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Viele Genesene und Sonderimpfungen der EU : Weidens Bürgermeister erklärt Deutschlands niedrigste Inzidenz

Im bayrischen Weiden gibt es nur noch einen Corona-Fall in sieben Tagen. Deshalb gibt es nun deutlich mehr Kontakte und teils keine Maskenpflicht mehr.

Viele Genesene und Sonderimpfungen der EU : Weidens Bürgermeister erklärt Deutschlands niedrigste Inzidenz

Die Maskenpflicht entfällt mit Ausnahmen in der Innenstadt: Im bayrischen Weiden wird massiv gelockert.Foto: Imago

Nur ein Coronavirus-Fall unter mehr als 42.000 Einwohnern in sieben Tagen: Die Inzidenz von 2,3 in der oberpfälzischen Stadt Weiden ist der absolute Niedrigwert in Deutschland derzeit.

Bereits vor mehr als einer Woche hatte Weiden erstmals wieder die 35er-Inzidenz unterschritten. Seitdem sinkt die Zahl der Fälle kontinuierlich weiter. Doch woran liegt das?

Bürgermeister Lothar Höher hat im Tagesspiegel-Gespräch eine Erklärung: „Ich denke, das liegt vor allem daran, dass wir von der zweiten Welle im Oktober als Erste betroffen waren. Das lag auch daran, dass wir viele Arbeiter aus Tschechien haben.“ In Tschechien war die Corona-Lage besonders kritisch in Europa, dort lag die Inzidenz zwischenzeitlich mehrmals über 800. Weiden liegt nur rund 30 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt.

„Fachleute haben uns daraufhin gesagt, dass wir die Ersten sein werden, wo die Zahlen sehr weit unten sind“, so Höher. Das liege erstens daran, dass Weiden durch die zwischenzeitlich hohen Fallzahlen viele Genesene hätten und zweitens daran, dass sie Sonderimpfungen von der EU und vom Freistaat Bayern bekommen haben.

„Unsere Krisenherde, darunter zählen ich vor allem die Altenheime, waren schnell durchgeimpft“, so Höher. Der Altersdurchschnitt in Weiden liegt knapp über dem bayernweiten Durchschnitt. Die Impfkampagne in Weiden ist, auch wegen der Sonderimpfungen, etwas weiter als der Bundesdurchschnitt. Weiden steht bei rund 44 Prozent Erstimpfungen und rund 19 Zweitimpfungen. Im Bund sind es rund 43 Prozent respektive rund 17 Prozent.

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Das Fortschreiten der Impfungen sowie die niedrigen Fallzahlen sorgen dafür, dass seit Pfingstmontag bereits wieder bis zu zehn Personen aus drei Haushalten im privaten und öffentlichen Raum zusammenkommen dürfen. Weil die Inzidenz nun seit einigen Tagen im einstelligen Bereich liegt, entfällt seit Donnerstag auch die Maskenpflicht in der Weidener Fußgängerzone – mit Ausnahme der Markttage Mittwoch und Samstag.

Höher hat keine Sorge, dass das zu früh kommt. „Die Menschen hier sind sehr diszipliniert. Ich war heute, am Markttag, in der Innenstadt und die Leute haben sich vorbildlich an die Maskenpflicht gehalten. Man muss auch dazu sagen, dass unsere Fußgängerzone sehr weitläufig ist und die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ohnehin sehr gering“, sagte der Bürgermeister. Die Öffnungen, die zuvor schon eingetreten sind, hätten die Zahlen auch nicht nach oben getrieben.

Viele Genesene und Sonderimpfungen der EU : Weidens Bürgermeister erklärt Deutschlands niedrigste Inzidenz

2007. Bürgermeister Lothar Höher steht auf dem Marktplatz in Weiden.Foto: Imago

In Weiden gelten ansonsten wie überall in Bayern die beschlossenen Lockerungen in der Corona-Pandemie bei Unterschreiten der 50er-Inzidenz: Bei Sportveranstaltungen, Theatervorstellungen, in Freibädern oder auch in Fitnessstudios entfällt die Testpflicht. Auch im Einzelhandel und für die Außengastronomie braucht es keinen negativen Test. Hotels und Pensionen haben geöffnet.

Am Samstag kam noch dazu, dass bereits nach der Erstimpfung die Testpflicht beim Überqueren der tschechischen Grenze wegfällt. „Natürlich werden nun wieder mehr Tschechen in Weiden sein. Ich glaube aber nicht, dass das die Zahlen nach oben treibt“, sagt Lothar Höher.

„Ich denke, die Notbremse hat sich schon ausgezahlt“

Die Menschen seien von den Öffnungsschritten begeistert. Kein Wunder, hatten sie doch auch ihren Anteil daran. „Es gab schon öffentlichen Druck wegen der Maskenpflicht in der Fußgängerzone, deshalb haben wir sie ja auch gelockert“, sagt Höher. Aber: „Wir sind mit der Entwicklung sehr, sehr zufrieden.“

Ab Montag gibt es dann die nächste weitgehende Lockerung: Die Stadt verfügte, dass Vereine ab diesem Tag die Sporthallen wieder nutzen dürfen. Nach den Pfingstferien Anfang Juni soll es auch in den Schulen weitere Lockerungen geben. Zuletzt fand in Weiden in den Grundschulen Präsenzunterricht statt. In den älteren Altersstufen nur, wenn ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten wurde. Ansonsten fand Wechselunterricht statt.

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Als eine der ersten Städte konnte Weiden nach und nach von den Maßnahmen der Bundes-Notbremse abrücken. Dass sie nötig war, da ist sich Höher trotzdem sicher: „Ich denke, die Notbremse hat sich schon ausgezahlt, auch wenn die Impfkampagne wohl der Hauptgrund für die niedrigen Inzidenzen ist. Sie war wichtig, damit die Menschen merken, dass die Pandemie noch nicht vorüber ist, sie wurden dadurch sensibilisiert.“

Dass die Notbremse nochmal gezogen werden muss, sobald auch die letzten Landkreise und Städte die 100er-Inzidenz unterschritten haben, glaubt Höher allerdings nicht.

Mehr als die Hälfte der Landkreise oder kreisfreien Städte in Deutschland haben mittlerweile eine Inzidenz unter 35 – insgesamt sind es 213 von 401. Als einziges Bundesland hat Thüringen noch eine Inzidenz über 50. Unter den Landkreisen und Städte sind es noch 88, doch lediglich zwei überschreiten die 100.

Diese sind Memmingen in Bayern mit 117,9 und Hildburghausen in Thüringen mit 102,9. Nur in der Stadt Memmingen und im Landkreis Hildburghausen werden die Maßnahmen der Bundes-Notbremse mit Ausgangsbeschränkungen also mit Sicherheit auch die kommende Woche über gelten.

Ab Montag dürfte Memmingen die 100er-Inzidenz unterschreiten

Einer Prognose des Zentralinstituts für die die kassenärztliche Versorgung (ZI) zufolge unterschreitet Memmingen die 100er-Inzidenz allerdings am Montag, Hildburghausen sogar noch an diesem Wochenende. Das Institut rechnet dafür die aktuelle Inzidenz pro Bundesland mit dem R-Wert hoch.

Diese Ansteckungsrate liegt in Memmingen derzeit bei 0,77 und in Hildburghausen bei 0,68. Das bedeutet erstens, dass überall eine Person weniger als eine weitere Person ansteckt. Und es bedeutet zweitens, dass die Zahl der Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner rückläufig ist.

Am Beispiel Memmingen erklärt, bedeutet der R-Wert von 0,77 konkret, dass 100 Personen lediglich 77 weitere Personen anstecken. In Weiden liegt der R-Wert derzeit bei 0,32.

Für Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder ist der bundesweit höchste Inzidenzwert allerdings kein Grund zur Sorge. In einer Pressemitteilung teilte er mit, dass „die Ansteckungen hauptsächlich auf die privaten Kontakte von Familienmitgliedern zurückzuführen“ sind. Das heiße, so Schilder: „Niemand muss aus Angst vor einer Ansteckung die Öffentlichkeit gänzlich meiden.“ Er setzt darauf, dass die Memminger Bürger das kostenlose Testangebot in der Stadt ausgiebig nutzen.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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