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Engpässe bei Herstellung: Klarheit über Impfstoffmengen von Biontech erst Ende Januar


Engpässe bei Herstellung: Klarheit über Impfstoffmengen von Biontech erst Ende Januar

Nach der Vorfreude auf den ersten Impfstoff mit EU-Zulassung folgte Ernüchterung: Die gelieferten Mengen blieben hinter den Erwartungen zurück. Das Mainzer Unternehmen Biontech hofft, die Produktion erhöhen zu können.

Biontech-Chef Ugur Sahin geht davon aus, dass das Unternehmen Ende Januar Klarheit über die weiteren Produktionsmengen für den Corona-Impfstoff haben wird. "Wir versuchen, neue Kooperationspartner zu gewinnen, die für uns produzieren. Aber es ist ja nicht so, als stünden überall in der Welt spezialisierte Fabriken ungenutzt herum, die von heute auf morgen Impfstoff in der nötigen Qualität herstellen könnten", sagte Sahin dem "Spiegel" [Bezahlinhalt]. "Ende Januar haben wir Klarheit, ob und wie viel wir mehr produzieren können."

Derzeit sehe es hinsichtlich der insgesamt verfügbaren Impfstoffe gegen Covid-19 "nicht rosig" aus, "weil weitere zugelassene Impfstoffe fehlen und wir mit unserem Impfstoff diese Lücke füllen müssen", sagte Sahin. Daher sei man mit dem US-Partner Pfizer daran, die Möglichkeit für eine erhöhte Produktion des eigenen Präparats auszuloten.

Gesundheitsministerium rechnet mit knapp vier Millionen Impfdosen bis Februar

Laut dem Bundesgesundheitsministerium wurden bisher 1,3 Millionen Impfdosen von Biontech an deutsche Behörden geliefert. Das Haus von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass bis Anfang Februar weitere 2,68 Millionen Einheiten verteilt auf vier Termine geliefert werden, hieß es auf Twitter.

Das entspricht den bereits bekannten Plänen, nach denen zunächst rund 670.000 Impfdosen pro Woche geliefert werden sollen. Inklusive der Lieferungen aus dem alten Jahr wären es dann insgesamt 3,98 Millionen Dosen.

Auch in Berlin und Brandenburg ist bisher weniger Impfstoff eingetroffen, als ursprünglich erwartet. Der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) will angesichts der Lieferprobleme den Druck auf den Bund erhöhen. Müller sagte am Mittwoch in der rbb-Abendschau, das werde das große Thema der Ministerpräsidentenkonferenz in der nächsten Woche sein. Er habe mit einigen Länderchefs gesprochen und alle hätten die gleiche Nachricht bekommen, dass es zuerst einen Lieferstopp und dann doch wieder neue Impfdosen geben werde.

Man werde deshalb darauf drängen, dass die Kapazitäten erhöht werden. Die Impfzentren stünden bereit. In Berlin könnten 20.000 Impfungen pro Tag vorgenommen werden, sagte Müller. Die anderen Bundesländer seien ebenfalls gut vorbereitet. Nun müsse Gesundheitsminister Spahn sagen, wie mehr Lizenzen vergeben werden könnten, damit es auch mehr Produkte gebe.

Gesundheitssenatorin fordert belastbare Zusagen

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD)zeigte sich empört über die anhaltende Unklarheit im Hinblick auf weitere Lieferungen von Corona-Impfstoff. "Ich erwarte jetzt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Aufklärung und endlich eine verlässlich und belastbare Auflistung des Impfstoffes, der da kommen soll", sagte sie am Freitag der DPA.

"Wir wissen ja noch nicht einmal, ob die jetzt für den 8. Januar angekündigte Lieferung zusätzlich oder nur vorgezogen ist", so Kalayci. "Und jetzt weiß die Firma Biontech offenbar auch nicht, was sie leisten, was sie liefern kann. So können wir die Priorisierung, die der Bund uns vorgegeben hat, nicht umsetzen."

"Man kann nicht einfach umschalten"

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer wurde kurz vor Weihnachten in der EU zugelassen und wird seit einigen Tagen auch verabreicht. Weitere Zulassungen für Corona-Impfstoffe gibt es in der EU bisher nicht. Die Staatengemeinschaft hat aber bereits bei mehreren Herstellern Impfstoffdosen geordert, die sich noch in der Entwicklung befinden. "Es gab die Annahme, dass noch viele andere Firmen mit Impfstoffen kommen. Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle. Mich hat das gewundert", sagte Sahin dazu.

Zu der Frage, ob Biontech andere Hersteller zur Produktion des neuen Impfstoffes lizenzieren könne, betonte Sahin die Komplexität bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. "Da kann man nicht einfach umschalten, so dass statt Aspirin oder Hustensaft plötzlich Impfstoff hergestellt wird. Der Prozess braucht jahrelange Expertise und eine entsprechende bauliche und technologische Ausstattung."

Amtsarzt fordert Lockdown bis Frühjahr

Der Amtsarzt des Berliner Bezirks Reinickendorf, Patrick Larscheid, hält einen Lockdown bis zum Frühjahr für unausweichlich. In Deutschland gebe es weiter "irre hohe Infektionszahlen", sagte er am Freitag der DPA. Nach dem Silvesterwochenende werde man den Lockdown-Effekt der Weihnachtstage sehen, er vermute aber einen nicht so starken Rückgang.

Vernünftigerweise sollte die Politik schon jetzt sagen, dass es "bis Ende März oder Ende April“ Beschränkungen geben müsse. Es seien gemeinsame Anstrengungen nötig, "um diese Mist-Krankheit wegzudrängen", so Larscheid.

Eine Quelle: www.rbb24.de

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