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Klöckner scheitert mit Verordnung : Bundesrat lässt Verbot von Wildtieren im Zirkus platzen

Für ihren Plan, Wildtiere im Zirkus zu verbieten, bekam Ministerin Klöckner keine Mehrheit. Tierschützer freut es. Ihnen gehen die Vorgaben nicht weit genug.

Klöckner scheitert mit Verordnung : Bundesrat lässt Verbot von Wildtieren im Zirkus platzen

Ein Verbot von Wildtieren in reisenden Zirkussen ist vorerst gescheitert.Foto: Ursula Düren/dpa

Im Juli 2020 plante das Bundeslandwirtschaftsministerium, die Haltung einiger Wildtierarten in Zirkussen zu verbieten. Der damalige Entwurf bezog vor allem jene Tiere mit ein, die bei Zirkusauftritten nur gezeigt und nicht dafür trainiert werden – wie beispielsweise Giraffen, Nilpferde und Nashörner. Sie würden dadurch besonders wenig Bewegung bekommen und kaum kognitiv gefordert werden, lautete die Kritik.

Nun, ein knappes Jahr später, ist das Verbot von Wildtieren in reisenden Zirkussen vorerst gescheitert. Im Bundesrat bekam die Verordnung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Freitag nicht die nötige Mehrheit.

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Die aktuellen Pläne sahen vor, dass Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären nicht mehr neu angeschafft werden dürfen. Festgelegt werden sollten zudem erstmals Anforderungen an die Haltung aller Zirkustiere, etwa an fachkundige Versorgung, Unterbringung und Beschränkungen der Transportdauer.

Klöckner scheitert mit Verordnung : Bundesrat lässt Verbot von Wildtieren im Zirkus platzen

Agrarministerin Julia Klöckner bekam ihren Plan nicht durch.Foto: Imago Images/Jens Schicke

Klöckner kritisierte den Bundesrat, eine große Chance vertan zu haben. „Wildtiere haben nichts in der Manege verloren“, die Blockade des Bundesrats sei deshalb ein Vergehen am Tierschutz. Die Verordnung sei ein Meilenstein dafür gewesen.

In vielen europäischen Staaten dürfen Zirkusse schon länger gar keine Wildtiere mehr oder nur noch bestimmte Arten halten. Die Ministerin betonte: „Gefordert wurde dieser Schritt über Jahre, auch vom Bundesrat – nun hat er es aus purer Parteipolitik platzen lassen.“ Mehr Tierschutz erreiche man, wenn man handele. „Diese große Chance hat der Bundesrat vertan“, so Klöckner.

„Völlig vermurkster Verordnungsentwurf“

Tierschützer hingegen begrüßten die Entscheidung des Bundesrats. Aus Sicht der Tierschützer waren die Pläne völlig unzureichend, um den Schutz von Wildtieren in Zirkussen sicherzustellen. Sie kritisieren seit Jahren die Lebensbedingungen wilder Zirkustiere mit vielen Transporten von Stadt zu Stadt und fordern umfassendere Verbote.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, sprach von einem „völlig vermurksten Verordnungsentwurf“. Es hätte dringend ein Verbot für alle Wildtierarten gebraucht, deren Haltung und Zurschaustellung mit massiven Tierschutzproblemen verbunden ist, so der Tierschutzbund.

Klöckner scheitert mit Verordnung : Bundesrat lässt Verbot von Wildtieren im Zirkus platzen

Der Deutsche Tierschutzbund fordert auch ein Verbot von Tigern und Löwen im Zirkus.Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

In Klöckners Entwurf hätten Tierarten wie Großkatzen, Robben, Reptilien, Zebras, Kängurus oder Strauße jedoch keine Berücksichtigung gefunden. Hierfür hatten sich auch mehrere Länderminister der Grünen stark gemacht. Die Bundesregierung verwies auf unzureichende Rechtssicherheit dafür.

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„Ganz offensichtlich hat Julia Klöckner den Wunsch der Bevölkerung, die Wildtiere in Zirkussen mit großer Mehrheit ablehnt, ignoriert und zudem nicht verstanden, dass auch Arten wie Tiger und Löwen unter den ständigen Transportbedingungen, unzureichenden Gehegen und der Dressur im Zirkus leiden“, sagte Schröder.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erklärte ebenso wie der Deutsche Tierschutzbund, dass die Ablehnung aus Tierschutzsicht völlig richtig sei. Klöckners Pläne seien „ein zahnloser Tiger“ gewesen, es sei gut, dass die Haltung von Wildtieren in Zirkussen dadurch nicht legitimiert worden sei. Auf die Verbotsliste gehörten etwa auch Delfine, Greifvögel, Flamingos, Pinguine und viele weitere Arten. (mit dpa)

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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