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Warum aufrichtiges Entschuldigen so wichtig ist – und wie es geht

Warum aufrichtiges Entschuldigen so wichtig ist – und wie es geht

Entschuldigungen können einen Fehler nicht rückgängig machen. Sie zeigen dem anderen aber, dass man sich Gedanken macht, mitfühlt und die Beziehung zu ihm wertschätzt
Foto: s_karau – stock.adobe.com

Wir leben in einem Zeitalter der Entschuldigung: Ein Sorry hier, ein Sorry da, sorry, alles wunderbar? So einfach ist es leider nicht. Denn Entschuldigungen, die als bloße Höflichkeitsfloskel oder inflationär eingesetzt werden, bewirken das Gegenteil von dem, was eine gute Entschuldigung kann: Verletzungen heilen.

„In jeder Beziehung passieren manchmal Dinge, die den anderen verletzen“, sagt der Berliner Psychologe und Autor Dr. Wolfgang Krüger (73, „Macht und Leidenschaft in der Liebe“).

Ständiges Zuspätkommen, der vergessene Hochzeitstag, beleidigende Kommentare („Du bist genauso rechthaberisch wie deine Mutter!“). Solche Dinge können die Selbstachtung des Partners massiv beschädigen – und wenn die Verletzung nicht repariert wird, besteht die Gefahr, dass die Beziehung einen dauerhaften Schaden erleidet.

„Damit das nicht passiert, brauchen wir das Signal des anderen, dass er die Verletzung gespürt hat, sich der eigenen Schuld stellt und mir zeigt, dass ich emotional im Recht bin.“ Doch wie geht das?

Eigene Schuld eingestehen

Eine gute Entschuldigung muss laut Krüger drei Kriterien erfüllen:

1. Derjenige, der verletzt wurde, muss sein Leid schildern dürfen – und der andere muss das aushalten! Nur so bekommt man das Gefühl, dass der Partner sich wirklich mit den Schmerzen, die er verursacht hat, auseinandersetzt.

2. Der Begriff Entschuldigung enthält Schuld – man muss also zu seiner Schuld stehen mit einfachen Worten, wie z.B. „Dieses Verhalten von mir war falsch.“ Man darf sein Handeln nicht relativieren („Das habe ich doch nur gesagt, weil …“).

3. Der andere muss deutlich machen, dass er ernsthaft an sich arbeitet, damit so eine Verletzung nicht wieder stattfindet.

Warum aufrichtiges Entschuldigen so wichtig ist – und wie es geht

In einer Beziehung ist es nicht immer leicht, die richtigen Worte zu finden (Foto: adobe)

„Wenn das gelingt, kann die Entschuldigung der Auftakt für einen Versöhnungsprozess sein“, erklärt der Psychologe. „Den Worten müssen Taten folgen, die zeigen: Ich bemühe mich, es wieder gutzumachen.“

Ein Blumenstrauß, liebe Worte, ein gedeckter Tisch – es gibt viele individuelle Möglichkeiten, dem anderen etwas Gutes zu tun. Und auf die sollte man bei seiner Entschuldigungsstrategie zurückgreifen. Weil ein einfaches Sorry eben nicht reicht um zu zeigen: Ich fühle mit dir, ich weiß dich und unsere Beziehung zu schätzen – und ich möchte deinen Schmerz lindern.

Verzeihen ohne nachtreten

Genauso wichtig wie das „Es tut mir leid“ ist das Annehmen einer Entschuldigung – und zwar ohne nachzutreten! „Konflikte müssen danach vergeben sein. Man muss sie aus dem emotionalen Waffenarsenal streichen und darf sie nicht beim nächsten Streit wieder rausholen“, betont Krüger. Jeder darf Fehler machen, das muss man sich selbst und dem anderen zugestehen – und verzeihen.

Warum aufrichtiges Entschuldigen so wichtig ist – und wie es geht

Wie viel Streit verträgt eine Beziehung? Wichtig ist, dass das Verzeihen ohne Nachtreten erfolgt (Foto: picture alliance)

Warum ein Sorry die Wogen zwischen zwei Menschen glätten kann, erklärt ein Blick in die Hirnchemie: Hören wir eine Entschuldigung, werden die Regionen im Gehirn aktiviert, die für Empathie verantwortlich sind. Es kommt zu einer Steigerung des sogenannten Liebeshormons Oxytocin. Es strömt ins System, senkt das Aggressions- sowie das Stresslevel und macht offener für das, was kommt.

Auch der Entschuldigende profitiert von seinem Schuldeingeständnis: „Die Erkenntnis, dass man Fehler machen darf, dass man sie eingestehen kann und dass einem verziehen wird, trägt zu einem positiven Selbstbild bei“, erklärt Wolfgang Krüger.

Und was ist mit der Höflichkeitsfloskel Entschuldigung, die wir gefühlt 100-mal am Tag benutzen? „Wir leben in einer relativ rücksichtslosen Gesellschaft, gewisse Höflichkeitsrituale machen das Zusammenleben angenehmer“, sagt der Experte. Zum Beispiel wenn man im Restaurant die Gäste am Nachbartisch fragt: Entschuldigen, darf ich Sie kurz stören und mir den Salzstreuer nehmen? Oder sich im Supermarkt entschuldigt, wenn man jemandem mit dem Einkaufswagen die Vorfahrt nimmt. „Diese Form der Entschuldigung gehört zu den sozialen Ritualen, die unser Leben verbessern, weil es die Härte und die Möglichkeit von Verletzungen mildert.“

Aber: Man sollte es nicht übertreiben! „Es gibt Menschen, die sich schon prophylaktisch entschuldigen, bevor sie überhaupt etwas tun. Das ist eine Form von Unterwürfigkeit, die klein macht.“

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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