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App für Erkrankte – „Den Krebs kann man nur im Team besiegen“

App für Erkrankte – „Den Krebs kann man nur im Team besiegen“

Rund 11.000 Krebspatienten und Angehörige haben die App von Jörg A. Hoppe bereits runtergeladen
Foto: Charles Yunck

Zum Weltkrebstag am 4. Februar stellt B.Z. die YES!APP von yeswecan!cer vor, die der Berliner Medienunternehmer Jörg A. Hoppe nach seiner Leukämie-Erkrankung entwickelt hat.

„Nein, wir schaffen das.“ Sagten seine Freunde, als er aufgeben wollte. Weil der Krebs ihn körperlich und seelisch zerfressen hatte und er die Schmerzen nicht länger ertragen konnte. „Nur durch die vielen Menschen, die rund um die Uhr für mich da waren, konnte ich immer wieder neue Kraft entwickeln“, erinnert sich Jörg A. Hoppe (68). „Das war die Idee für yeswecan!cer.“

Im Oktober 2016 wurde bei dem Medienunternehmer, der so erfolgreiche TV-Formate wie die „José Carreras Gala“ für die ARD, „Tracks“ für arte und „Bauer sucht Frau“ für RTL produziert hat, Leukämie diagnostiziert.

App für Erkrankte – „Den Krebs kann man nur im Team besiegen“

In der App können sich auch Angehörige von Krebspatienten in Gruppen zusammenfinden, ihre Sorgen und Ängste teilen oder sich gegenseitig Tipps für den oft schwer zu bewältigenden Alltag geben (Foto: Promo)

„Im Krankenhaus hieß es: Das ist hier keine Märchenstunde, die Chancen stehen 50-50.“ Erste Chemo, zweite Chemo, Stammzelltransplantation, Magendurchbruch, Not-OP. „Der Krebs war das einschneidenste Erlebnis, das ich in meinem Leben hatte, die größte Herausforderung.“

Er wusste vom ersten Moment an, dass er das nur schaffen würde, wenn er darüber reden könnte. „Ich bin schon immer ein Teamworker gewesen, ich brauche immer andere Leute. So war das auch beim Krebs.“ Die Schmerzen, die Ängste, die Verzweiflung waren so unsagbar groß – um das auszuhalten, musste er sich jedem, der zuhören wollte und konnte, mitteilen. Meist übers Handy. Das hat ihm geholfen – und diese Möglichkeit des emotionalen, unkomplizierten und direkten Austauschs sollten auch andere Betroffene haben.

App für Erkrankte – „Den Krebs kann man nur im Team besiegen“

Zu den Service-Funktionen gehört die genaue Auflistung der nächstgelegenen Beratungsstellen (Foto: Promo)

„Es ist so wichtig, dass man sich mit der Diagnose Krebs nicht alleingelassen fühlt“, betont Hoppe. „Man kann diese ganzen Gefühle, die Angst vor dem Tod, die Panik, die Sorge um die Familie nicht allein ertragen. Ich hatte die ganze Zeit meine Frau Simone an meiner Seite, sie hat mich jeden Tag im Krankenhaus besucht. Aber ich habe Patienten kennengelernt, die gar keinen Besuch bekommen haben, die haben vielleicht einmal die Woche mit jemandem telefoniert. Das sollte niemand erleben müssen – sondern eine Möglichkeit haben, ganz leicht mit anderen in Kontakt zu treten und dadurch Trost, Mitgefühl, Aufmunterung, Ablenkung oder was auch immer zu bekommen.“

Und genau das will er mit der YES!APP jedem Betroffenen ermöglichen.

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Die App ist eine zeitgemäße Alternative zu Selbsthilfegruppen für Krebspatienten und für ihre Angehörigen. Sie können darüber in Kontakt treten, Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig Mut machen. Genau das, was Hoppe sich für sich selbst wünschte und was klassische Selbsthilfegruppen oft nicht leisten können.

„Ich wollte unbedingt andere Menschen fragen: Wie geht’s einem nach einem halben Jahr, nach einem Jahr, bleiben die Nebenerkrankungen oder gehen die wieder weg, wie gehen sie mit verschiedenen Dingen um? Zum Beispiel, dass man nicht in die Sonne gehen darf, wie macht man das überhaupt praktisch?“

Zwar fand er in Berlin eine Selbsthilfegruppe, aber nicht um die Ecke, sondern in einem anderen Stadtbezirk – eine kräftezehrende Herausforderung für einen gerade genesenden Krebspatienten! „Außerdem hatten die Patienten zwar dieselbe Krankheit wie ich, aber ganz andere Themen. Und sie haben sich viel zu selten getroffen. Da war ich frustriert und dachte: Wieso gibt’s dafür denn keine App?“

App für Erkrankte – „Den Krebs kann man nur im Team besiegen“

App-User können auch lokale Gruppen gründen, wie z.B. die „U30 & Krebs“-Gruppe, die sich speziell an Berliner richtet. Das macht es leichter, sich auch im echten Leben zu treffen (Foto: Promo)

Weil es sie nicht gab, entschied er: „Dann mache ich das selbst.“ Setzte sich mit anderen Krebspatienten zusammen, legte los. Und bekam von Anfang an großen Zuspruch: „Wir bekommen so viel Feedback von Menschen, die sich genau das gewünscht haben: eine Möglichkeit des Austauschs. Für die schönen, aber vor allem für die vielen schweren Stunden.“

Viele Prominente, z.B. Joko Winterscheidt (42), Anna Loos (50), Tim Mälzer (50) und Stefanie Giesinger (24) unterstützen die Idee mit Spots und in den sozialen Netzwerken, in denen sie allen von Krebs Betroffenen sagen: „Du bist nicht allein.“

So funktioniert die YES!APP:

App für Erkrankte – „Den Krebs kann man nur im Team besiegen“

Professor Dr. Ulrich Keilholz (Foto: Charles Yunck)

► Die yeswecan!cer-App ist kostenlos für iOS und android-Geräte downloadbar.

► Krebspatienten und Angehörige können sich in wenigen Schritten kostenlos anmelden.

► Über die Chatfunktion können sie sich schnell und unkompliziert mit anderen austauschen. Sich gegenseitig Trost spenden, Mut machen. Zuhören und gehört werden.

► User können Gruppen erstellen zu allen Themen, die sie interessieren, z.B. Ernährung bei Krebs, Brustkrebs, Krebs bei Menschen unter 30, Impferfahrungen u.v.m.

► Donnerstags findet der Call-in zu einem vorab angekündigten Thema statt: „In dieser Live-sendung gibt es für die App-User nicht nur viele Informationen, sie können unseren medizinischen Experten auch ihre individuellen Fragen stellen.“ Wer einen Call-in verpasst hat, kann ihn sich später in der App ansehen.

► „Wir wollten, dass man darüber hinaus über die App Ärzte ansprechen kann. Deshalb haben wir einen großen ärztlichen Beirat und auch schon die ersten Ärzte in der App, die man anschreiben kann. Diese Funktion wird weiter ausgebaut.“

► Über eine Karte können User sehen, wo es Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe gibt.

► Über die App erhält man Zugang zu den Blauen Ratgebern der Deutschen Krebshilfe mit Informationen zu den Themen Krebstherapie, Prävention und Früherkennung.

Früherkennungsuntersuchungen nicht wegen Corona verschieben!

„Seit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Neudiagnosen von Krebserkrankungen um ca. 30 Prozent zurückgegangen“, berichtet Prof. Dr. Ulrich Keilholz (63), Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers. „Das liegt nicht daran, dass der Krebs plötzlich zurückgegangen wäre, sondern daran, dass die Menschen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus in Arztpraxen ihre Früherkennungsuntersuchungen nicht wahrnehmen.“

Die Folgen dieser aktuellen Entwicklung sind fatal, erklärt der Onkologe, denn:

► Je eher ein Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen!

► Wenn ein Krebs erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, muss die Therapie meist intensiver gestaltet werden, was zu heftigeren Nebenwirkungen führen kann.

► Diese intensivere Therapie muss dann meist stationär durchgeführt werden. Dadurch gibt es wieder mehr Patienten in Krankenhäusern, was in der Pandemie vermieden werden muss, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

„Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen nicht zu vernachlässigen! Hautkrebsscreening, Abtasten der Brust, Tests auf Blut im Stuhl – diese Untersuchungen sind wichtig und sollten auf keinen Fall verschoben werden“, appelliert Keilholz und betont: „Das Risiko einer Ansteckung mit Corona in einer Arztpraxis ist sehr gering, weil gerade hier besonders auf Hygiene geachtet wird.“

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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