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Studie vor dem Autogipfel : Deutsche Autoindustrie ist nicht mehr Motor der Wirtschaft

Eine Corona-Folge: Die Autoindustrie prägt nicht mehr das Wachstum in Deutschland. Beim Autogipfel wird es auch um die Zukunft des Verbrennungsmotors gehen.

Studie vor dem Autogipfel : Deutsche Autoindustrie ist nicht mehr Motor der Wirtschaft

Autoproduktion bei Porsche in LeipzigFoto: dpa/Jan Woitas

Die deutsche Automobilindustrie prägt nach vielen Jahren nicht mehr das Wachstum in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Branchenstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach habe die Corona-Pandemie „die Autoindustrie im Branchenvergleich hart getroffen“.

Zunächst seien die globalen Lieferketten von einem Angebotsschock getroffen worden. „Jetzt ist die Branche mit einem Nachfrageschock konfrontiert, von dem sie sich nur langsam wieder erholt“, heißt es in der Studie weiter. Erschwert werde die Situation dadurch, dass bereits hohe Überkapazitäten existierten und der technologische Wandel die Geschäftsergebnisse belaste.

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„In der Folge steht die Autoindustrie erstmals nach einem Jahrzehnt wieder vor spürbaren Personalanpassungen und wird als Wachstumslokomotive für den Standort Deutschland zunächst ausfallen“, schreiben die die Forscher.

Am Dienstag werden Vertreter der Automobilindustrie im Kanzleramt mit der Bundesregierung und Ländervertretern zum Autogipfel zusammenkommen.

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Die CSU forderte im Vorfeld bereits weitere Hilfen für das „Herz der Industrie”, wie CSU-Chef Markus Söder die Branche bezeichnet. Die CSU will die Autoindustrie mit weiteren zehn Milliarden Euro für Batteriezellforschung und -produktion in Deutschland anschieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht keinen Ergänzungsbedarf zum bestehenden Konjunkturpaket.

Nicht-fossile Antriebe haben enormes Potenzial

Neben der wirtschaftlichen Lage werden beim Autogipfel auch technologische Fragen eine Rolle spielen. Eine Analyse von PwC Strategy&, die die Beratungsfirma passend zum Spitzentreffen vorlegte, kommt zu dem Ergebnis, dass es für Autos mit Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren erhebliche Hindernisse geben wird – während das Marktpotenzial alternativer Antriebe dagegen rasant zulegen dürfte.

Ein Szenario beschreibt, dass bei steigender Verbreitung von E-Autos gleichzeitig die Wahrnehmung belastender Effekte der übrigen Diesel und Benziner wie Lärm oder Feinstaub intensiver werden könnte, vor allem in Ballungszentren. „Diskussionen über ein perspektivisches Fahrverbot von Verbrennern in Innenstädten halten wir in fünf Jahren für möglich bis wahrscheinlich“, sagte Marktexperte Jörn Neuhausen.

Parallel dürften sich die Aussichten nicht-fossiler Antriebsvarianten im laufenden Jahrzehnt sprunghaft verbessern. Allein für die deutschen Autohersteller könne sich das daraus erzielbare Marktvolumen von heute rund 12 Milliarden auf bis zu 84 Milliarden Euro im Jahr 2030 versiebenfachen, so die Berater. Der größte Anteil (67 Milliarden Euro) werde dabei auf Elektroantriebe auf Batteriezellen-Basis entfallen.

„Beim Autogipfel geht es um die Zukunft der Automobilbranche, die in einer wettbewerbsintensiven und aufwendigen Transformation hin zu emissionsfreien Antrieben und Fahrzeugen steht“, sagte Neuhausen. Autos mit konventionellem Antriebsstrang hätten es fortan deutlich schwerer.

„Das Konjunkturpaket der Bundesregierung mit der zusätzlichen Förderung von Elektroautos und der Ladeinfrastruktur setzt aktuell wichtige Impulse“, sagte der Berater. „Um aber kommende Fahrzeuggenerationen mit alternativem Antrieb früh genug wettbewerbsfähig auf den Markt zu bringen, sind weiterhin Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig.“

Zahlreiche Anbieter – insbesondere Zulieferer – sind aufgrund des Nachfrageeinbruchs in der Pandemie unter enormen Kostendruck geraten. Auch eigene Investitionsbudgets werden gekappt. Eine Erwartung an den „Autogipfel“ ist bei vielen Branchenvertretern deshalb, dass die Politik weitere Unterstützung auf den Weg bringt. Kritiker sprechen dagegen von Fördermaßnahmen im Sinne der einflussreichen Autolobby. (Reuters, dpa)

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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