichte Untersuchung der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl sieht Pflichtverletzungen von Amtsträgern im Umgang mit diesem Fall, die Mitte März präsentierte Untersuchung des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke dagegen nicht.

Gercke berichtet von einem 17-jährigen Prostituierten, den der Geistliche 2001 wegen Erpressung anzeigte. Der Jugendliche galt nach damaligem Kirchenrecht nicht als minderjährig. 2010 wurde D. von einem Diakon beschuldigt, dessen damals 16-jährigem Patensohn Pornofilme gezeigt und mit ihm die Sauna besucht zu haben, was der Priester bestritt. Ebenfalls 2010 beschuldigte eine volljährige Person den Priester, ihn sexuell belästigt zu haben.

2015 wurde im Rahmen der Aufarbeitung der Altfälle durch die Interventionsstelle der Verdachtsfall aus dem Jahr 2001 erneut geprüft, wie es im Gercke-Gutachten heißt. Der Fall wurde dann 2018 an die Glaubenskongregation im Vatikan übermittelt. (mit KNA)

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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