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Riesen-Chaos um Impfstoff-Produktion in Berlin

Riesen-Chaos um Impfstoff-Produktion in Berlin

Das Gebäude des Pharmaunternehmens „Berlin-Chemie“
Foto: picture alliance / dpa

Komplettes Chaos um die Produktion von Impfstoff in der Hauptstadt. Nach weniger als acht Stunden war der Traum schon wieder geplatzt!

von Stefan Peter und Hildburg Bruns

Um kurz nach halb zwölf hatte am Donnerstag Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (53, SPD) das Abgeordnetenhaus überrascht. Stolz verkündete sie im Landes-Parlament: „Berlin-Chemie ist bereit in Berlin, meine Damen und Herren, eine Impfstoff-Produktion aufzubauen! Ich finde, dass ist eine gute Nachricht!“

Darüber habe sie am Morgen den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (56, SPD) informiert. Kalayci behauptete: „Wir prüfen gemeinsam einen schnellen Ausbau von Impfstoff-Kapazitäten. Das wäre großartig, wenn Berlin einen Beitrag leisten kann.“

Sofort griffen alle Medien die hoffnungsvolle Nachricht auf. Bei Fachleuten löste sie allerdings Erstaunen aus. Denn noch vor zwei Wochen hieß es im Wissenschaftsausschuss, Berlin habe keine Technologie für eine Impfstoff-Produktion.

Am Nachmittag meldete sich Senatssprecherin Melanie Reinsch (41) bei der B.Z., stellte klar: „Es geht nicht um Produktion, sondern um die Abfüllung von Impfstoff!“ Wann? „Wenn er zur Verfügung steht.“

Damit war das Wirrwarr komplett. Dazu trug Berlin-Chemie allerdings selbst bei. Auch auf mehrere Anfragen antwortete das Unternehmen nicht: „Wir melden uns.“ Wann? „Bald.“

Um 19.08 Uhr dann der SCHOCK. Eine Mail von Berlin-Chemie: man stehe in Sachen Impfstoff überhaupt nicht zur Verfügung!

Die Firma bedanke sich „bei der Berliner Senatsverwaltung für die positiven und konstruktiven Gespräche bezüglich einer möglichen Unterstützung bei der Aufbereitung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2. Die Technologie, über die das Unternehmen verfügt, ist für die Produktion von Impfstoffen nicht geeignet.“

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Nachfrage der B.Z.: Gilt die Absage nur für die Produktion? „Nein, auch für die Abfüllung!“ Wie es dann zu den Aussagen von Frau Kalayci kam? „Das war ein Missverständnis. Im Gespräch ist es falsch herübergekommen“, so eine Sprecherin. Das Unternehmen habe den Plan geprüft, könne aber „leider nicht mitmachen“.

Seit 1992 gehört der Betrieb (sitzt in Adlershof) zur italienischen Menarini-Gruppe. Nach B.Z.-Informationen soll Donnerstagmorgen der Deutschland-Chef von Berlin-Chemie Kalayci grünes Licht gegeben haben, die Impfstoff-News zu verkünden. Das soll die Firma auch gegenüber Müller bestätigt haben. Im Laufe des Tages sei dann aber ein „Nein“ aus der Menarini-Zentrale in Florenz gekommen.

Jedenfalls hatte Kalayci vor den Abgeordneten versichert: „Berlin-Chemie hat gute Voraussetzungen, um eine Impfstoff-Produktion aufzubauen.“ Und: „Es steht eine Halle zur Verfügung. Auch mit unserer Unterstützung gehen wir davon aus, dass ein schneller Ausbau der Impfproduktion möglich ist. Wir sind jetzt in den Prüfungen.“

► Die Absage von Berlin-Chemie sorgte abends im Landesparlament für Kopfschütteln. Forschungs-Experte Adrian Grasse (46, CDU) zur B.Z.: „Ich bin fassungslos, dass Frau Kalayci so mit der Hoffnung der Berliner umgeht. Das geht doch nicht!“

► Der FDP-Abgeordnete Florian Kluckert (46): „Mit Falschmeldungen die Bevölkerung weiter zu verunsichern, spricht nicht für ein gutes Krisenmanagement des Senats. Da man selbst zu wenige Erfolge vorzuweisen hat, greift man nach jedem Strohhalm, um Positives berichten zu können – ohne vorher den Inhalt überprüft zu haben.“

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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