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Preis der Leipziger Buchmesse : Lachen ist prima

Beste Überraschungen: Iris Hanika, Heike Behrend und Timea Tankó gewinnen den Preis der Leipziger Buchmesse.

Preis der Leipziger Buchmesse : Lachen ist prima

Zugeschaltet. Preisträgerin Iris Hanika, im Hintergrund Buchmessen-Chef Oliver Zille.Foto: dpa

Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet: Dass die Berliner Schriftstellerin Iris Hanika mit ihrem Roman „Echos Kammern“ den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik gewinnen würde. Immer wieder war die Rede gewesen von Judith Hermann und ihrem gefeierten Roman „Daheim“; auch Helga Schubert waren mit ihrem fast ein ganzes Jahrhundert umspannenden Comeback-Buch „Vom Aufstehen“ gute Chancen eingeräumt worden, genau wie Christian Kracht mit seinem Mutter-Sohn-und-Faserland-II-Roman „Eurotrash“.

Aber Iris Hanika? Deren Roman – mal abgesehen vom jüngsten Werk der quasi außer Konkurrenz nominierten Friederike Mayröcker – der sperrigste, experimentierfreudigste auf der Shortlist war, ohne dabei Unterhaltungspotential einzubüßen. „Echos Kammern“ erzählt munter hin- und herspringend von einer Lyrikerin in New York und einer Ratgeberbuchautorin in Berlin. Passagenweise ist Hanikas Roman durchsetzt von einer artifiziell-gebrochenen Kunstsprache, die sich etwa so liest: „Ich kann vermitteln realistische Bild von mein Aufenthalt: dort habe ich gesprochen falsch und mit Akzent – wenn ich habe gesprochen überhaupt.“ Ob mit „Echos Kammern“ der beste Roman dieser Liste (in diesem Frühjahr, im letzten Jahr?) gewonnen hat, sei dahin gestellt.

Der beste Roman? Die beste Wahl!

Doch ist die Entscheidung der Jury markttechnisch und was ihre Souveränität anbelangt, die beste, konsequenteste gewesen, gerade nach der Schelte für ihre Big-Names-Nominierungen in der Belletristik, die vorherrschende Trends in der aktuellen Gegenwartsliteratur komplett ignoriert hat. Hermann, Kracht und Schubert haben allesamt literarische Bestseller geschrieben. Ihr Bekanntheitsgrad lässt sich mit dem im Gegensatz zum Deutschen Buchpreis etwas weniger Strahlkraft ausübenden Leipziger Messe-Preis kaum steigern. Bei Iris Hanika ist das, obwohl sie schon viele Jahre beachtete Romane und essayistische Erzählungen schreibt, anders. Da ist es an der Zeit für so einen Preis – und ein Publikum, das nicht nur aus Eingeweihten besteht. Also: die beste Wahl.

Auch bei den anderen Preise nahm sich die Jury ihre Freiheit

Jurysprecher Jens Bisky hatte zu Beginn der Preisverleihung, die ohne Publikum und auch nicht mit den Autoren und Autorinnen vor Ort stattfand, davon gesprochen, dass seine Jury im Grunde alle Freiheiten hatte bei der Auswahl der Bücher. Sie habe sich kaum an Genregrenzen halten müssen und konnte sich für jeden Stoff interessieren und ihn nominieren. Ihre Freiheit hat die Jury sich auch bei der Auswahl der anderen Preise genommen: Heike Behrend, die mit ihrer Autobiografie der ethnografischen Forschung „Menschwerdung eines Affen“ den Sachbuchpreis gewann, war eine ähnliche Außenseiterin wie Hanika; da hatte man Dan Diner mit seinem Buch über das jüdische Palästina und den Zweiten Weltkrieg vorn gesehen, auch aus aktuellem Anlass. Obwohl die Jury die Aktualität bei Behrends Bericht über ihr Forscherinnenleben in Ostafrika ebenfalls gegeben sieht: „Es ist ein erhellendes Buch in diesen sich verdunkelnden Zeiten.“

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Und bei den Übersetzungen sollte es nicht die wunderbare von Ann Cotton sein, die Rosmarie Waldrops komplex-großartige, lyrifizierte Familien- und Feministinnengeschichte „Pippins Tochters Taschentuch“ ins Deutsche übertragen hat. Sondern Timea Tankós bestimmt auch wunderbare Übersetzung von Miklós Szentkuthys seltsam bizarren, kapriolenhaften, gedankenreichen Großbuch „Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus“. Doch so ist das: Nur eine kann gewinnen. Und was machte Iris Hanika, als ihr Name fiel und sie wie alle anderen von daheim oder aus Verlagsbüros oder von sonst woher live und digital in den Saal der Kongresshalle am Leipziger Zoo zugeschaltet wurde: Sie bedankte sich bei allen, ohne Namen zu nennen – und konnte nicht mehr aufhören zu lachen und zu lachen.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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