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Wir haben Angst um unser Zuhause

Wir haben Angst um unser Zuhause

Gemeinsam stark. Die Nachbarschaft hält zusammen. Hofft, dass der Deal mit einer Genossenschaft und der finanziellen Hilfe des Senat zustande kommt
Foto: Privat

Das Bettlaken weht leicht im Sonnenlicht. „Milieuschutz? Wir sind das Milieu!“, steht darauf. Geschrieben von den Mietern des Mietshauses Mehringdamm 49.

Während Passanten am Sonnabend beschwingt vorbeispazieren, stehen sie mit Sorgenfalten im Gesicht vor ihrem Wohnhaus. Sie bangen um ihre Zukunft, denn die Immobilie wurde an einen luxemburgischen Investor verkauft.

Wir haben Angst um unser Zuhause

Kayo Nakai (34) mit Sohn Haru (3) wohnt seit drei Jahren in dem Haus: „Das ist unser Zuhause. Der Kleine hat seine Kita hier und wir erwarten jetzt unser zweites Kind. Wir dachten, wir können hier unsere Kinder aufwachsen sehen. Wenn die Miete steigt, müssen wir raus“ (Foto: Parwez)

Die Anwohner, insgesamt 35 Mietparteien, haben Angst, dasselbe Schicksal wie die Mieter des Nachbarhauses zu erleben. Auch deren Haus wurde verkauft. Nach vier Eigentümerwechseln und vier Jahren Sanierung lebt dort heute kein einziger der Alteingesessenen mehr.

„Wir können diese Übergabe in fremde Hände noch stoppen“, sagt Anwohnerin Mareike S.(36), seit acht Jahren Mieterin im Haus.

Bei der Kundgebung ging es daher nur um dieses eine Thema: Die bevorstehende Übernahme durch den luxemburgischen Privatinvestor Eiger PropCo S.à.r. Am 28. Juni soll es soweit sein.

Bis dahin kämpfen die Mieter gemeinsam dafür, dass das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von dem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. Sie haben Angst vor steigenden Mieten und der Verdrängung aus ihrem Eigenheim.

Jahrelang mussten die Mieter mitansehen wie Bewohner nebenan am Mehringdamm 51 nach einem Verkauf an einen Investor ihre Wohnungen verlassen haben. Bis heute wird das Haus saniert.

Wir haben Angst um unser Zuhause

Harald Seewald (61), Elektriker: „Ich war hier mal Elektrikerlehrling, wohne seit 41 Jahren im Haus. Ich zahle für meine Zweizimmerwohnung (62 qm) 336 Euro. Jetzt erwartet uns wahrscheinlich eine Mieterhöhung. Wir mussten vor der Übergabe bereits die Keller räumen“ (Foto: © Parwez)

Die Mieter sind weg. Einigen wurde Geld für den Auszug geboten, andere hielten dem Baulärm und der ständig unterbrochenen Strom-und Wasserversorgung nicht stand und gingen freiwillig.

Die einzige Lösung für eine Rettung des Mehringdamms 49 ist eine Übernahme durch eine Genossenschaft. „Bremer Höhe“ würde einspringen, doch den Kaufpreis von 4,8 Millionen Euro kann sie aktuell nicht stemmen. Der Senat müsste ihnen beim Kauf unter die Arme greifen.

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Mareike S. (36), freie Kuratorin, wohnt seit 2013 in dem Haus: „Wenn der Investor kommt, muss ich raus. Ich wohne hier wie einige andere zur Untermiete. Die größte Angst ist, dass uns dasselbe erwartet wie drüben in der 51“ (Foto: Parwez)

Die Mieter hoffen, dass das Vorkaufsrecht greift. Auf B.Z.-Nachfrage sagte eine Sprecherin des zuständigen Bezirksamtes, dass der Erwerb durch die Genossenschaft zurzeit geprüft werde.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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