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Millionen Bundestrainer wissen es besser : Joachim Löw und die kniffeligen Fragen

Nach der Auftakt-Niederlage sieht sich der Bundestrainer mal wieder mit vielen Ratschlägen konfrontiert. In der Vergangenheit haben die ihn wenig interessiert.

Millionen Bundestrainer wissen es besser : Joachim Löw und die kniffeligen Fragen

Plan ist Plan. Ändert Joachim Löw sein System, wäre das eine ziemliche Überraschung.Foto: imago images / Eibner

Das Internet vergisst nichts. Aber das muss ja nicht immer von Nachteil sein. So lässt sich zum Beispiel ohne größere Mühe immer noch das schöne Video aus Brasilien finden, das vor sieben Jahren während der Fußball-Weltmeisterschaft aufgenommen wurde.

Es ist rasant geschnitten, mit dramatischer Musik hinterlegt und zeigt Bilder, die dadurch womöglich spektakulärer aussehen, als sie es in Wirklichkeit waren. Aufgenommen wurde der Film bei einem Segeltörn der deutschen Nationalmannschaft mit dem Berufsabenteurer Mike Horn, der den Fußballern den Wert des Teamworks nahebringen sollte. Am Ende kommt ausgerechnet Mats Hummels zu Wort. „In schwierigen Situationen zeigt es sich“, sagt er „Dann muss man zusammenhalten.“

Mike Horn wird bei der Nationalmannschaft sehr geschätzt. Erst kürzlich, im Trainingslager für die Europameisterschaft, war er wieder eingeladen, um einen Vortrag zu halten. „Er ist einfach einmalig“, hat Kapitän Manuel Neuer anschließend erzählt. „Und für das Turnier kann es ein sehr gutes Omen sein. Damals hat es sehr gut funktioniert.“

Die neue K-Frage

Damals, 2014, wurden die Deutschen Weltmeister. Um sich vorzustellen, dass die gerade angelaufene EM für die Nationalmannschaft ebenfalls mit dem Titelgewinn endet, bedarf es allerdings schon einer ausgeprägten Fantasie. Und trotzdem gibt es seit der Auftaktniederlage gegen Frankreich durchaus Parallelen zur WM in Brasilien: Bundestrainer Joachim Löw sieht sich auch jetzt wieder mit vielen guten Ratschlägen konfrontiert, was er bitte alles ändern solle.

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Vor sieben Jahren gab es eine erbitterte öffentliche Debatte darüber, wo Philipp Lahm am besten aufgehoben sei: im defensiven Mittelfeld, so wie Löw meinte. Oder doch als Rechtsverteidiger, wie es der große Rest des Landes bevorzugte. Die Debatte erlebt gerade eine Wiederaufführung, nur mit verändertem Personal und unter umgekehrten Vorzeichen. Während das Volk Joshua Kimmich gern wieder im Mittelfeld sähe, glaubt Löw, dass er der Mannschaft als offensiv ausgerichteter Rechtsverteidiger vor der Dreierkette mehr hilft.

In Brasilien hat es lange gedauert, bis der Bundestrainer beim Viertelfinale schließlich einknickte. Er kann da sehr stur sein. Es ist also davon auszugehen, dass Löw die Einflüsterungen von außen auch diesmal wieder stoisch ertragen wird und dann alles so lässt, wie es war. Eine Änderung des Systems wäre schon eine ziemliche Überraschung. „Das Trainerteam macht sich wahnsinnig viele Gedanken“, sagt Verteidiger Matthias Ginter. „Es ist auch nicht so, dass wir einen Aufstand machen, wenn uns als Mannschaft etwas nicht gefällt.“

Ob das auch für das aktuelle System gilt, hat Ginter nicht gesagt. Widerstand erscheint ohnehin zwecklos. Das 3-4-3, das die Deutschen gegen Frankreich gespielt haben, verbindet nach Einschätzung des Bundestrainers viele Vorzüge: Es garantiert durch mehr Kompaktheit in der Abwehr eine größere Stabilität, und ist laut Löw trotzdem das offensivere System, weil nach seiner Deutung ein reiner Verteidiger weniger auf dem Platz steht. Für das breite Publikum hingegen führt die Dreier- respektive Fünferkette dazu, dass für die vielen zentralen Mittelfeldspieler ein Platz weniger zur Verfügung steht.

Goretzka kommt zurück, Klostermann fällt aus

Dieses Problem könnte nach gravierender werden, wenn Leon Goretzka wieder komplett fit ist. Gegen Frankreich stand er auf eigenen Wunsch noch nicht im Kader. Am Samstag, im zweiten EM-Spiel gegen Portugal hingegen, ist er wohl wieder eine Option; vielleicht noch nicht für die Startelf, aber zumindest für eine Einwechslung. Der Münchner ist ein Box-to-Box-Spieler, der seiner Mannschaft genau das geben könnte, was ihr gegen die Franzosen gefehlt hat: mehr Tiefe.

Personell wird sich wohl eher wenig ändern. Die offensive Dreierreihe könnte Löw umbesetzen. Leroy Sané, gegen Frankreich 20 Minuten vor Schluss eingewechselt, gilt als mögliche Alternative für die Startelf, möglicherweise als Ersatz für Kai Havertz, der gegen den Weltmeister recht blass blieb. Serge Gnabry trainierte am Donnerstag in Herzogenaurauch zwar nur individuell; sein Mitwirken gegen die Portugiesen scheint allerdings nicht gefährdet.

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Anders sieht es wohl bei Lukas Klostermann aus, der wegen einer nicht näher benannten Muskelverletzung im rechten Oberschenkel vom Sport befreit war. Der Leipziger fällt vermutlich für das Spiel gegen Portugal aus. Was mangels anderer Alternativen ein weiterer Grund wäre, Kimmich auf der Position des Rechtsverteidigers zu belassen. Matthias Ginter und Emre Can könnten dort zwar ebenfalls spielen. Sie kämen aber eher für eine Viererkette in Frage und nicht für die offensivere Interpretation der Rolle im 3-4-3.

Robin Gosens, Kimmichs Pendant auf der linken Seite, sieht im bestehenden System sogar deutliche Vorteile für das Duell mit den Portugiesen, die in ihrem ersten Turnierspiel mit Viererkette angetreten sind. Für ein Team mit Viererkette sei es schwierig, gegen eine Mannschaft zu verteidigen, die zwei offensive Außenverteidiger aufbietet. Auch Emre Can findet: „Es war nicht alles schlecht.“ Und letztlich geht es eben auch darum, eine starre Grundordnung mit Leben zu füllen. „Auch mit dem System können wir es besser. Können wir mutiger sein“, sagt Can. Nein: „Müssen wir mutiger sein.“

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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