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Sollten Corona-Geimpfte mehr Rechte im täglichen Leben zurückbekommen?

Sollten Corona-Geimpfte mehr Rechte im täglichen Leben zurückbekommen?

Sollten Corona-Geimpfte mehr Rechte im täglichen Leben zurückbekommen? Das diskutieren Eberhard Diepgen (l.) und Walter Momper
Foto: picture alliance/dpa/Dirk Lässig (B.Z. Collage)

Einmal die Woche schreiben in der B.Z. Berlins Ex-Regierende Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) über Themen, die die Hauptstadt bewegen. Heute geht es um mögliche Privilegien für Geimpfte.

Eberhard Diepgen: Nein, ich halte das für gefährlich

Die Forderung nach mehr Rechten für Geimpfte kann schnell zu Missverständnissen führen.

Ich will für die Zukunft nicht ausschließen, dass es für einzelne Berufsgruppen eine Impflicht geben kann. So wie Lehrer schon heute gegen Masern geimpft sein müssen. Damit würde ich aber nicht die Feststellung verbinden, dass gegen Masern geimpfte Pädagogen mehr Rechte haben als Impfverweigerer. Es ist also eine Frage der Definition.

Denkbar erscheinen mir auch Vorteile für Geimpfte bei Ein- und Ausreisen. Ein Impfpass kann da viel Bürokratie an den Grenzübergängen vermeiden. Und auch das würde ich nicht unter „mehr Rechte für Geimpfte“ einordnen, genauso wenig wie denkbare Entscheidungen eines Gastwirtes, der zukünftig nur noch Geimpfte unter seinen Gästen sehen will.

In diesen Tagen wurde die Forderung laut, Gaststätten, Theater und Konzerte könnten doch für alle geöffnet werden, die bereits geimpft worden sind. Ich halte das für falsch und gesellschaftspolitisch für gefährlich. Noch weiß man nicht einmal, ob die Impfung nur den Geimpften oder auch seine Kontaktpersonen schützt.

Also bitte abwarten und nicht gleich mit langen Haaren – der Frisör hat ja geschlossen – auf der Suche nach Wählerstimmen über den Hof reiten. In diesen Wochen wird mit guten Argumenten über die Prioritäten beim Impfen gestritten. Einzelne Gruppen fühlen sich benachteiligt.

Es gibt Klärungsbedarf, und wegen des Mangels an Impfstoff muss ohnehin um Geduld gebeten werden. Der Kampf der Interessengruppen ist jedoch entbrannt. Besondere Rechte für Geimpfte würden das alles noch verstärken. Und das für die nächsten sechs bis acht Monate, in denen besondere Disziplin von allen gefordert ist.

Danach wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Impfangebot für alle geben. Nicht „Privilegien“ für die Glücklichen, die schon geimpft werden konnten, die Impfverweigerer werden dann zwangsläufig in den Blick der Öffentlichkeit geraten.

Von ihrer Zahl wird es abhängen, ob es Impfpflichten geben muss.

Walter Momper: Nein, Gleichbehandlung für alle Menschen

Nein, ich bin der Meinung, dass alle Menschen gleichbehandelt werden müssen.

Es gibt keinen Grund für die staatliche Seite, in irgendeiner Weise den Geimpften Vorteile einräumen zu können. Es ist wahrscheinlich auch gesundheitspolitisch unklug, den Geimpften besondere Rechte einzuräumen.

Was es aber geben wird, man sieht es jetzt schon, sind die Vergabe von Vorteilen für Geimpfte durch private Stellen. Wenn jetzt ein Ticketverkäufer denen, die geimpft sind, die Karten für Veranstaltungen vergeben will, dann sind sie schon auf diesem Weg. Die Geimpften bekommen Vorteile beim Besuch von Großveranstaltungen.

Natürlich gibt es Argumente dafür – nämlich, dass die Geimpften nicht angesteckt werden können. Es wird aber viel Unmut in der Gesellschaft geben, wenn sich diese Vorteile noch ausweiten. Und sie werden ausgeweitet.

Womöglich darf man dann ohne Maske einkaufen oder sich mit anderen ohne Maske treffen. Daran kann die Privaten niemand hindern.

Deshalb ist es vor allem wichtig, dass die Bevölkerung schnell durchgeimpft wird. Sobald im Februar mehr Impfstoff zur Verfügung steht, wird das auch das Bestreben sein. Ob es allerdings so schnell geht, wie wir im Moment hoffen, ist nicht sicher. Dann wird es eine große gesellschaftliche Diskussion geben, welche Vorteile man den Geimpften einräumt.

Das wird viel böses Blut in der Gesellschaft geben.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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