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Zweimal Berlinale – 166 Filme und eine große Herausforderung

Zweimal Berlinale – 166 Filme und eine große Herausforderung

Die Festival-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek vor einem Foto von Ex-Jury-Präsidentin Meryl Streep
Foto: Siegfried Purschke

Die Berlinale gibt es dieses Jahr gleich zweimal. Von Montag bis Freitag finden Filmmarkt und Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären statt. Vom 9. bis 20. Juni soll ein Publikumsfestival in mehreren Berliner Kinos folgen.

Gezeigt werden insgesamt 166 Filme aus 59 Ländern in elf Kategorien. Dass der 15 Filme, darunter vier deutsche Produktionen, umfassende Wettbewerb bereits im März stattfindet, hat den Berlinale-Chefs Carlo Chatrian (49) und Mariette Rissenbeek (64) allerdings auch Kritik eingebracht.

Besonders die derzeit geschlossenen Kino befürchten mangelndes Publikumsinteresse im Sommer, wenn die Berlinale-Filme schon jetzt um die Preise konkurrieren. Was die Filmfestspiele „einzigartig macht, ist ihr Publikum“, sagt etwa Christian Bräuer (49), Vorsitzender der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater. „Ein Wettbewerb hinter verschlossenen Türen negiert die Identität der Berlinale. Denn der Wettbewerb erhält erst durch den Hype und die öffentliche Debatte seine Relevanz.“

Warum Berlinale im Lockdown?

Dass die Berlinale nicht komplett in den Sommer verschobenen wurde, hat mit dem European Film Market (EFM) zu tun, der als eines der größten Branchentreffen für Filmkäufer die wirtschaftliche Bedeutung der Berlinale definiert. Eine Verschiebung in den Juni würde eine zu große Nähe zum Festival in Cannes (Juli) und damit Konkurrenz bedeuten. „Den angestammten Markttermin nicht aufzugeben, ist nachvollziehbar“, sagt auch Bräuer.

Zweimal Berlinale – 166 Filme und eine große Herausforderung

Tom Schilling ist Erich Kästners „Fabian“ im Film von Dominik Graf (Foto: Hanno Lentz / Lupa Film)

Felix von Boehm (34), Produzent des deutschen Beitrags „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“, gibt zwar zu: „Natürlich ist die Teilung der Berlinale jammerschade.“ Doch seien die Chancen eines Wettbewerbsfilms auf dem Markt größer: „Deswegen halte ich es auch für konsequent, den Wettbewerb jetzt schon parallel zum Markt stattfinden zu lassen. Damit tun wir dem Leben dieser Filme einen großen Gefallen.“

Pressevorführungen im Pandemie-Schutz-Modus

Der Produzent musste derweil eine andere Herausforderung meistern. So dürfen akkreditierte Journalisten die Festivalfilme online streamen. Doch Erich Kästners Dreißigerjahre-Berlin in „Fabian“ nur am kleinen Computerschirm zu bewundern, war von Boehm zu schäbig. Also mietete er in ganz Deutschland Kinos für Pressevorführungen im Pandemie-Schutz-Modus. „Wir haben unseren Film nicht zum Streaming freigegeben, weil wir das Kino lieben“, so von Boehm. Ähnlich verfuhr Daniel Brühl mit seinem Regiedebüt „Nebenan“.

Zweimal Berlinale – 166 Filme und eine große Herausforderung

Daniel Brühl (re. mit Peter Kurth) präsentiert sein Regiedebüt „Nebenan“ im Wettbewerb (Foto: Reiner Bajo)

Trotz allem schürt Carlo Chatrians Filmauswahl Hoffnungen auf einen starken Wettbewerb. Neben „Fabian“ von Dominik Graf und Brühls Debüt sind u.a. „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader, „Herr Bachmann und seine Klasse“ von Maria Speth sowie Filme von Céline Sciamma und Radu Jude dabei.

Umso wichtiger ist die baldige Öffnung der Kinos, damit, wie Christian Bräuer sagt, „die Berliner Filmfans endlich wieder vor der großen Leinwand in eine andere Welt abtauchen und im Juni die Sommer-Berlinale feiern dürfen“.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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