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Thomas Tuchel hat mehr Respekt verdient : Paris St. Germain und die Entlassung als Weihnachtsgeschenk

Es ist in Ordnung, dass sie bei PSG mit Thomas Tuchel nicht einverstanden sind. Der Zeitpunkt seiner Entlassung aber ist unverschämt. Ein Kommentar.

Thomas Tuchel hat mehr Respekt verdient : Paris St. Germain und die Entlassung als Weihnachtsgeschenk

Salut. Kylian Mbappe (li) hat sich bei Thomas Tuchel schon mal bedankt.Foto: AFP

Es ist ja alles eine Frage des guten Timings. Und welcher Tag im Jahr eignet sich besser als der 24. Dezember, um die Menschen in festliche Stimmung zu bringen. Das kann man natürlich auch auf unkonventionelle Weise versuchen. So verschickte etwa die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (besser bekannt unter dem Kürzel „GEZ“) vielen Kunden pünktlich zum Heiligabend ihre Rechnungen.

Das Briefchen dürfte es sicher unter viele Weihnachtsbäume geschafft haben. Und vielleicht hat auch mancher Mensch die frohe Weihnachtskunde von Wirtschaftsminister Peter Altmaier mitgefeiert, dass der Lockdown noch weit über den 10. Januar hinaus andauern wird. „Ab Frühsommer wird es wieder entspannter“ – dann sollte auch der letzte Tannenbaum zerhäckselt sein und bis dahin wird auch Thomas Tuchel eine neue Festanstellung haben.

Thomas Tuchel sucht einen Job. Einst als das größte deutsche Trainertalent überhaupt gefeiert und seit einigen Jahren Dirigent beim europäischen Superduper-Klub Paris St. Germain. Dort haben sie am Heiligabend wohl in der Geschäftsführung eine Woche zu früh ein Knallbonbon aufgerissen und ihrem Trainer die Entlassung eingepackt als Abschiedsgeschenk zum Fest.

Thomas Tuchel war seit Sommer 2018 in Paris

Wie mag das wohl so abgelaufen sein, in Paris? Vielleicht so: „In Deutschland haben sie es ja nicht so mit Weihnachten, da können wir dem Tuchel doch mal schnell noch die Kündigung zukommen lassen.“ Oder: „Geschenke gibt es dort doch erst am 25. Dezember.“ Und dann: „Uupps… in Alemagne feiern sie doch schon am 24. – aber jetzt ist der Brief an den Thomas schon raus.“

Gut, die Entlassung des verdienten deutschen Trainers wurde vom Klub zunächst auch nicht bestätigt, dafür bedankte sich PSG-Starstürmer Kylian Mbappé schon mal beim ehemaligen Chef. Das sei „leider das Gesetz des Fußballs“. Aber niemand werde Tuchels Amtszeit in Paris vergessen. So schnell wohl nicht, ist ja auch noch nicht so lange her. Versöhnlich fügte Mbappé hinzu: „Sie haben ein schönes Kapitel in der Vereinsgeschichte geschrieben, und ich möchte mich bei Ihnen bedanken, Coach.“

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Sicherlich wollte Thomas Tuchel auch noch ein paar Kapitel Pariser Fußballgeschichte weiterschreiben. Sportdirektor Leonardo soll Tuchel aber das Buch eine Woche vor Jahresende entrissen haben, der Brasilianer hat den Deutschen angeblich von dessen Entlassung informiert. Angeblich sollen in einem einstündigen Gespräch zwischen beiden die Fetzen geflogen sein. Stunden zuvor hatte PSG am Mittwochabend noch 4:0 gegen Straßburg gewonnen und ist damit nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Olympique Lyon und dem OSC Lille.

Tuchel hatte die Mannschaft im Sommer 2018 übernommen und in diesem Jahr erstmals in das Finale der Champions League geführt. Dort verloren die Pariser dann gegen die Bayern, trotzdem war das schon achtbar für den Klub, der seinen internationalen Ansprüchen stets hinterherlief. Und der einstige Mainzer und Dortmunder Trainer hatte in Paris einen Vertrag bis Mitte 2021. Aber jetzt ist schon ein Nachfolger in Sicht: Der Argentinier Mauricio Pochettino.
So kann das also gehen, zu jeder Zeit. Der Fußball, nein in diesem Fall eher wohl PSG, kennt keine Feiertage. Das ist, ganz ehrlich gesagt – der Champions-League-Titel in der Sparte Respektlosigkeit.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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