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EU-Kommission stellt Studie zu Gentechnik vor : Ackerpflanzen aus dem Genlabor sollen kommen

Mit der Genschere Crispr/cas kann man Pflanzen gezielt verändern. Bisher war das in der EU verboten – das dürfte sich ändern. Umweltschützer warnen vor der Technik.

EU-Kommission stellt Studie zu Gentechnik vor : Ackerpflanzen aus dem Genlabor sollen kommen

Fluch oder Segen? Die Gentechnik spaltet die Politik und die Gesellschaft.Foto: picture alliance/dpa

In den USA, Kanada, Brasilien, Argentinien und Australien sind die Techniken bereits im Einsatz, nun dürfte Europa nachziehen: Die EU-Kommission will neue gentechnische Verfahren wie die Genschere Crispr/cas in der EU leichter zulassen. Der derzeit geltende Rechtsrahmen, der eine strenge Prüfung voraussetzt, sei für diese innovative Technologie nicht zweckmäßig, heißt es in einer Studie, die am Donnerstag in Brüssel vorgestellt wurde.

Neuartige genomische Verfahren könnten die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Erzeugung fördern, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Entsprechend behandelte Pflanzen könnten bessere Nährwerte und einen gesünderen Fettgehalt aufweisen und mit weniger Pestiziden auskommen. Bereits im Mai soll die Studie mit den EU-Agrarministern und mit Europaparlamentariern erörtert werden, in den kommenden Wochen soll eine Folgenabschätzung durchgeführt werden.

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Mithilfe der Genschere Crispr/cas kann man gezielt DNA aus einer Zelle entfernen.Foto: mauritius images

Worum geht es?

Neuartige Züchtungstechniken erlauben, etwa mit Hilfe der Genschere Crsipr/cas direkt in die DNA einer Zelle einzugreifen. Ungewünschte Eigenschaften können ausgeschnitten und eliminiert werden, andere, gewünschte hinzugefügt werden. In den USA sind bereits eine Soja-Sorte mit verbesserten Öl-Qualitäten und ein herbizidresistenter Raps auf dem Markt. Auch an Weizen, dessen Gluteneiweiß von Menschen mit Zöliakie vertragen werden kann, Salat mit erhöhtem Vitamin-C-Gehalt und pilzresistenten Bananen wird gearbeitet.

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Im Einsatz: In Iowa steht Mais auf dem Feld, der mit Crispr/cas behandelt wurde.Foto: pa/obs/SWR

Agrarministerin Klöckner unterstützt die neue Technik

Von einem wichtigen Beitrag der neuen molekularbiologischen Techniken zu mehr Ressourcenschutz und globaler Erntesicherung sprach Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin. Angesichts des Klimawandels, von Dürren, Wassermangel und neuen Schädlingen müsse man die Chancen dieser Techniken „verantwortungsvoll nutzen, um den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln zu reduzieren, die Landwirtschaft in Europa und weltweit nachhaltiger zu gestalten sowie gleichzeitig auch in Zukunft genügend Lebensmittel für die Menschen zu produzieren“, wirbt Klöckner für die neue Gentechnik auf dem Acker. Auch der Deutsche Bauernverband forderte neue Züchtungstechniken, um schnell widerstandsfähige Kulturpflanzen zu erhalten.

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Dürreresistente Züchtungen? Agrarministerin Klöckner sieht Chancen in der neuen Technik.Foto: imago images/Jan Eifert

Umweltschützer, Ökobauern und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sehen das grundlegend anders. Sie warnen vor dem Einsatz der Technik. Das Umweltinstitut München kritisierte, mit den neuen Techniken werde ein Agrarsystem fortgeschrieben, das auf Umweltzerstörung setze und die Landwirte von Agrarkonzernen abhängig mache. „Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen einmal freigesetzt sind, kann man die Entwicklung nicht mehr einfangen“, gibt auch Schulze zu bedenken.

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Umweltministerin Schulze warnt vor Risiken

Die Ministerin hatte am Dienstag ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie einen weiterhin strengen Umgang mit der neuen Gentechnik fordert. Denn bislang hatte die neue Technik in der EU praktisch kaum Chancen, zur Anwendung zu kommen. Das liegt an einem Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2018, das Pflanzen, die durch das Genome Editing entstehen, als gentechnisch veränderte Organismen eingestuft und den strengen Freisetzungsregeln des EU-Rechts unterworfen hatte.

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Der andere Weg: Biobauern arbeiten ohne Gentechnik.Foto: picture alliance / dpa

Viele Wissenschaftler und Saatguthersteller halten dieses Vorgehen jedoch nicht mehr für zeitgemäß. Sie verweisen darauf, dass man Pflanzen, die mit der Genschere behandelt worden sind, von konventionellen Züchtungen nicht unterscheiden könne. Erst kürzlich hatte sich ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Unis Bayreuth und Göttingen für den Einsatz der Genschere selbst im Ökolandbau ausgesprochen, weil die Technik gezielte Züchtungen ermögliche und zur Nachhaltigkeit beitrage. Im Biolandbau ist der Einsatz von Gentechnik generell verpönt.

Hornlose Rinder mit Antibiotikaresistenz

Schulze warnt dagegen vor den Folgen der neuen Technik. So habe man in den USA hornlose Rinder per Gentechnik gezüchtet, ohne zu merken, dass diese gleichzeitig unbemerkt Antiobiotikaresitenzgene eingeschleust bekommen hätten. Die SPD-Ministerin fordert eine rückverfolgbare Lieferkette und will die unabhängige Risikoforschung ausgeweitet sehen. Zudem müsse man weiter an Verfahren arbeiten, mit denen der Einsatz des Genome Editing nachgewiesen werden kann.

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Lieber nicht: Viele Verbraucher wollen gentechnikfreie Lebensmittel.Foto: picture alliance / David Ebener/

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Damit ist sie nicht allein: 94 Verbände aus Land- und Lebensmittelwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz sowie den Kirchen haben am Mittwoch in einem gemeinsamen Papier für einen Fortbestand des starken Vorsorgeprinzips und der Wahlfreiheit der Bürger plädiert.

Dazu zählt auch eine Kennzeichnung der gentechnisch veränderten Produkte. Denn viele Bürgerinnen und Bürger hierzulande haben Vorbehalte gegen den Einsatz von Gentechnik. Bereits 60 Prozent der Milch und des Geflügelfleisches und 70 Prozent der Eier werden – freiwillig und auf eigene Kosten zertifiziert – gentechnik-frei hergestellt. Mit Lebensmitteln „Ohne Gentechnik“ macht der Einzelhandel inzwischen über zwölf Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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