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Lit:Potsdam startet live : Verstand und Gefühl in einer Ausnahmezeit

Das Literaturfestival Potsdam setzt trotz Corona auf Live-Events mit Publikum. Mit dabei sind dieses Jahr Autoren wie Daniel Kehlmann und Sharon Dodua Otoo.

Lit:Potsdam startet live : Verstand und Gefühl in einer Ausnahmezeit

Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo.Foto: Mike Wolff

Anders als alle bisherigen Ausgaben und doch sich selbst treu bleiben: So will das Literaturfestival Lit:Potsdam in seine neunte Runde gehen. Und zwar ausdrücklich live und vor Publikum. Das Festival soll vom 1. bis 6. Juni unterm freien Potsdamer Himmel stattfinden.

Möglich macht das ein bereits im letzten Jahr erprobtes Soundsystem nach dem Prinzip Audioguide: Menschen können luftig platziert werden und haben die Stimmen der Autor:innen trotzdem nah am Ohr. „Ausnahmezeit – Verstand und Gefühl“, so lautet das Motto in diesem Jahr.

„Wir leben in einer Ausnahmezeit“, erklärt die Künstlerische Leiterin Karin Graf das bei Jane Austen geborgte Thema. Verstand und Gefühl seien das, „was wir brauchen, um damit fertig zu werden“.

„Starke Worte schöne Orte“, so lautet seit der Gründung 2013 das Motto des Festivals. Lit:Potsdam hat sich seitdem einen Namen als Festival mit schillernden Namen an edlen Orten gemacht – und nach einer beachtlichen ersten Corona-Ausgabe 2020 will es diesem Ruf auch im zweiten Krisenjahr gerecht werden. Als Veranstaltungsorte sind unter anderem die Parks der Villen Quandt, Schöningen und Jacobs angekündigt: In letzterem findet traditionell eine Festveranstaltung statt.

Der diesjährige Ehrengast ist noch nicht bekannt. Als einer der schillernden Gäste ist Daniel Kehlmann angekündigt, der eine „Zukunftsrede“ hält. Mit Bernhard Schlink ist ein weiterer Bestsellerautor vertreten, ebenso wie Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert und Ingrid Noll, die „Grande Dame der Spannungsliteratur“. Der Buchpreisträger Lutz Seiler wird zum Brandenburgischen Bücherfest erwartet.

Auch ein Kinder- und Jugendprogramm ist geplant

Das Festival zeigt, dass es alles tut, um nah dran zu sein an aktuellen Debatten: Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo („Adas Raum“) und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal („Identitti“) sprechen über Fragen der Identität und Zuschreibungen, Grimme-Preisträgerin Julia Friedrichs und Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein über Klassismus und Gerechtigkeit.

Um die Klimakrise soll der Kabarettist und Scientists-for- Future-Aktivist Eckart von Hirschhausen mit Johan Rockström, dem Co-Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung streiten. Angekündigt sind insgesamt rund zwanzig renommierte Autor:innen in über 15 Lesungen, Vorträgen und Gesprächen.

[Tickets gibt es ab 19. April 19 Uhr unter www.litpotsdam.de sowie im PNN-Shop und an den bekannten Vorverkaufsstellen. Für die kostenfreie Teilnahme an der Tagung „Schreiben und Publizieren im digitalen Zeitalter“ kann man sich unter konferenz@litpotsdam.de anmelden.]

Auch ein Kinder-, Jugend- und Schulprogramm ist wieder geplant: über dreißig Veranstaltungen in rund zwanzig Brandenburger Schulen. Hier beteiligen sich unter anderem John von Düffel, Sven Stricker und die für den diesjährigen Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Potsdamerin Grit Poppe.

Online-Formate werden weitgehend ausgespart

Erstmals seit Einführung 2014 wird es in diesem Jahr keinen „Writer in Residence“ geben. Im vergangenen Jahr sollte Nobelpreisträger Orhan Pamuk kommen, der dann der Pandemie wegen absagen musste, aber immerhin seine fotografischen Arbeiten in Potsdam zeigte.

[Behalten Sie den Überblick: Jeden Morgen ab 6 Uhr berichten Chefredakteur Lorenz Maroldt und sein Team im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint über die aktuellsten Entwicklungen rund um das Coronavirus. Jetzt kostenlos anmelden: checkpoint.tagesspiegel.de.]

Matthias Brandt sprang kurzfristig ein und folgte damit Autoren wie Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser und David Grossman. Die erste Frau in dem Residency-Programm lässt, das nur nebenbei gesagt, noch auf sich warten. Auch „Next Stage Europe“, das Festival im Festival zu neuen Theatertexten aus Osteuropa, findet in diesem Jahr voraussichtlich nicht statt. Zumindest nicht live. Möglich, dass hier online noch etwas passiert, wie zu hören ist.

In einer nach Live-Begegnungen hungernden Zeit setzt Lit:Potsdam auf genau diese – und spart Online-Formate weitgehend aus. Auch dem Thema Digitalität widmet sich das Festival analog: Zum Auftakt am 31. Mai lädt Lit:Potsdam zu einer Tagung unter dem Titel „Schreiben und Publizieren im digitalen Zeitalter“. Autor:innen und Expert:innen aus Verlagswesen und Medien sollen hier diskutieren, wie die Digitalisierung die Branche verändert. Nicht zuletzt in Ausnahmezeiten wie diesen.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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