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SPD-Spitzenkandidat bei Zervakis und Klamroth : „Sind Sie reich, Herr Scholz?“

Auf ProSieben bissen sich Linda Zervakis und Louis Klamroth an Olaf Scholz die Zähne aus. Konnten die Zuschauer den SPD-Mann besser kennenlernen?

SPD-Spitzenkandidat bei Zervakis und Klamroth : „Sind Sie reich, Herr Scholz?“

Linda Zervakis, Louis Klamroth und Olaf Scholz.Foto: ProSieben

Talk-Premiere für Linda Zervakis auf ProSieben, wenige Wochen nach ihrem überraschenden Abschied bei der “Tagesschau”. Ihre erste Aufgabe beim Privatsender, der im Wahljahr polit-journalistisch Flagge zeigen will: SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz.

Gut, Zervakis war nicht alleine. Louis Klamroth, bei n-tv im Polit-Talk gestählt, saß ihr zur Seite. Und das war auch gut so.

Die Rollenverteilung bei dieser Art Infotainment war schnell klar: Klamroth, im Sessel nach vorne gebeugt, mehr der Mann fürs unangenehme Nachfragen. Zervakis, entspannt zurück gelehnt, ließ den Kandidaten zu den Themen dieser Tage und Wochen reden.

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Wahlteams und Konzepte der dauer-schwächelnden SPD, Corona-Maßnahmen, Armut in Deutschland, Klimaschutzgesetz, der aufgeflammte Nah-Ost-Konflikt. Das hatte man, abgesehen von Israel, so oder so ähnlich auch schon bei Anne Will oder Maybrit Illner gehört.

Die Erwartungshaltung an diesen Talk war sowieso nicht allzu hoch. Viel schlechter als Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind zuletzt bei der Exklusiv-Präsentation von Annalena Baerbock auf ProSieben konnte es das Duo nicht machen.

Bratwurst oder Grillgemüse?

Ein Pluspunkt schon mal vom Ende her: Kein Sympathie-Klatschen für ihren Gast zum Abschied (wie bei Baerbock), dafür vorher durchaus unbequeme Fragen an den Mann, der bislang weder bei Ingo Zamperoni oder bei Marietta Slomka glaubhaft beantworten konnte, wie er denn aus den 15-Prozent-Umfragewerten bis September noch (s)eine Kanzlerschaft für die SPD machen will.

Das sei realistisch und erstrebenswert, so Scholz. Als Underdog habe er schon in Hamburg 2009 gezeigt, was mit ihm möglich ist.

So so. Taktikwechsel. Zervakis und Klamroth versuchten es mit allen unterhaltsamen Mitteln. Ob Scholz bei Google seinen Namen eingebe (Nein), seine Mails nach dem Versenden lösche (ja). Dazu schnelle Ja-und-Nein- sowie Entweder-Oder-Runden. Sind Sie gläubig? (Nein) Sind Sie reich? (Ja) Bratwurst oder Grillgemüse?.

Ein Kindergeburtstag war das natürlich trotzdem nicht. Mit dem Klima-Thema und konkreten Fragen zum CO-2-Budget und Kosten für Mallorca-Flügen nahm vor allem Klamroth zum Schluss noch mal Fahrt auf. Offenbar hatten die Fragesteller hier auf einen wackeligen Scholz gesetzt.

[Lesen Sie auch: Das Netzwerk hinter Annalena Baerbock (T+)]

Fazit nach 45 Minuten: Besser kennen gelernt haben wir den SPD-Spitzenkandidaten auch im Privatfernsehen nicht wirklich. Dafür gab und gibt es einfach zu viele Politiker-Worthülsen, Ausflüchte, Stanzen.

Ach ja, und wo bleiben die Spitzenkandidaten bei ARD und ZDF? Auch öffentlich-rechtlich wird noch für die Bundestagswahl geworben und das gleich dreifach an einem Abend.

Das „Triell der Kanzlerkandidatin und der Kanzlerkandidaten“ soll zwei Wochen vor der Wahl am 12. September live im Ersten und im ZDF stattfinden, teilte das Erste am Mittwoch mit. Damit gehen die Öffentlichen-Rechtlichen in Konkurrenz zu RTL, die ebenfalls ein Triell planen. 

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In einem 90-minütigen Live-Format sollen Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Armin Laschet (CDU/CSU) und Olaf Scholz (SPD) miteinander diskutieren und ihre Positionen zu den wesentlichen Themen des Bundestagswahlkampfs darstellen, befragt von Maybrit Illner (ZDF) und ARD-Chefredakteur Oliver Köhr.

Die haben sich am Mittwochabend sicher auch ProSieben angeguckt. Was Moderation, Fragetechnik, Überraschungsmomente betrifft, gibt es im politischen Privatfernsehen bislang wenig abzuschauen, bei allem Bemühen von Linda Zervakis und Louis Klamroth. Vielleicht knacken sie Armin Laschet. Der ist am Montag bei Zervakis und Klamroth zu Gast.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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