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Rückkehr mit Blessuren : Julian Reichelt muss Macht in „Bild“-Chefredaktion künftig teilen

In einem Compliance-Verfahren wurde ein mögliches Fehlverhalten von Reichelt untersucht. Nun arbeitet er wieder – muss aber die Macht künftig teilen.

Rückkehr mit Blessuren : Julian Reichelt muss Macht in „Bild“-Chefredaktion künftig teilen

Julian Reichelt kehrt an seinen Arbeitsplatz bei “Bild” zurück, allerdings als Teil einer Doppelspitze.Foto: imago images/Jörg Schüler

Es ist ein Freispruch mit deutlichen Schönheitsfehlern. Julian Reichelt, der Vorsitzende der Chefredaktion von „Bild“ kehrt nach Abschluss des Compliance-Verfahrens gegen ihn zwar an seinen Arbeitsplatz zurück, seine Machtfülle an der Spitze der „Bild“-Redaktion wird jedoch beschnitten.

Gegen den bisher allein verantwortlichen Vorsitzenden der „Bild“-Chefredaktion hatte es eine Untersuchung wegen Machtmissbrauchs, das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen und Drogenmissbrauch gegeben, nachdem mehrere Mitarbeiterinnen des Boulevardblattes Vorfälle aus den vergangenen Jahren gemeldet hatten. Das unternehmensinterne Compliance-Management von Springer hatte mit Unterstützung der Kanzlei Freshfields über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen die verschiedenen Hinweise auf mögliches Fehlverhalten von Reichelt untersucht und ausgewertet.

Nun liegt das Ergebnis des Compliance-Verfahrens vor. „Auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse hat der Vorstand der Axel Springer SE beschlossen, dass Julian Reichelt seine Arbeit fortsetzt und die am 12. März 2021 auf Wunsch von Julian Reichelt erfolgte Freistellung mit sofortiger Wirkung aufgehoben wird“, teilte der Verlag mit. „Entgegen der in einigen Medien kolportierten Darstellung“ habe es „keine Vorwürfe und auch im Untersuchungsverfahren keine Anhaltspunkte für sexuelle Belästigung oder Nötigung gegeben“, so der Springer-Konzern. Reichelt hat die Vermischung von beruflichen und privaten Beziehungen eingeräumt, die anderen Vorwürfe jedoch bestritten und dies auch eidesstattlich versichert.

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Der Springer-Vorstand sah es auf Basis dieses Ergebnisses als „nicht gerechtfertigt“ an, Reichelt von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen. In die Gesamtbewertung seien auch „die enormen strategischen und strukturellen Veränderungsprozesse und die journalistische Leistung unter der Führung von Julian Reichelt“ eingegangen.

Doppelspitze für die rote “Bild”-Gruppe

Als eine Konsequenz aus dem Verfahren verliert Reichelt allerdings seine alleinige Macht über die rote „Bild“-Gruppe im Springer-Konzern. Alexandra Würzbach, die als Chefredakteurin von „Bild am Sonntag“ und Mitglied der „Bild“-Chefredaktion während der Freistellung von Reichelt kommissarisch die „Bild“-Geschäfte geführt hat, wird künftig mit Reichelt eine Doppelspitze in der Redaktionsleitung von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ bilden. Die 52-jährige Würzbach wird dabei gleichberechtigte Vorsitzende der „Bild“-Chefredaktion sein.

Die künftige Arbeitsteilung sieht vor, dass sich Reichelt künftig auf die Schwerpunkte „Bild“ Print und digital sowie „Bild Live“ konzentriert. Neben „Bild am Sonntag“ wird sich Alexandra Würzbach schwerpunktmäßig um das übergreifende Personal- und Redaktionsmanagement kümmern. Für die inhaltliche Ausrichtung aller Produkte der „Bild“-Gruppe sind Alexandra Würzbach und Julian Reichelt gemeinsam verantwortlich.

„Wir sind nach gründlicher Abwägung zur Überzeugung gelangt, dass es richtig ist, dass Julian Reichelt nun in einer Doppelspitze mit Alexandra Würzbach seine Arbeit fortsetzen kann. Er hat Fehler gemacht. Nach allem, was im Zuge der Untersuchungen zum heutigen Tage bekannt geworden ist, halten wir eine Trennung aber für unangemessen“, sagte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und dankte „ausdrücklich denjenigen, die uns mit ihren Hinweisen geholfen haben“. Zugleich sei klar geworden, dass auch ohne rechtlichen Handlungsbedarf Änderungsbedarf bei der Führungskultur von „Bild“ bestehe, so Döpfner. „Wir wollen und müssen aus dieser Erfahrung lernen und besser werden.“

Reichelt gesteht Fehler „im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen“ ein. Er könne und wolle nicht schönreden, dass er „Menschen, für die ich verantwortlich bin, verletzt habe“. Gleichberechtigt mit Alexandra Würzbach und gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wolle er nun als ein Team eine neue Unternehmenskultur für „Bild“ schaffen und vorleben.“

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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