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Wellbrocks Olympia-Gruß nach Italien

Auf dem Weg zu einem großen Olympia-Achtungszeichen an die internationale Konkurrenz ließ sich Florian Wellbrock weder von den Störgeräuschen im Verband noch von den ungewöhnlichen Bedingungen in Berlin aufhalten. Vor fast leeren Rängen und ohne einen echten Rivalen legte Deutschlands Top-Schwimmer beim Finale der Tokio-Qualifikation über 1500 Meter Freistil in 14:36,45 Minuten eine Weltjahresbestzeit hin. «Das ist ein schöner Gruß nach Italien», sagte Wellbrock. Er war fast vier Sekunden schneller als der Italiener Gregorio Paltrinieri bei seiner bisherigen Bestmarke 2021. «Die Jungs werden sich freuen und ich freue mich dann auf Tokio.»

Wellbrocks Olympia-Gruß nach Italien

© dpa

Florian Wellbrock, SC Magdeburg.

«Konkurrenz belebt das Geschäft», sagte Wellbrock. Seinen eigenen deutschen Rekord verpasste er um nur 30 Hundertstelsekunden. «Mit der Bestzeit ist es schon ein bisschen ärgerlich. Die hätte ich ganz gerne noch gehabt», sagte der ehrgeizige 23-Jährige.

Dennoch zufrieden machte Wellbrock «einen Haken» an die Veranstaltung. Von nun an werde er alles auf Tokio ausrichten. «Ich werde der Situation dann gewachsen sein, und da freue ich mich schon tierisch drauf», sagte er. Vor einer Woche stellte er bereits über seine Nebenstrecke 400-Meter-Freistil eine Weltjahresbestzeit auf.

Wellbrock ist der größte Medaillen-Hoffnungsträger der deutschen Schwimmer in Japan. Er soll dazu beitragen, dass die Serie von zwei Sommerspielen ohne Edelmetall im Becken in diesem Jahr endet.

Der gebürtige Bremer, der in der starken Magdeburger Trainingsgruppe von Teamchef Bernd Berkhahn trainiert, hat seinen Startplatz wie sieben andere DSV-Athleten schon lange sicher. Im April knackten elf weitere Schwimmerinnen und Schwimmer die Olympia-Einzelnorm. Christian Diener, Damian Wierling, Annika Bruhn und Lucas Matzerath schafften es auf den letzten Drücker in der Hauptstadt.

«Man muss den Hut ziehen vor den Sportlern, wie sie sich hier motivieren und zusammenreißen mit sehr dünn besetzten Läufen und ohne Zuschauer», sagte Berkhahn. Wegen eines coronabedingt stark reduzierten Teilnehmerfeldes schwammen die Athleten wie Wellbrock über 800 Meter Freistil ihre Rennen teils alleine oder gegen nur wenige Konkurrenten. Meckern wollte Berkhahn darüber nicht. «Viele andere Sportarten haben noch größere Probleme als wir mit der Qualifikation», sagte der 50-Jährige. «Wir können uns glücklich schätzen, dass wir es bis hierhin so gut durchbekommen haben.»

Zufrieden mit ihren Leistungen war auch Langstreckenspezialistin Sarah Köhler. Die 26 Jahre alte Vizeweltmeisterin über 1500 Meter Freistil will wie ihr Verlobter Wellbrock in Tokio in den Medaillenkampf eingreifen. Auf den beiden ganz langen Strecken siegte Köhler erwartungsgemäß souverän, auf ihrer Nebenstrecke über 400 Meter musste sie sich ihrer starken Trainingspartnerin Isabel Gose knapp geschlagen geben. Mit ihrer schnellsten Zeit seit drei Jahren über die Distanz sah sie dennoch eine «sehr gute Grundlage für meine Langstrecke».

In turbulenten DSV-Zeiten hat Köhler auch abseits des Beckens einiges zu tun. «Ich bin seit vier Jahren Athletensprecherin und ich hätte nicht gedacht, dass ich mich politisch so stark engagieren müsste», sagte sie am Sonntag. Nachdem der Deutsche Schwimm-Verband Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen freigestellt hat, ist der wichtige Posten seit Wochen vakant.

Unter anderem gemeinsam mit Berkhahn und Teamcoach Hannes Vitense hatte sich Köhler in einem kritischen Brief an die Verbandsspitze zuletzt für eine Rehabilitierung von Kurschilgen ausgesprochen. Sollte dies nicht zeitnah möglich sein, schlägt die Gruppe den dreimaligen Olympiasieger Michael Groß als Interimslösung für den Posten vor.

Wie es weitergeht, will der DSV in wenigen Tagen entscheiden. Köhler hofft, dass die Frage tatsächlich bald geklärt wird. «Das Thema hätte schon vor zwei Wochen vom Tisch sein sollen», sagte sie. «Es ist schon mehr als überfällig.»

Eine Quelle: www.berlin.de

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