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Nach Großbrand in Alt Tellin : Tierschutzbund will Wiederaufbau der Schweinezuchtanlage verhindern

57.000 Schweine verendeten Ende März im Feuer. Die Sicherheit in der Anlage der Ferkelaufzucht in Alt Tellin war aber schon seit Jahren umstritten.

Nach Großbrand in Alt Tellin : Tierschutzbund will Wiederaufbau der Schweinezuchtanlage verhindern

Nur knapp 1.300 Schweine konnten bei dem Großbrand gerettet werden.Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. Landesverband Mecklenburg-Vorpommern

Kerstin Lenz, Vorsitzende des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Tierschutzbundes, sprach von einer „Katastrophe für tausende Tiere“, Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete ihn als eine „Tragödie“: den Brand in einer der größten Schweinezuchtanlagen Deutschlands. Ende März waren bei einem Feuer in der Ferkelaufzucht in Alt Tellin bei Anklam rund 50.000 Ferkel und 7.000 Sauen ums Leben gekommen. 

Nur etwa 1.300 Sauen konnten noch aus den brennenden Ställen im Landkreis Vorpommern-Greifswald getrieben werden. Der Brand hatte nach und nach alle achtzehn Ställe der Anlage erfasst. Drehender Wind erschwerte die Löscharbeiten der Feuerwehren. 

Die Ursache des Brandes ist bisher noch unbekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Das sagte der Sprecher der Stralsunder Justizbehörde, Martin Cloppenburg, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Bisher sehe es nach einer technischen Ursache aus.

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Vorsätzliche Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden 

Mit einem ersten Zwischenergebnis des Gutachters sei frühestens in einer Woche zu rechnen. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass sich jemand unberechtigt Zugang verschafft habe. Doch selbst eine vorsätzliche Brandstiftung sei in diesem Stadium noch nicht ganz auszuschließen. 

„Der schreckliche Brand mit zehntausenden verbrannten und erstickten Sauen, Ferkeln und Ebern muss Konsequenzen haben – unabhängig davon, was die Ermittlungen zur Brandursache ergeben“, sagte Kerstin Lenz vom Deutschen Tierschutzbund am Freitag. Es dürfe keine Option sein, dass diese Anlage jemals wieder in Betrieb geht.

Nach Großbrand in Alt Tellin : Tierschutzbund will Wiederaufbau der Schweinezuchtanlage verhindern

Ein Feuerwehrmann inmitten von geretteten Tieren. Die Brandursache ist weiterhin unklar.Foto: dpa / Stefan Sauer

Die Zuchtanlage war eine der größten von elf Standorten der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland (LFD). Anwohner und Umweltschützer hatten immer wieder gegen die Anlage demonstriert. Ralf Beke-Bramkamp, Sprecher des Aufzuchtbetriebs, sagte, dass Alt Tellin „stets den gesetzlichen Vorgaben entsprechend betrieben” wurde. 

Er berichtete, dass beim Abtransport der überlebenden Schweine Lastwagen mit Steinen beworfen worden seien. Einige Fahrzeuge wurden demnach bis zu Standorten des Unternehmens in Brandenburg verfolgt. Derzeit entsorge eine Fachfirma vor allem die Kadaver und das Gelände werde beräumt. Seit Freitag arbeiten fünf Bagger am Abriss der Stallruinen. 

Kritik schon vor Genehmigung der Anlage 

Kritik an der Anlage gab es schon seit über einem Jahrzehnt. Eine Sprecherin der Umweltschutzorganisation BUND wies darauf hin, dass ihre Organisation bereits vor der Genehmigung der Anlage mit detaillierten Gutachten auf unbeherrschbare Brandgefahren hingewiesen habe. 

Im Herbst 2006 wurden erste Pläne des Agrarindustriellen Straathof zum Bau einer Zuchtanlage bei Alt Tellin bekannt. Eine Bürgerinitiative (BI) und Umweltverbände waren dagegen. Die Stadt Jarmen jedoch befürwortete die umstrittene Anlage für 10.000 Sauen in ihrem Amtsbereich in Alt Tellin. 2010 folgte die Genehmigung durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte.

Nach Großbrand in Alt Tellin : Tierschutzbund will Wiederaufbau der Schweinezuchtanlage verhindern

Die Dachkonstruktion eines Gebäudes des Schweinemastbetriebes in Alt Tellin liegt nach dem Feuer in Trümmern.Foto: dpa / Stefan Sauer

Bis Februar 2009 waren rund 700 Einwendungen gegen die Anlage eingegangen, unter anderem die der Anwaltskanzlei Kremer im Auftrag vom BUND MV. Im März 2011 nahm die Kanzlei Kontakt zum Deutschen Tierschutzbund aufgrund massiver Bedenken bezüglich des Brandschutzkonzeptes auf. Im September 2012 reichte der BUND Klage beim Verwaltungsgericht Greifswald ein. 

Die Klage hatte zum Ziel, die Genehmigung der Anlage wegen vorliegender Rechtsverstöße gegen Tierschutz- und Naturschutzvorschriften aufheben zu lassen. Die Klage wird bis heute verfolgt und vom Deutschen Tierschutzbund und dem BUND unterstützt.

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Anzeige wegen Tierschutzverstößen bereits im August 2019 

Der Ferkelbetrieb in Alt Tellin sorgte bereits im August 2019 für einen Tierschutzskandal. Nach Ausfall einer Lüftungsanlage verendeten dort über 1.000 Ferkel. „Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat wegen des Verdachts auf Tierschutzverstöße Anzeige erstattet”, berichtete Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. 

Darauf folgte ein Umweltschutzskandal: „Bei routinemäßigen Reinigungs- und Wartungsarbeiten an der Abluftanlage des LFD-Betriebs in Alt Tellin kam es aufgrund einer technischen Störung zu einem temporären Freisetzen von Säure“, schrieb das Unternehmen damals in einer Pressemitteilung. 

Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband, der Deutsche Tierschutzbund Mecklenburg-Vorpommern, äußerten sich am Freitag dazu, dass sie einen Wiederaufbau der Anlage nicht hinnehmen würden. Nach über zehn Jahren Kampf gegen die Anlage und einem immer wieder verzögerten Verfahren habe der Brand am 30. März tragische Fakten geschaffen. 

„Die Brandtragödie muss das Ende der Schweinezucht in Alt Tellin einläuten. Wir prüfen anhand der vorliegenden Informationen die juristischen Möglichkeiten und werden diese – soweit möglich – auch ergreifen“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Weiß (Linke) äußerte sich noch drastischer: Der Brand in Alt Tellin zeige, dass solch überdimensionierte Stallanlagen nicht beherrschbar seien. Das Feuer müsse analog zum Atomausstieg “das Fukushima für alle Megaställe” sein. (mit dpa, AFP)

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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