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Union rutscht weiter ab : Wahlforscher sieht Wählerpotenzial der Grünen bei 60 Prozent

Der Wahlforscher Matthias Jung sieht noch Steigerungspotenzial bei den Grünen, aber bremst auch die Euphorie. Dennoch hält der Umfragetrend der Grünen an.

Union rutscht weiter ab : Wahlforscher sieht Wählerpotenzial der Grünen bei 60 Prozent

Pressekonferenz mit Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende Grüne und Kanzlerkandidatin.Foto: imago images/photothek/Thomas Imo

Die Union verliert einer neuen Umfrage zufolge rasant an Zustimmung in der Bevölkerung und wird in der Wahlabsicht der Deutschen von den Grünen überholt. Die Zustimmung bei der Sonntagsfrage lag für die Unionsparteien im Befragungszeitraum vom 23. bis 26. April bei 24 Prozent, die Grünen erreichten 25 Prozent, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab.

Dass das jedoch noch nicht das Ende vom Lied ist, glaubt der Wahlforscher Matthias Jung. Er beziffert das theoretische Wählerpotenzial der Grünen auf bis zu 60 Prozent. „Eine Mehrheit der Bevölkerung will mehr Ökologie und Klimaschutz“, sagte der Chef der Forschungsgruppe Wahlen der „Augsburger Allgemeinen“ . „Um 60 Prozent der Wähler können sich heute grundsätzlich vorstellen, ihre Stimme auch mal den Grünen zu geben“, erklärte der Wahlforscher.

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Die Union verlor laut YouGov-Umfrage im Vergleich zum Januar-Ergebnis der Umfrage 12 Prozentpunkte, die Grünen erreichten sieben Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn.

16 Prozent der Befragten gaben der Umfrage zufolge an, dass Umwelt- und Klimaschutz das wichtigste Thema sei, um das sich Politikerinnen und Politiker in Deutschland kümmern sollten. Am zweitwichtigsten sind den Befragten demnach das Thema Rente und Altersvorsorge sowie die Gesundheitsversorgung (jeweils 12 Prozent).

„Halbwertszeit für politische Stimmungen ist sehr kurz geworden“

Von den Befragten, die bei der Bundestagswahl 2017 die Grünen gewählt haben, sagten der Umfrage nach 17 Prozent, dass es durch Annalena Baerbocks Nominierung als Kanzlerkandidatin der Grünen wahrscheinlicher werde, dass sie die Partei auch bei der Bundestagswahl im September wählen. Vier Prozent sagten, das werde durch die Nominierung Baerbocks unwahrscheinlicher.

Wahlforscher Jung betont, dass es unklar sei, ob die Grünen ihre guten Umfragewerten bis zur Wahl halten können. „Die Halbwertszeit für politische Stimmungen ist sehr kurz geworden“, betonte er. Das sieht auch Oskar Niedermayer, Politikwissenschaftler am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin so. Kurz nachdem Armin Laschet am 20. April zum Kanzelkandidaten der Union gekürt wurde, kippte bereits die Stimmung in den ersten Umfragen.

Eine Forsa-Umfrage vom selben Tag sah die Union um ganze sieben Punkte fallen. Und die Grünen zogen vorbei, standen als stärkste Kraft vorn mit 28 Prozent. Fünf Monate vor der Wahl seien Umfragen aber nicht als Wahlprognose zu werten, sagte Niedermayer dem Tagesspiegel. „Da kann noch viel passieren, weil die Leute heute volatiler wählen.“ Jung selbst hielt den dramatischen Sieben-Prozentpunkte-Fall der Union „in dieser Größenordnung für nicht realistisch.“

Zeichnet sich ein Umfragetrend ab?

Aktuell jedenfalls punkten die Grünen laut Jung zunehmend im bürgerlichen Spektrum. „Es gibt auch seit längerem keinen Streit untereinander, anders als bei Union und SPD“, sagte der Wahlforscher. „Das kommt an beim bürgerlichen Publikum, insofern kochen die Grünen heute auch mit einem früheren Erfolgsrezept der Union“, fügte er hinzu.

Und so langsam könnte sich ein Trend abzeichnen. Aus einer Civey-Umfrage von 22. April ging hervor, dass die Wirtschaftselite eine grüne Kanzlerin Annalena Baerbock bevorzugen würde. Olaf Scholz von der SPD und Unions-Kandidat Armin Laschet schnitten darin nicht gut ab.

In einer Forsa-Umfrage, veröffentlicht am 28. April, in der vom 20. bis 26. April 2507 Bundesbürger befragt wurden, waren die Grünen auch in der Woche nach der Nominierung von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin noch im Umfragehoch. Mit 28 Prozent waren sie auch da klar stärkste Kraft. Die CDU/CSU legte im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt auf 22 Prozent zu. Bei SPD (13 Prozent), FDP (12 Prozent), AfD (11 Prozent) und die Linke (7 Prozent) blieben die Werte gleich.

Auch die Kanzlerpräferenz der Bundesbürger änderte sich nicht. Wenn die Deutschen ihre Kanzlerin oder ihren Kanzler selbst wählen könnten, würden sich wie in der Vorwoche 32 Prozent für Annalena Baerbock und 15 Prozent für den Unionskandidaten Armin Laschet entscheiden. Der SPD-Kandidat Olaf Scholz verlor zwei Prozentpunkte, für ihn würden sich momentan 13 Prozent der Bürger entscheiden.

Laschet erhält nicht die gleiche Unterstützung wie Baerbock

Und laut der aktuellen YouGov-Umfrage erhält Armin Laschet auch aktuell die Unterstützung, auf die Annalena Baerbock blicken kann, unter den eigenen Wählern nicht: 37 Prozent der Befragten, die bei der vergangenen Bundestagswahl CDU/CSU gewählt haben, gaben an, durch Laschets Nominierung werde es für sie unwahrscheinlicher, bei der Bundestagswahl im September die Union zu wählen. Für 15 Prozent der Unionswähler werde es hingegen wahrscheinlicher.

[Mehr zum Thema: Laschets Herz für Merz – Kann das gutgehen? (T+)]. 

Jung sieht derzeit auch eine Veränderung: „Bisher hatte die Union strukturell das höchste Wählerpotenzial, doch ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet steht wahrlich nicht als strahlender Sieger der Entscheidung um Vorsitz und Kanzlerkandidat da“, sagte er. Davon könne nun Grünen-Chefin Baerbock profitieren, obwohl es keine richtige Wechselstimmung gebe. „Annalena Baerbock ist allerdings bei vielen Bundesbürgern noch kaum bekannt. Das trifft aber auch – außerhalb von Nordrhein-Westfalen – auf Armin Laschet zu.“

Und Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD? Er habe laut Jung wegen der „Dauerkrise“ seiner Partei nur Außenseiterchancen. Die Personalfrage habe jedoch entscheide Bedeutung. „Es wird jetzt in den kommenden Wochen immer mehr darum gehen, wem die Bürger am ehesten die Kanzler-Rolle zutrauen“, sagte Jung. (mit Agenturen)

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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