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Urlaub ist kein Beziehungsretter für zerstrittene Paare

Urlaub ist kein Beziehungsretter für zerstrittene Paare

Sie will Selfies, er weiterarbeiten: Wer schon in der Pandemie viel Stunk hatte, wird ihn auch im Urlaub vermutlich haben
Foto: SurfupVector – stock.adobe.com

Nach der Corona-Zwangsnähe direkt zusammen verreisen? Keine gute Idee für Wackel-Paare.

Hat die Corona-Pandemie die meisten Paare zusammengeschweißt oder entkoppelt? Das werden die nächsten Monate zeigen.

Was aber jetzt schon klar ist: Die Zwangsnähe brachte viele Probleme an die Oberfläche. Fast ein Drittel der Paare gab an, überdurchschnittlich viel gestritten zu haben (Elitepartner-Umfrage). Zehn Prozent aller Paare haben nach der Pandemie sogar akute Trennungsgedanken.

Jetzt, wo wir langsam wieder zum normalen Leben zurückkehren, fragen sich diese Paare daher: Wird sich meine Beziehung wieder einpendeln? Soll ich gehen oder soll ich bleiben? Um etwas mehr Klarheit in die Sache zu bringen und der Beziehung noch einen Ruck zu geben, entscheiden sich viele für einen liebesrettenden Urlaub.

„Genau falsch!“, sagt Deutschlands führender Paartherapeut und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger („So gelingt die Liebe, auch wenn der Partner nicht perfekt ist“, 13,90 Euro, Books on Demand). „Denn so springt man von einer Zwangsnähe in die nächste.“

Jeder gute Scheidungsanwalt weiß: Nach den Sommerferien und den Feiertagen gibt es die meisten Trennungen. Warum? Im Alltag geht jeder seiner Arbeit und seinen Hobbys nach, die gemeinsame Zeit ist begrenzt und dadurch ausbalanciert. Im Urlaub gibt es kaum eine Möglichkeit zur Pause oder Flucht, Dinge eskalieren schneller.

Der Experte: „Die Konstellation ist also ähnlich wie in einem Lockdown. Wer mit einer angeknacksten Beziehung in den Urlaub fährt, gibt sich also die doppelte Dröhnung. Außerdem haben die meisten Paare überzogene romantische Erwartungen an die schönste Zeit des Jahres. Aber die Probleme bleiben oft, sie verlagern sich nur an einen schöneren Ort.“ Kling hart. Sollen sich die pandemiemüden Wackel-Paare also gar keine Auszeit am Meer oder in den Bergen gönnen? „Doch, natürlich. Aber sie sollten diesen Urlaub nicht als Prüfstein dafür verwenden, ob man zusammen gehört oder nicht!“ Sondern?

Der Indikator für die Bestandsaufnahme einer Beziehung sollte immer der stinknormale Alltag sein, so Wolfgang Krüger. Und den gewinnen wir ja jetzt zum Glück wieder zurück. Anderthalb Jahre Zwangsnähe war selbst für harmonische Paare eine große Herausforderung. Kehren wir in das alte Leben zurück, wo man wieder zur Arbeit und zum Sport gehen kann, Freunde trifft und auch mal die Wohnung für sich alleine hat, wird man in der Regel auch automatisch großzügiger und toleranter mit dem Partner.

Der Experte: „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass es uns selbst wieder gut geht. Und erst danach mit einem frischem Kopf auf die Partnerschaft schauen. 90 Prozent der Deutschen glauben im Nachhinein, sie haben sich zu früh getrennt.“

Dennoch nennt der Experte sichere Indikatoren dafür, dass die Beziehung noch eine Chance verdient hat. Oder auch nicht.

Auf jeden Fall noch weiter versuchen

► Sie können als Paar noch zusammen lachen.

► Sie erinnern sich noch an den Anfang der Beziehung, den sogenannten Gründungsmythos. Daran, wie aufregend und leidenschaftlich alles war.

► Sie fühlen noch eine grundsätzliche Verbundenheit und sorgen sich, wenn es dem anderen nicht gut geht.

Es lieber sein lassen

► Wenn es Ihnen viel besser geht, wenn der Partner nicht da ist. Wichtig: Es ist völlig normal, dass man sich auf eine Woche Zeit für sich freut, wenn der andere mal verreist. Stört man sich aber nach drei Wochen Abwesenheit daran, dass der Partner wieder zurück ist, ist es kein gutes Zeichen.

► Die Beziehung ist meistens vorbei, wenn man sich über Dinge aufregt, die man früher an dem anderen liebte. Wenn man richtig schmallippig und ungerecht wird und der Partner nichts mehr recht machen kann.

► Eigentlich klar, trotzdem muss man es immer wieder betonen: Schnell weglaufen aus allen Beziehungen mit Gewalt- und Suchtproblemen. Auch Narzissten und notorische Fremdgänger wird nichts mehr ändern – erst recht kein Urlaub.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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