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Großhändler mit Lockdown-Problemen : Die Hoffnung auf das Timing des neuen Metro-Chefs

Gastronomie und Hotels sind zu – folgerichtig bricht der Umsatz von Metro ein. Der Konzern sucht nun mit einem neuen Chef das Heil in der Digitalisierung.

Großhändler mit Lockdown-Problemen : Die Hoffnung auf das Timing des neuen Metro-Chefs

Handelsriese in Schieflage: Metro wird vom Lockdown hart getroffen.Foto: imago images/STPP

Es gibt eine Person in der Metro-Familie, die sich wohl noch ein bisschen mehr wünscht, dass Hotels und Gastronomie im Mai wieder öffnen dürfen, als alle anderen: Steffen Greubel. Denn der 47-Jährige übernimmt dann den Chefposten des Handelskonzerns. Der bisherige CEO, Olaf Koch, der seit 2012 an der Metro-Spitze stand, hatte sich zum Ende des vergangenen Jahres zurückgezogen.

Es ist ein Wechsel in schwierigen Zeiten. Denn es gibt leichtere Aufgaben, als einen Großhandelskonzern zu übernehmen, dem durch den Lockdown die wichtigsten Kunden weggebrochen sind. Entsprechend ernüchternd fallen die Quartalszahlen aus, die Finanzvorstand Christian Baier am Donnerstag präsentierte.

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Der Umsatz brach um 16 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro ein; der Ertrag gab um knapp 29 Prozent auf 376 Millionen Euro nach, unter dem Strich blieb von Oktober bis Dezember ein Gewinn von 99 Millionen Euro. „Unser erstes Quartal ist erwartungsgemäß durch die zweite Covid-19-Welle geprägt“, sagte Baier. Für das Geschäftsjahr 2020/21 rechnet der Konzern weiter mit einem leichten Umsatzminus und einem Ergebnisrückgang im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

In Russland läuft es besser als in Westeuropa

Man habe aber aus dem ersten Lockdown gelernt, mein Baier. Damals waren die Umsätze sehr viel stärker eingebrochen. Dabei läuft das Geschäft nicht überall auf der Welt so schlecht wie in Deutschland. In Russland machen kleine Läden einen Großteil der Kundschaft von Metro aus, nicht Restaurants und Hotels wie in Deutschland. Da die Geschäfte dort aber trotz Corona geöffnet bleiben dürfen, wuchs der Umsatz sogar leicht. Auch die Märkte in Osteuropa und Asien verzeichneten ein deutlich kleineres Minus als Westeuropa und Deutschland.

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Viel Arbeit für den neuen Chef. Greubel, der seine Karriere bei McKinsey begann, kommt von dem Schraubenhersteller Würth. Dort sitzt er seit 2019 im Vorstand. Als entscheidendes Argument für seine Verpflichtung gilt die Tatsache, dass Würth trotz seiner Rolle als Großhändler für Handwerker fast ein Drittel seiner Umsätze online generiert. Eine Marke, die man wohl auch bei Metro gerne erreichen würde. Denn nachdem Koch sein Augenmerk darauf gelegt hat, Metro durch den Verkauf von Real zu einem reinen Großhändler zu machen, gilt nun die Digitalisierung als Schlüsselprojekt der Konzernführung.

Metro prüft wohl weitere Zukäufe

So ging Metro etwa mit dem Dienstleister Wipro schon im vergangenen Dezember eine Partnerschaft ein, um das das IT-Angebot für Gastronomen zu verbessern. Und Metro scheint auch weiterhin nicht nur auf eigene Projekte zu setzen, sondern auch passende Firmen aufkaufen oder ans Unternehmen binden zu wollen. Im Oktober etwa übernahm der Konzern den zweitgrößten portugiesischen Lebensmittellieferanten Aviludo und im Dezember den spanischen Lieferanten Davigel.

Durch den Real-Verkauf und weitere Einmal-Effekte konnte Metro zuletzt seine Verschuldung senken. Mit Blick auf weitere Akquisitionen übte sich Finanzvorstand Baier am Donnerstag in einer möglichst zurückhaltenden und verklausulierten Kampfansage: „Wir nehmen die finanzielle Stärke in Anspruch, die uns befähigt, hier auch stark aktiv zu sein.“

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Steffen Greubel wird Metro ab Mai in eine digitale Zukunft führen.Sebastian Gollnow/dpa

Dabei hat Metro unter dem Namen Hospitality Digital bereits einen Fächer von 18 digitalen Angeboten für Gastronomen. Darunter sind Dienstleistungen wie etwa eine kostenlose Website für ein Restaurant, digitales Schichten- und Mitarbeitermangement oder auch Tools für Online-Reservierungen und Smartphone-Check-In. „Unsere Aufgabe besteht darin, Wert zu kreieren, um das Kerngeschäft von Metro, den Großhandel, zu stärken“, erklärt Volker Gläser, Chef von Hospitality Digital, dem Tagesspiegel. „Und je besser wir unsere Kunden auf dem Weg in eine digitale Zukunft unterstützen, desto besser ist das für unser aller Geschäft.“

Konkurrenz für Wolt und Lieferando

Die jüngste Neuerung dürfte vor allem den Lieferdiensten Lieferando und Wolt Sorgen bereiten. Denn mit dem jüngst gestarteten Angebot „Dish Order“ bietet Metro Gastronomen die Möglichkeit, Online-Bestellungen abzuwickeln. Sie können damit eine Bestell-Option auf ihrer eigenen Homepage einbinden oder ihre Gerichte direkt über Google bestellbar machen. „Der Kunde bekommt von Dish Order gar nichts mit“, so Gläser.

Der Unterschied zu Lieferando und Co: Metro erhebt keine Provision pro Bestellung, sondern eine fixe Gebühr von 49 Euro pro Monat. „Im Vergleich mit dem Angebot anderer Wettbewerber lohnt sich das für den Gastronomen schon ab wenigen Bestellungen pro Woche“, meint Gläser. Allerdings bietet Dish Order keine Möglichkeit, die Gerichte auszuliefern. Für Gläser aber kein Problem: „80 Prozent unserer Kunden haben uns in Befragungen in unserem Pilotprojekt in Frankreich als Feedback gegeben, dass sie das Belieferungsgeschäft selbst organisieren möchten.“ Dafür bietet Metro seinen Kunden Kooperationen mit den Autoverleihern Sixt und Europcar zu Sonderkonditionen.

Solche Angebote sollen den Gastronomen vor allem im Lockdown helfen. Doch Gläser ist überzeugt, dass die Kunden sich an solche digitalen Angebote gewöhnt haben. „Eine Bestellplattform wie Dish Order etwa werden Gastronomen auch danach brauchen“, sagt er. Letztlich dienen die digitalen Produkte von Metro der Stärkung des Kerngeschäfts. Das erleichtert die Arbeit von Gläser, da nicht zwingend jedes Angebot profitabel sein muss – anders als wenn sich Start-ups auf eines davon spezialisieren. Doch wenn sein Angebot genug Kunden bindet und der Lockdown im Mai aufgehoben wird, hat sich Greubel vielleicht doch genau den richtigen Startzeitpunkt ausgesucht.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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