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Wie Alpaka Oscar den Fußballplatz stürmte : Die rührendsten (und komischsten) Sportgeschichten des Jahres

Ein Hausmeister wird zum Helden, ein Alpaka will mitkicken und eine Kamera folgt der Glatze statt dem Ball. Das Sportjahr 2020 hatte durchaus was zu bieten.

Wie Alpaka Oscar den Fußballplatz stürmte : Die rührendsten (und komischsten) Sportgeschichten des Jahres

Haben mitunter Bock auf Fußball: Alpakas.Foto: picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Alles ganz normal
Sidney Friede vom Fußball-Bundesligisten Hertha BSC wechselt zum SV Wehen Wiesbaden in die Zweite Liga. Der neue Eisbären-Torwart Justin Pogge sagt: „Ich fühle mich sehr gut.“ Und Alba Berlins Kapitän Niels Giffey urteilt über den Sieg gegen Weißenfels in der Basketball-Bundesliga: Es war „eine Offensivschlacht, aber defensiv hässlich“. Diese Meldungen laufen an Neujahr von der dpa ein. Normalerweise würden sie nicht in einem Jahresrückblick auftauchen. Aber 2020 ist so vieles anders. Daher starten wir im Januar mit Friede, Pogge und Giffey. Kurz gesagt: mit etwas Sport-Normalität.

Von der Tribüne ins Tor
Mitte Februar bestimmt noch größtenteils der Sport die Sport-Schlagzeilen und hat folgende schöne Geschichte parat: David Ayres spielt gern Eishockey. Als Hobby. An diesem Samstagabend im Februar ist Ayres gemeinsam mit seiner Frau Zuschauer beim Heimspiel der Toronto Maple Leafs gegen die Carolina Hurricanes in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Sonst ist er Hausmeister beim Klub und fährt die Eismaschine. Im ersten Drittel verletzt sich Carolinas Stammkeeper James Reimer, im zweiten Ersatzmann Petr Maszek. Nun greift folgende, selten angewandte Regel: Der vorab vom Gastgeber für beide Teams benannte Notfalltorhüter kommt zum Einsatz. Es ist David Ayres. Der Fan der Maple Leafs geht für Carolina aufs Eis. Er zeigt insgesamt acht Paraden und hat damit entscheidenden Anteil am 6:3-Erfolg der Gäste. Ayres ist der Held des Abends. „Obwohl ich im gegnerischen Team war, haben mich die Fans in Toronto gefeiert. Das Team und alle Fans waren großartig zu mir“, sagt der 42-Jährige. .

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Der Helfer. David Ayres wird völlig unverhofft NHL-Torhüter.Foto: AFP

Noch einmal 55 000 Fans
9. März, das Coronavirus macht sich in Deutschland breit. 1000 Fälle sind bekannt, viele mehr unbekannt. Ein Virologe namens Drosten warnt und warnt und warnt. Trotzdem findet am Montagabend das Topspiel der Zweiten Liga statt. Der VfB Stuttgart empfängt Spitzenreiter Arminia Bielefeld. Fast 55 000 Menschen besuchen das Stadion, sitzen eng an eng, brüllen ihre Freude und ihren Frust heraus. Über das Spiel (es endet 1:1), vielleicht aber auch über die Zukunft, die finster werden könnte. Vor allem aber über den Zustand der Unwissenheit. Ein dreiviertel Jahr später weiß man zumindest: Es ist bis heute – und wird es auf unabsehbare Zeit sein – das letzte Fußballspiel in Deutschland vor solch einer imposanten Kulisse.

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Kein Saft mehr
Virtuelle Wettkämpfe stehen im Frühjahr notgedrungen hoch im Kurs. Mirinda Carfrae beispielsweise beteiligt sich von zu Hause an einem Ironman. Die Weltklassetriathletin aus Australien tritt gegen drei Konkurrentinnen an und liegt beim Radfahren auf Rang zwei. Da betritt ihr Ehemann das Zimmer, um seine Gattin moralisch zu unterstützen. Er übersieht das ans Fahrrad angeschlossene Stromkabel, stolpert darüber und trennt die Verbindung. Zurück am Netz, fährt Mirinda Carfrae weiter, doch ihr Ergebnis wird als inoffiziell gewertet.

381,5 Kilometer an einem Tag
Apropos Radfahren: Das ist auch draußen erlaubt. Also macht Maximilian Levy im Mai eine Tour – und was für eine: Abfahrt in Cottbus, Ankunft in Wismar. Von der Lausitz an die Ostsee, an einem Tag. Der vierfache Bahn-Weltmeister reißt exakt 381,5 Kilometer ab und ist nach 11:35 Stunden am Ziel. Er spendet für jeden gefahrenen Kilometer einen Euro an den Tierpark Cottbus. Freunde, Verwandte und andere Menschen legen Geld drauf, am Ende kommen mehr als 1200 Euro zusammen.

Willkommen, Bären!
Am 17. Juni um kurz nach sechs Uhr kommt in Quebec City das zweite Kind von Eisbären-Profi Pierre-Cédric Labrie zur Welt. Der Klub bekommt später ein Foto mit der Nachricht „Bären sagt Hallo.“ Der Kleine heißt Bären Edouard Labrie, zur Namensfindung sagt der Vater: „Uns gefällt die Aussprache von ‚Bären’. Da ist ‚bear’ drin und es ist ein Tier.“ Die Eisbären sind begeistert und nehmen Bären – den der Papa „litte bear“ nennt – sogleich als Ehrenmitglied in ihren Kids-Club auf.

Historisches Testspiel
Mitte Juli testen die Profis der San Francisco Giants gegen die Oakland Athletics. Ohne Zuschauer und auch das Ergebnis von 6:2 ist nachrangig, aber mit dabei ist Alyssa Nakken. Sie arbeitet bereits seit 2014 für die Giants, gibt nun ihr Debüt als Trainerin für die erste Base. Nakken, 30 Jahre alt und früher aktive Softballspielerin, ist die erste Frau in der Major League Baseball, die im Trainerstab arbeitet. Ihr Trikot wird danach der Hall of Fame des US-Baseballs im Bundestaat New York übereignet.

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Die Erste. Alyssa Nakken arbeitet im Trainerteam der San Francisco Giants.Foto: AFP

Auf nach London
Auch der Frauenfußball ist eine Art Nomadentum. Die Spielerinnen ziehen von Klub zu Klub. Wie es in der Branche üblich ist, entscheidet meist unromantisch das Gehalt über den Arbeitgeber. Die Dänin Pernille Harder ist in den vergangenen drei Jahren vom deutschen Serienmeister VfL Wolfsburg bezahlt worden. Im Gegensatz zu den anderen deutschen Klubs kann und vor allem will sich der sportliche Ableger der Autoweltmarke eine Weltklassespielerin wie Harder leisten. Aushängeschild Harder liefert, schießt Tor um Tor. Aber Ende August wird dann bekannt, dass die wohl beste Spielerin, die bislang in Deutschland gespielt hat, nach London zum FC Chelsea wechseln wird. Der Grund ist nicht in erster Linie das Gehalt, sondern in diesem Fall tatsächlich die Liebe. Ihre Partnerin Magdalena Eriksson spielt ebenfalls bei Chelsea.

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Die Beste. Pernille Harder (Mitte) war die überragende Spielerin des VfL Wolfsburg. Im Sommer wechselte sie zum FC Chelsea, dort…Foto: Darius Simka/Imago

Wolliger Gast
Elfte englische Fußball-Liga, im September. Ein Stück nördlich von Leeds treffen Carlton Athletic und Ilkley Town aufeinander. Auf einmal gesellt sich zu den 22 Spielern ein vierbeiniger, wolliger Geselle dazu. Alpaka Oscar verschafft sich, von einer nahegelegenen Farm kommend, über einen niedrigen Zaun Zutritt zum Sportplatz in der Town Street. Oscar läuft mal hierhin und mal dorthin und sorgt Ende der ersten Halbzeit für eine gut viertelstündige Unterbrechung. Dann geht es mit 22 Mann, aber ohne Oscar weiter – die Gäste gewinnen 2:0.

Den Ball verloren
Das digitale wird niemals das echte Stadionerlebnis ersetzen können. Einen kuriosen Beweis dafür liefert ein Fußball-Zweitligaspiel in Schottland im Oktober. Inverness Caledonian Thistle FC trifft auf Ayr United. Wegen Corona sind keine Fans erlaubt, doch es gibt einen Livestream. Eine Kamera mit künstlicher Intelligenz soll dem Ball folgen. Das Problem: Der Kopf des haarlosen Schiedsrichterassistenten John McCrossan sieht dem Spielgerät offenbar zum Verwechseln ähnlich. Die Folge: Statt des Spiels sehen die Fans der beiden Mannschaften größtenteils McCrossans Laufwege an der Außenlinie.

„Mach’ weiter, Chris“
Es schaut nicht gut aus: Chris Nikic hat sich sein rechtes Knie aufgeschlagen, das Blut läuft in Linien bis zu seinen Schuhen hinunter. Vor allem aber schmerzt sein Rücken. Er hat noch 100 Kilometer auf dem Rad und 42 Kilometer zu Fuß vor sich. Wie soll er das alles schaffen? Da kommt sein Vater Nik zu ihm, spricht mit ihm, tröstet ihn, tätschelt ihn. „Mach’ weiter, Chris“, sagt er zu seinem Sohn. Der 21 Jahre alte US-Amerikaner macht weiter, so wie er immer weitergemacht hat. In den vorigen Wochen und Monaten, als er sich auf den Triathlon im November in Florida vorbereitet hat. Aber auch in den vergangenen Jahren. Chris Nikic ist keine Hürde zu hoch. Auch nicht das Down-Syndrom, das ihn nicht daran hindert, als erster Mensch mit Trisomie 21 einen Ironman-Triathlon zu absolvieren. Nach 16:46:09 Stunden ist es vollbracht, Nikic erreicht das Ziel.

Wie Alpaka Oscar den Fußballplatz stürmte : Die rührendsten (und komischsten) Sportgeschichten des Jahres

Der Ausdauernde. Chris Nikic bewältigt im November als erster Mensch mit Trisomie 21 einen Ironman-Triathlon. Er ist nach 16:46:09…Foto: picture alliance/dpa/Getty Image

Tränen, viele Tränen
Diogo Portela hat das schlimmste Jahr seines Lebens fast hinter sich gebracht, als er im Dezember im Ally Pally in London auf der Bühne steht. Die Pandemie hat viele Freunde von ihm erwischt, manche sind gestorben. Und bei der Geburt seiner Tochter gab es Komplikationen, sie musste in den ersten Monaten im Krankenhaus bleiben. Nun trifft der 32-Jährige bei der Darts-WM auf den Altmeister Steve Beaton. Portela hat es schon drei Mal bei der WM probiert, jedes Mal scheiterte er in der ersten Runde. Als Brasilianer ist er ein großer Exot in der Branche. Er wird fast schon belächelt. Trotzdem versucht er es immer wieder. Dieses Mal fliegen die Pfeile wie ferngesteuert ins Ziel. Hilfe von oben? Vielleicht. Portela fegt Beaton 3:0 von der Bühne. Danach fließen Tränen, viele Tränen. Große Emotionen also am Ende dieses ganz anderen Sportjahres.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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