Dnachrichten.de

ARD-Film “Meeresleuchten” : Der Liebe und der Wellen Rauschen

Ein Film wie ein Gedicht: „Wetterleuchten“ in der ARD mit Ulrich Tukur und Ursina Lardi

ARD-Film "Meeresleuchten" : Der Liebe und der Wellen Rauschen

Lebensfreude: Thomas Wintersperger (Ulrich Tukur) mit Max’ Enkelin Lena (Ksenija Sisko) beim Drachensteigen an der Ostsee.Foto: WDR/KJ Entertainment/Lukas Salna

Die Ostsee lässt sich nicht beeindrucken. Mit sagenhaftem Gleichmut schlagen ihre Wellen ans Ufer, unbeeindruckt von all dem Unglück, das sich am Ufer angesammelt hat. Ein Flugzeug ist nach einem technischen Defekt ins Meer gestürzt, Passagiere und Crew, alle tot. Unter den Opfern ist auch Anna Wintersperger, die einzige Tochter von Sonja (Ursina Lardi) und Thomas (Ulrich Tukur). Anna war auf dem Rückflug von Japan, wo sie ihren Freund besucht hatte.

Die Eltern reagieren sehr unterschiedlich auf den Schicksalsschlag. Thomas kauft kurzentschlossen einen heruntergekommenen Krämerladen nahe der Absturzstelle, um seiner toten Tochter nahe zu sein, um seinen Schmerz zu verarbeiten. Seine Frau versteht nicht, dass ihr Mann bereit ist, sein gut gehendes Unternehmen, das er gemeinsam mit seinem Bruder führt, und sein bisheriges Leben aufzugeben, um sich in der ostdeutschen Provinz eine neue Existenz aufzubauen. Das Paar geht getrennte Wege.

Die Ostsee leuchtet, die Personen leuchten mit

Thomas Wintersperger gerät zur Zentralfigur im Fernsehfilm „Meeresleuchten“ von Wolfgang Panzer, der das Buch geschrieben und es inszeniert hat. Der Regisseur widerspricht dem Autor nicht. Er nimmt des Meeres Wellen auf und setzt sie in die Stimmungen der Figuren um – und umgekehrt. Wenn die Geschichte ins Märchenhafte, ins Träumerische schwingt, dann schwingt die Inszenierung mit. Etwas Sagenhaftes prägt „Meeresleuchten“, die Ostsee leuchtet, die Personen leuchten mit. Es ist ein besonderer Glanz in diesen 90 Fernsehminuten.

[„Meeresleuchten”, ARD, Mittwoch, 20 Uhr 15]

Ulrich Tukur spielt nicht den Schmerzensmann. Sein Thomas Wintersperger krempelt sein Leben um, er setzt Aktion und Aktionen, damit er nicht unter Wasser gerät. Begleitet wird er – etwas überraschend – von zahlreichen skurrilen Charakteren, weiblichen und männlichen.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Da ist viel Vergangenheit am Strand der Ostseeküste, da ist Gegenwart, die nach Zukunft sucht.

Die resolute Kellnerin Wiebke (Marie Schöneburg) führt Thomas in die lokalen Geheimnisse ein. Langsam belebt die Kneipe den verschlafenen Hafen und bringt Bewegung ins Dorf. Im Laufe der Zeit bahnen sich neue Freundschaften an, kurze Liebesaffären und alte Geschichten holen die Menschen ein. In all den Wirrungen und Irrungen gelingt es Thomas, seine Trauer zu verarbeiten. Er wird sogar zu einem Katalysator zwischen den Menschen. Nina Baselau (Sibel Kikelli) und Matti Rosner (Kostja Ullmann) suchen und verlieren sich, sie finden sich, ist das Alleinsein besser als die Zweisamkeit?

Vom Schweigen zum Sprechen

Rena Eden (Carmen-Maja Antoni) und Max (Hans-Peter Korff) kreuzen seinen Weg. Der Tod von Thomas’ Tochter Anna bringt sie zum Sprechen. Rena Eden erzählt von ihrer Tochter. Nina hatte im „Crazy Horse“ in Paris als Tänzerin gearbeitet hatte, war dann an Krebs erkrankt und in ihrem Heimatort Maalsund gestorben. Max überlebte den Zweiten Weltkrieg als Luftwaffen-Flieger, ein Wunder fast. Auch davon berichtet „Meeresleuchten“: wie nahe der Tod den Menschen kommen kann, wie unterschiedlich der Umgang damit sein kann. Sonja führt ihr Leben als Architektin fort, durchaus unentschlossen, ob dieser Weg tatsächlich der richtige ist.

Nicht wenige Filme mit Ulrich Tukur sind Ulrich-Tukur-Festspiele, nicht so bei „Meeresleuchten“. Zweifellos steht sein Thomas im Fokus, ebenso zweifelsfrei ist, dass die übrigen Figuren mehr sind als Zuspieler, Einspieler, Zwischenspieler. Autor Panzer glücken angerissene und ausgeführte Biografien, vielleicht nicht gleichberechtigt und nicht gleichwertig, doch von eigenem Status, eigener Statur.

„Meeresleuchten“ spielt auf mehreren (Beziehungs-)Ebenen. Speziell die Antoni und der Korff glänzen in der Perspektive des Alters, das auf Resümee und Bilanz abzielt. Antonis Rena riecht Schnee, Korffs Max schließt sein Kapitel Weltkrieg. „Kleine“ Figuren werden auf unspektakuläre Weise ganz groß.

Ein Film wie ein Gedicht

Das Publikum sieht inniges Schauspiel. Es erlebt Menschen, die Menschen verlieren, um Menschen wiederzugewinnen, die erkennen, welche bescheideneren Bedürfnisse ein Leben reich machen.

„Meeresleuchten“, das ist ein Film, der wie ein Gedicht funktioniert. Und schon hört man es wieder: das Rauschen des Meeres und der Liebe Wellen.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More

Privacy & Cookies Policy