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Nach grünem Licht für Corona-Impfstoff : Johnson & Johnson setzt Markteinführung in Europa fort

Der Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson kann nach Ansicht der EMA uneingeschränkt verwendet werden. Deshalb wird er schon bald in der EU verimpft.

Nach grünem Licht für Corona-Impfstoff : Johnson & Johnson setzt Markteinführung in Europa fort

US-Behörde FDA für Aussetzung von Impfungen mit Mittel von Johnson & Johnson.Foto: Dado Ruvic/Reuters

Der US-Hersteller Johnson & Johnson will die Markteinführung seines Corona-Impfstoffes in Europa fortsetzen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Zuvor hatte die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) nach der Prüfung sehr seltener Fälle von Hirnvenenthrombosen grünes Licht für den Impfstoff gegeben. Allerdings könne der Wirkstoff tatsächlich in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die EMA am Dienstag in Amsterdam mit.

Experten hatten das Präparat nach acht Fällen von Blutgerinnseln nach einer Impfung in den USA erneut geprüft. Die EMA hält daran fest, dass die Vorzüge des Impfstoffs, Covid-19 zu verhindern, höher zu bewerten seien als die Risiken von Nebenwirkungen.

Der Impfstoff ist bereits seit Mitte März in der EU zugelassen, wurde hier aber bis heute noch nicht eingesetzt. Ein Überblick über die Fakten zu dem Vakzin:

Welche Wirkungsweise hat der Impfstoff von Johnson & Johnson?
Wie beim Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca und dem russischen Vakzin Sputnik V handelt es sich um einen Vektorvirenimpfstoff. Dabei wird als Vektor ein sogenanntes Adenovirus genutzt. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann.

[Sie haben Fragen rund ums Impfen gegen das Coronavirus? Wir beantworten sie: Tagesspiegel Live am 22. April]

Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

Wie wirksam ist der Impfstoff von Johnson & Johnson?
Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson & Johnson wurde an etwa 40.000 Menschen ab 18 Jahren getestet. Bei den Studien in mehreren Ländern, darunter die USA, Mexiko, Brasilien und Südafrika, bekamen die Hälfte der Probanden das Vakzin und die andere Hälfte ein Placebo. Die Tests ergaben eine hohe Wirksamkeit von 85 Prozent gegen Corona-Infektionen mit einem schweren Verlauf. Keiner der geimpften Probanden starb, bei der Kontrollgruppe gab es sieben Todesfälle.

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Die Wirksamkeit gegen leichte bis schwerere Covid-19-Erkrankungen beträgt den Studien zufolge 66 Prozent. Allerdings scheint die Wirksamkeit je nach Coronavirus-Variante zu variieren. In den USA betrug die Wirksamkeit gegen leichte bis schwerere Infektionen 72 Prozent, in Südafrika, wo zum Zeitpunkt der Studie bereits die Virus-Mutante B.1.351 grassierte, hingegen nur 64 Prozent.

Bei den in der EU bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist die Wirksamkeit insgesamt mit rund 90 Prozent allerdings höher. Experten geben aber zu bedenken, dass diese beiden Hersteller ihre klinischen Tests bereits vor der Ausbreitung von Mutanten wie der südafrikanischen Variante machten.

Welche Vorteile hat das Vakzin?
Bei dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson reicht anders als bei den in der EU bereits zugelassenen Mitteln von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca eine einzige Dosis. Dadurch könnte die Immunisierung der Bevölkerung deutlich beschleunigt werden.

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Außerdem kann das Mittel leichter transportiert und aufbewahrt werden: Nach Unternehmensangaben ist es mindestens drei Monate lang bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad haltbar. Somit kann das Mittel in jeder Arztpraxis aufbewahrt werden. Die Lagerung der Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie von Biontech und Moderna erfordert hingegen deutlich niedrigere Temperaturen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?
Die am häufigsten bei den klinischen Tests beobachteten Nebenwirkungen bei der J&J-Impfung waren Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Sie traten in der Studie häufiger bei jungen als bei älteren Menschen auf.

Johnson & Johnson meldete mindestens einen Fall eines anaphylaktischen Schocks, einer schweren allergischen Reaktion. Sie wurde in Südafrika registriert. Diese Nebenwirkung trat in seltenen Fällen auch bei den Corona-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer auf.

In den USA riet die Gesundheitsbehörde CDC Menschen, bei denen bereits schwere allergische Reaktionen auftraten, von dem Vakzin ab. Vor einer Woche setzte sie die Impfungen mit dem J&J-Vakzin jedoch zunächst ganz aus, nachdem sechs Fälle von gefährlichen Blutgerinnseln bei Geimpften aufgetreten waren, darunter ein tödlicher.

Doch die Möglichkeit von Blutgerinnseln bei einer zugleich sehr niedrigen Zahl von Blutplättchen werde nun als seltene Nebenwirkung registriert, so die EMA nun. In den meisten Fällen ging es nach Angaben der Experten um Frauen unter 60 Jahre. Die Thrombosen vorwiegend in den Hirnvenen waren innerhalb von drei Wochen nach der Impfung aufgetreten.

Die EMA hatte am 9. April mitgeteilt, dass sie einen möglichen Zusammenhang zwischen der J&J-Impfung und schweren Thrombose-Fällen prüfe. Ähnliche Fälle werden mit dem Corona-Vektorvirenimpfstoff von Astrazeneca in Zusammenhang gebracht. Anders als der von Astrazeneca darf der Impfstoff von Johnson & Johnson nun uneingeschränkt verwendet werden. (AFP, dpa)

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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