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ZDF-Krimi : Lachen mit Liefers

Der ZDF-Krimi „Requiem für einen Freund“ kommt erfreulich witzig daher.

ZDF-Krimi : Lachen mit Liefers

Sie wollen doch nicht… Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) sucht und findet Brigitte Marquardt (Carina Wiese) mit einer Waffe in…Foto: ZDF und Conny Klein

Das Wichtigste im Krimi? Eigentlich die Frage: Wer ist der Mörder? In „Requiem für einen Freund“ ist das anders. Es wird zwar auch gemordet. Doch wer eigentlich dahinter steckt, wird nicht so ganz klar. Jan Josef Liefers als Anwalt mit dem Herz am rechten Fleck hetzt derweil durch Berlin, also konkurriere er mit Franka Potente in „Lola rennt“. Das Ganze ist überraschend kurzweilig.

Doch der Reihe nach. Eine Steuerprüfung – wer das einmal durchleben musste, weiß: das ist Horror pur. So etwas droht nun auch dem umtriebigen Rechtsanwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers). Ein Herr vom Finanzamt sitzt schon in einem Büro und dreht jeden Quittungsbeleg um. Was für Normalsterbliche eine Quälerei, ist für den Beamten lustvoll „wie Sudoku“. Doch schon bald liegt der emsige Buchprüfer tot in einer Blutlache.

Wie kann das sein? Vernau würde ja gerne Porsche fahren. Doch das wirklich dicke Geld verdient er nicht. Diesem Anwalt steht seine Aufrichtigkeit im Wege. Hat etwa einer seiner Mandanten Dreck am Stecken?

Josef Rusnak als neuer Vernau-Regisseur

Seit 2012 verfilmt das ZDF in loser Folge die Kriminalfälle des Berliner Anwalts Joachim Vernau. Auch der nunmehr sechste Fall stammt aus der Feder der zuverlässig liefernden Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann. Bis zu seinem Tod im Jahr 2016 übernahm die Adaption Carlo Rola. Die letzten beiden Vernau-Krimis verfilmte Josef Rusnak, der kein typischer Fernsehregisseur ist – und das ist gut so. Rusnak macht, was eingefleischte Krimifans eigentlich nicht mögen. Er nimmt den Krimiplot nicht bierernst und rückt stattdessen das Drumherum, die vermeintlichen Beigaben und Nebenfiguren, ins Zentrum.

(„Requiem für einen Freund“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15)

Und so beginnt auch der neue Vernau-Fall nicht mit der üblichen „Tatort“-Routine, wo stets in den ersten Minuten eine Leiche anfällt. Stattdessen muss Vernau vor Gericht verhindern, dass seine Mama auf die Straße gesetzt wird. Ein Berliner Miethai klagt auf Eigenbedarf. Die arme Mutter des Vermieters müsse ansonsten ins Pflegeheim. Doch dann spielt Vernau der Richterin ein Handyvideo zu, das er im noblen Grunewald-Tennisclub aufgenommen hat. Es zeigt, wie die „bettlägerige Dame“ ein munteres Tennismatch gewinnt.

Witzig ist das. Das ZDF thematisiert die Belange von Senioren – macht dabei aber kein Kukident-Fernsehen. In diesem Stil surft Jan Josef Liefers kreuz und quer durch Berlin, das wie ein Kaleidoskop unterschiedlicher Mikrokosmen erscheint.

Kida Khodr Ramadan ironisiert sein “4 Blocks”-Image

Eben noch witzelt Vernau in der Kanzlei seiner Partnerin Marie-Luise Hoffmann (Stefanie Stappenbeck) über junge Hipster, die sich gegenseitig in Diversity überbieten. Einen Moment später wird ihm vor der Villa seines zwielichtigen Freundes aufgelauert von libanesischen Gangstern, die Gangsta Rap hören. Die schweren Jungs zerlegen erst einmal sein Auto, bevor sie nachfragen, ob sie überhaupt den richtigen erwischt haben. Und dann versetzt Kida Khodr Ramadan – der sein Image aus „4 Blocks“ auf die Schippe nimmt – dem Rechtsanwalt einen heftigen Schwinger, um hinzuzufügen: „Ich bin der Gute.“

Um was es geht? Nun ja, um Steuer- CDs und einen korrupten Berliner Bausenator. Und um Vernaus alten Freund Sebastian Marquardt (August Zirner), der einen arabischen Clan mit gefakten Immobilien-Projekten aufs Kreuz legte. Angeblich stirbt er in Mexiko bei einem Verkehrsunfall.

So zusammengefasst, klingt das nach biederer Krimikost. Dieser Krimi ist aber nicht bieder. Er hat Esprit und Tempo. Der gut aufgelegte Jan Josef Liefers als liebenswürdig-chaotischer Lebenskünstler trägt dazu einiges bei. Gewiss, auch dieser quirlige Anwalt muss, wie das in Krimis Usus ist, stets mit den üblichen Verdächtigen parlieren. Doch dieses Ritual unterläuft Liefers immer wieder mit kleinen selbstironischen Gesten.

Im wohl schönsten Moment dieses Krimis braust er mit einem laut knatternden PS-Boliden durch Neukölln, wo die Jungs anerkennend den Daumen hoch recken. Und wenn der Rechtsanwalt auf dem ehemaligen Rollfeld von Tempelhof steht, wo ihm ein Modellflugzeug bedrohlich nah über den Kopf braust, dann erinnert Vernau sogar einen Moment lang an Cary Grant in „Der unsichtbare Dritte“.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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