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Folgen des Klimawandels : Wie die Deutsche Bahn die Hitze meistern will

Die Bahn kämpft bereits heute mit mehr Wetterextremen. Forscher:innen haben den Konzern nun bei der Anpassung an den Klimawandel beraten.

Folgen des Klimawandels : Wie die Deutsche Bahn die Hitze meistern will

In Deutschland wird es wärmer. Das führt zu mehr Störungen bei der Bahn.Foto: Imago/Ralph Peters

Deutschlands schnellster Klimaschützer – mit diesem Slogan vermarktet die Deutsche Bahn ihre ICE-Züge. Aber dem Klimawandel kann auch der Staatskonzern nicht davonfahren. Beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, damit sich die Bahn auf mehr Wetterextreme einstellen kann.

„Der Klimawandel ist nicht weit weg“, sagte PIK-Direktor Ottmar Edenhofer am Freitag bei der Präsentation der Ergebnisse. Die Folgen sehe man nicht nur in der Arktis, sondern auch in Magdeburg, Kiel und Karlsruhe. „Der Klimawandel trifft die Infrastruktur und ist damit ein Risiko für die Wirtschaft.“ Für die in ganz Deutschland tätige Deutsche Bahn ist der Anpassungsdruck besonders groß.

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Noch gebe es zwar Unsicherheiten bei der Prognose, wie sich der Klimawandel auf die Großwetterlagen in Deutschland auswirken werde, doch das sei kein Grund abzuwarten, betonte Edenhofer. „Was gestern extrem war, ist heute schwer einzuordnen, kann aber morgen schon normal sein.“

Besonders viel Hitze im Osten und im Rheintal

Schon heute leidet die Deutsche Bahn unter mehr Wetterextremen. So nimmt die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad deutlich zu. Waren es zwischen 1961 und 1990 im Durchschnitt noch 3,6 Tage pro Jahr, stieg dieser Wert in den vergangenen 30 Jahren bereits auf einen Durchschnitt von 8,1 Tagen. Für den Zeitraum von 2031 bis 2060 sagt das Potsdamer Institut deutschlandweit durchschnittlich 10,9 Hitzetage voraus.

Die Regionen sind dabei unterschiedlich stark betroffen. Neben dem Rheintal leidet auch Nordostdeutschland besonders unter der Hitze. In Berlin sind es bereits jetzt 13 Hitzetage. Zwischen 2031 und 2060 erwarten die Potsdamer Forscher:innen hier 16 Tage pro Jahr mit mehr als 30 Grad.

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Bei der Deutschen Bahn führt das zu deutlich mehr Störungen. Schon kleine Veränderungen jenseits von Schwellenwerten hätten starke Folgen, erklärt Edenhofer. Vier zusätztliche Störmeldungen registriert eine der 34 Regionen der Infrastruktursparte DB Netz an einem Hitzetag. Bei über 32 Grad sind es fünf zusätzliche Störungen. Zum Vergleich: An einem normalen Tag sind es etwa 15 Störmeldungen.

Ronald Pofalla kann das aus leidvoller Erfahrung bestätigen. Am Donnerstag  – dem bisher heißesten Tag des Jahres  – habe man wesentlich mehr Probleme registriert, sagte er. Seit einer ersten Klimafolgen-Studie im Jahr 2018 versucht der Konzern gegenzusteuern. So sollen Sensoren an Weichen und in Stellwerken bei zu viel Hitze Alarm schlagen, bevor es zu einem Ausfall kommt.

Defekte Klimanlagen sind für die Fahrgäste besonders unangenehm. Doch hier wähnt sich die Bahn auf einem guten Weg. Am heißen Donnerstag seien keine vermehrten Ausfälle gemeldet worden, sagte ein Konzernsprecher. Die Bahn führt das auch auf den neuen ICE 4 zurück, der zwei Kühlsysteme hat.

Das redundante System soll bis 45 Grad zuverlässig funktionieren. Doch auch die älteren ICE-Modelle wurden nachgerüstet. „Wir haben die Corona-Zeit genutzt, um uns auf den Sommer vorzubereiten“, erklärte der Sprecher.

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Ein starker Wintereinbruch machte der Bahn im Februar zu schaffen.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Weniger Eistage, aber auch weniger Schnee?

Die Zahl der Eistage geht dagegen im Schnitt deutschlandweit zurück. Von 23,7 Tagen pro Jahr zwischen 1961 und 1990 auf heute nur noch 16,9 Tage. Zwischen 2031 und 2060 werden es laut Szenario nur noch 8,1 Tage sein.

Ein Grund zur Entwarnung ist das für die Deutsche Bahn allerdings nicht. Denn auch die Tage mit starkem Niederschlag nehmen zu – im Winter könne das zu heftigem Schneefall führen, meinte Peter Hoffmann, der die PIK-Studie erstellt hat.

Im vergangenen Winter war die Deutsche Bahn von einem Wintereinbruch überrascht worden. Manche Strecken waren fast eine Woche gesperrt. Wettbewerber warfen dem Konzern vor, in Erwartung des Klimawandels beim Winterdienst zu sparen.

In den nächsten vier Jahren sollen nun 250 Millionen Euro in neue Räumfahrzeuge investiert werden, teilte der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, dem Verkehrsausschuss im Februar mit.

Ronald Pofalla verwies am Freitag auch auf Probleme mit dem Personal. Viele neu eingestellte Mitarbeiter haben so einen harten Winter offenbar noch nicht erlebt. Wissen sei verloren gegangen. „Im Sommer wird es nun Schulungen geben“, sagte Pofalla.

Weniger Bäume auf den Gleisen bei Sturm

Auch unter Herbststürmen litt die Deutsche Bahn in den vergangenen Jahren häufig. Insbesondere im Norden des Landes kam es immer wieder zu Streckensperrungen – etwa auf den ICE-Strecken von Berlin nach Hannover und Hamburg. Ob die Anzahl der Sturmtage weiter zunehmen wird, können die PIK-Forscher:innen noch nicht sagen.

Die Deutsche Bahn sieht sich aber auch dafür gerüstet. Der Konzern hat über 1000 zusätzliche Baumpfleger:innen eingestellt. Sie sollen Sträucher und Bäume so zurechtschneiden, dass sie nicht auf die Gleise fallen können.

Auch digitale Werkzeuge – etwa Drohnen – und Satellitenüberwachung sollen helfen. 125 Millionen Euro investiert der Konzern pro Jahr in die sogenannte Vegetationskontrolle, nachdem diese Aufgabe in den Mehdorn-Jahren vernachlässigt worden war. „Dank der erweiterten Grünpflege, sind Sturmschäden durch Bäume um 25 Prozent zurückgegangen“, sagte Pofalla.

Die schwarz-rote Koalition hat der Bahn mit einem Gesetz geholfen, das die Vegetationskontrolle auf privaten Grundstücken auch gegen den Willen der Besitzer:innen erlaubt. Mit etwa zehn Prozent der privaten Eigentümer:innen entlang der Gleise habe es hier zuvor Probleme gegeben, erklärte Pofalla. Jetzt müsse man Erfahrungen mit der Umsetzung des Gesetzes machen.

Die Bahn will schneller klimaneutral werden

Der Infrastrukturvorstand betonte am Freitag zudem, dass der DB-Konzern weiter daran arbeite, die Klimaerwärmung zu reduzieren. So teilte der Vorstand am Dienstag dem Aufsichtsrat mit, dass die Deutsche Bahn bereits 2040 klimaneutral werden soll – zehn Jahre früher als ursprünglich geplant.

Gegenüber 2006 habe man den CO2-Ausstoß bereits um 34 Prozent gesenkt. Ab 2025 will Pofalla alle Bahngebäude mit grünem Strom betreiben. 90 Prozent der Fahrleistung erfolgten elektrisch, sagte er. 62 Prozent des Bahnstroms kämen bereits heute aus erneuerbaren Energien, bis 2030 sollten es 80 Prozent sein.

Diesen hohen Wert erreicht die Bahn derzeit allerdings nur mit dem Zukauf von Zertifikaten. Denn aufgrund eines Uralt-Vertrages gehört der Konzern zu den größten Abnehmern von Kohlestrom hierzulande – aus dem Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Das ging im Mai 2020 ans Netz – gegen den Willen des Chefs der Kohlekommission, sein Name: Ronald Pofalla.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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