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Santorini: Fototapete aus Feuer und Asche

Santorini: Fototapete aus Feuer und Asche

Irre schön, aber auch irre beliebt: Der Sonnenuntergang über den Höhlenhäusern von Oia (Foto: Hemme)

Die beliebte Kykladen-Insel ist gerade leer wie selten – höchste Zeit, dem Atlantis-Mythos nachzureisen.

Es gibt Reiseziele auf dieser Welt, die sind das Gegenteil von einem Geheimtipp. Weil sie so einmalig schön sind, dass ihr Geheimnis längst um die Welt ging. Dazu gehört in erster Reihe auch die griechische Kykladen-Insel Santorini. An manchen Ecken der Erde ist man sogar der Meinung, ganz Griechenland sehe so aus. Oder ganz Europa.

Aber auch, wenn das Geheimnis Santorini längst gelüftet ist, bleibt der Mythos Santorini seit Jahrhunderten bestehen. Denn die Insel ist so viel mehr als weiße Kirchen mit blauen Kuppeln und sich um den besten Platz am Sonnenuntergang kämpfende Touristen. Jetzt, bevor die Besucherströme wieder nach Europa aufbrechen, ist die beste Zeit hinzufahren und sich etwas mehr Zeit für diese kleine (18 km lang, 12 km breit), aber einzigartige Insel zu nehmen.

Santorini: Fototapete aus Feuer und Asche

Unsere Reporterin Inna Hemme in Oia. Unglaublich, aber wahr: Für dieses Bild musste sie sich nicht in die Schlange stellen (Foto: Hemme)

Die Hotels haben wieder geöffnet, die Restaurants auch – und die spektakulären Sonnenuntergänge haben sowieso nie eine Pause gemacht. Nur hatten sie noch nie so wenige Zuschauer. Mein letzter Santorini-Besuch liegt 15 Jahre zurück, ein hastiger Tagesausflug mit einer vollen Fähre von Kreta aus. Schon damals: anstehen für ein Foto. Seitdem träume ich davon, in Ruhe zurückzukommen und einige Tage zu bleiben. Um diese Insel, die mich damals schon so beeindruckte, besser zu verstehen.

„Wir leben hier auf einem Vulkan. Oder eben darauf, was nach den Ausbrüchen davon geblieben ist“, erklärt mir die Archäologin Eugenie Liodaki, die mich durch die Ausgrabungsstätte der prähistorischen Stadt Akrotiri führt. Ausgrabungen statt Abhängen am Pool, was ist nur in all den Jahren aus mir geworden!

Santorini: Fototapete aus Feuer und Asche

Archäologin Eugenie Liodaki vor den Ausgrabungen in Akrotiri. Sie gaben neue Indizien über das versunkene Atlantis (Foto: Hemme)

Aber hier begreift man am besten, wie das abgrundtief schöne Santorini entstanden ist. Die Stadt Akrotiri wurde in ihrer Blütezeit vor über 3600 Jahren durch einen Vulkanausbruch verschüttet und – bis zu ihrer Entdeckung 1967 – durch Asche erstaunlich gut konserviert.

Die Eruption brachte damals eine ganze Zivilisation mit einem Schlag zum Verschwinden und veränderte die Insel für immer. Große Teile von Santorini sind nach dem Ausbruch einfach im Meer versunken, der Krater füllte sich mit Wasser.

Die heute halbmondförmige Insel ist eigentlich nur der steile Rand des Kraters, der ins Mehr abfällt. „Das ist auch der Grund, warum auf der Insel die berühmten Höhlenhäuser entstanden sind“, erklärt Eugenie. „Das flache Land war knapp und teuer und die einfachen Leute schlugen sich einfach ihre Häuser in die steilen Wände.

Das Vulkangestein war leicht formbar, hielt im Winter warm, bot im Sommer kühlen Schatten.“ Ausgerechnet diese Höhlenhäuser, ohne Ecken, Kanten und sichtbare Übergänge sind heute das Markenzeichen von Santorini. Und die teuersten Adressen.

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Wunderschön in einen Berg gebaut: das Mystique Hotel (Foto: Hemme)

Die spektakulärsten Exemplare davon findet man in Oia, die ganze Stadt wirkt wie ein weißes Wabennest mit aufleuchtenden blauen Pools dazwischen. Im Hotel „Mystique“ scheint der große hängende Pool sogar direkt über der Caldera zu schweben, dem versunkenen Vulkankessel. Innerhalb der Caldera ließen Eruptionen die Inseln Palea Kameni und Nea Kameni wieder aufsteigen – einmalig auf der Welt.

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Keine scharfen Ecken und Kanten: Zimmer des Luxus-Hotels „Mystique“ (Foto:Hemme)

„Viele Indizien sprechen dafür, dass Santorini die versunkene Stadt Atlantis ist“, erzählt mir Eugenie auf unserer Führung. „Wenn es denn Atlantis überhaupt gab.“ Auf der Insel machte 2019 sogar ein „Lost Atlantis“ Museum auf, um diesem Mythos interaktiv nachzugehen. Die Parallelen sind erstaunlich: Der griechische Philosoph Platon sah Atlantis in seinem Werk durch Feuer und Überschwemmungen untergehen, auch Akrotiri wurde so zerstört. Platon sprach von einer runden Insel mit einer engen Hafeneinfahrt (genau Santorinis Form vor dem Ausbruch), auf der eine Hochkultur gedeihte.

Beim Rundgang durch die freigelegten Gassen von Akrotiri staunt man tatsächlich über die Techniken, über die Menschen bereits damals verfügten: bis zu drei Etagen hohe Häuser, Abwasserkanäle. Bisher stießen Archäologen jedoch nicht auf Spuren des Tempels des Poseidon, dessen Lage Platon im Zentrum von Atlantis festmachte.

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Ein Muss auf Santorini: Bootsausflug zu den heißen Quellen entlang der Caldera (Foto: Hemme)

War meine erste Reise nach Santorini eine Fototapeten-Safari, wird diese hier zum richtigen Abenteuer (ohne die vielen Touristen sind die klassischen Bilder ohnehin schnell im Kasten). Immer wieder muss ich an die Atlantis-Indizien denken. Am besten lassen sie sich auf einer Bootsfahrt entlang der Caldera ausmachen. Platon sprach von verschiedenfarbigen Felsen, die vulkanische Aktivität hat die Strände und die Klippen der Insel in schwarz, rot und gelb getunkt.

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Kapitän der „Carpe Diem“ grillt frischen Fisch für die Baderückkehrer (Foto: Hemme)

Auch die von Platon beschriebenen heißen Quellen finde ich hier: Sie sprudeln vor den auferstandenen Inseln Nea Kameni und Palea Kameni. Zeigen sie den Weg zu Poseidons Tempel? Ich setze eine Schnorchelmaske auf, springe vom Boot und tauche in die Tiefe. Aber statt Poseidons Dreizack streifen mich die Tentakel einer Qualle. Schnell wieder rauf, zurück zum Inselwein und frisch gegrillten Fisch vom Kapitän. Manche Mythen sollte man einfach ruhen lassen.

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Vulkan-Wein Assyrtiko vor der Kulisse des hängenden „Mystique“-Pools (Foto: Hemme)

Und so kommen Sie nach Santorini:

Flüge: Von BER nach Santorini mit Aegean ab 245 Euro (de.aegeanair.com). Zwischen den Kykladen verkehren Fähren ab 20 Euro/Ticket (bluestarferries.com).

Mietwagen: Bei Hertz direkt am Flughafen ab 200 Euro/Woche (hertz.com/p/car-rental/greece).

Übernachten: Vom weißen Höhlen-Hotel „Mystique“ (mystique.gr) in Oia hat man eine spektakuläre Aussicht auf die Caldera – aus einem Infinity-Pool. Am schwarzen Strand von Perivolos nahe der archäologischen Stätte Akrotiri liegt das „Istoria“ (istoriahotel.gr) – gebaut in alte Pferdeställe.

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Neue griechische Küche, so fotogen wie die Insel: im Restaurant „Mr. E“ vom Istoria Hotel (Foto: Hemme)

Bootstouren: Ab 100 Euro/p.P. bei „Renieris Sailing Center“ (sailingsantorini.gr).

Essen und trinken: Fisch im „Ammoudi Restaurant“ (ammoudisantorini.com) im Hafen von Oia, neue griechische Küche im „Mr. E“ (www.mre.gr), sich durch die Inselweine im Estate Argyros (estateargyros.com) probieren.

Alle Infos zu Griechenland: discovergreece.com

 

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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