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Notfall-Pflegekraft: „Man hofft, keinen Patienten tot aufzufinden“

Notfall-Pflegekraft: „Man hofft, keinen Patienten tot aufzufinden“

Die Pflegekräfte trafen sich am Donnerstag zum Streik auf dem Franz-Mehring-Platz in Friedrichshain. Am Freitag ab 15 Uhr wollen sie sich im Stadion an der Alten Försterei in Köpenick versammeln
Foto: Sven Meissner

Rund 300 Mitarbeiter von Vivantes und Charité sind im Streik. Wegen chronischer Unterbesetzung bestehe jeden Tag Gefahr für jeden Patienten.

Sie möchten den Krankenhaus-Patienten in schlimmen Stunden zur Seite stehen, sie gut versorgen, auf Veränderungen ihres Zustandes schnell reagieren können. Die Pflegekräfte, die Sie hier sehen, wünschen sich, ihre Arbeit zu machen, so wie sie sie gelernt haben.

Dafür streikten am Donnerstag rund 300 Mitarbeiter von Charité und Vivantes. Weil das Arbeitsgericht einen Protest ohne Notdienstvereinbarung in den Vivantes-Kliniken verboten hatte, kamen für den Ausstand Kollegen aus ihren freien Tagen. Das Gericht begründete: Durch den Streik könne Gefahr für Leib und Leben für Patienten nicht ausgeschlossen werden.

Notfall-Pflegekraft: „Man hofft, keinen Patienten tot aufzufinden“

Stella Merendino (27): „Rettungswagen müssen teilweise eine Stunde warten, eh wir Patienten entgegennehmen können. Sechs Stunden Wartezeit bei einem gebrochenen Knochen sind normal. Ich kann Schwererkrankten nicht mal auf die Toilette helfen, sie liegen stundenlang in ihrem Urin“ (Foto: Sven Meissner)

Stella Merendino (27), Notfall-Pflegekraft in der Rettungsstelle des Vivantes-Humboldt-Klinikums, sagt: „Gefahr für Leib und Leben besteht jeden Tag bei uns für jeden Patienten – wegen chronischer Unterbesetzung!“

Notfall-Pflegekraft: „Man hofft, keinen Patienten tot aufzufinden“

Claudia Schneider (47), Anästhesie-Pflegerin im Vivantes-Klinikum Friedrichshain: „Ich muss wegen permanenter Unterbesetzung zwischen mehreren OP-Sälen wechseln. Wir fordern eine Pflegekraft pro Saal“ (Foto: Sven Meissner)

Sie berichtet aus ihrem Alltag: „Dienste für acht Kollegen sind mit drei oder vier besetzt. Ein Überblicken der Notfallsituationen ist äußerst schwierig bis unmöglich. Oft liegen 35 bis 45 Patienten in der Rettungsstelle, davon zwei akute Notfälle – Schlaganfälle, schwere Verkehrsunfälle, Menschen, die wiederbelebt werden müssen.“ Damit seien vier Mitarbeiter gebunden.

Merendino: „Man hofft, bei der Schichtübergabe nach acht Stunden keinen Patienten tot aufzufinden.“ Die Pflegekräfte fordern einen „Tarifvertrag Entlastung“: für jede unterbesetzte Schicht ein Belastungspunkt, für sechs Belastungspunkte eine Freischicht.

Notfall-Pflegekraft: „Man hofft, keinen Patienten tot aufzufinden“

David Wetzel (38), Pfleger auf der onkologischen Station des Benjamin-Franklin-Klinikums der Charité: „Im Früh- und Spätdienst bin ich für elf, im Nachtdienst für 21 Patienten verantwortlich. Hochwertige onkologische Pflege ist nicht machbar“ (Foto: Sven Meissner)

„Ein solcher Tarifvertrag würde zu einer deutlichen Einschränkung der Versorgung führen“, sagt Vivantes-Personalchefin Dorothea Schmidt. „Vivantes müsste – um den Tarifvertrag einzuhalten – deutlich weniger Patienten behandeln.“

Notfall-Pflegekraft: „Man hofft, keinen Patienten tot aufzufinden“

Silvia Habekost (58), Krankenschwester in der Rettungsstelle des Vivantes-Humboldt-Klinikums: „Ich arbeite Teilzeit, Vollzeit wäre zu anstrengend! Ich habe den Beruf ergriffen, weil ich Menschen helfen wollte. Dem Anspruch kann ich oft nicht gerecht werden“ (Foto: Sven Meissner)

Laut Schmidt hat das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr ein Defizit von 30,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Vivantes will die Zahl der Pflegekräfte vor allem durch Ausbildung kontinuierlich erhöhen.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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