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Kein Film und keine Serie ohne Catering : Star-Küche auf Rädern

Ob Andrea Sawatzki, Komiker Otto, Steven Spielberg oder Tom Hanks – sie alle haben schon bei Matthias Fehrenbach gegessen. Seit 30 Jahren verköstigt er mit seinem „Dinner Express“ die Filmbranche.

Kein Film und keine Serie ohne Catering : Star-Küche auf Rädern

Vor dem Essen ist jeder gleich. Matthias Fehrenbach kaufte sich in den 1980ern ein Wohnmobil und baute es selbst zum…Foto: privat

Von Vöhrenbach aus wirkt die Welt ganz groß. Die kleine Stadt im Schwarzwald hat knapp 4000 Einwohner, liegt zwischen Furtwangen und Villingen-Schwenningen, im Tal der Breg und umgeben von sehr, sehr viel Wald. „Da ist der Hund begraben“ sagt Matthias Fehrenbach lakonisch über diesen Ort, und so ist man wenig erstaunt darüber, dass er schon als Jugendlicher in die Ferne schweifte. Genau genommen war diese gar nicht so weit weg: Nur eine Autostunde von ihm entfernt öffnete sich für ihn das Tor des „Savoir Vivre“, das Land der Liebe, der Leidenschaft und des guten Essens. In Frankreich kaufte er seine ersten Kochbücher, dort fand er die Freude am Genuss, hier entstand seine Begeisterung für den Beruf.

Matthias Fehrenbach ist gelernter Koch und der Chef eines Catering-Unternehmens. Das „Star’s Dinner Express“ bietet seit 30 Jahren das Essen für Werbe-, Fernseh- und Spielfilmproduktionen, sowohl nationale als auch internationale. Die Liste seiner Referenzen ist lang: „Babylon Berlin“, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, „Der Junge muss an die frische Luft“, „Matrix“, „Cloud Atlas“, „Die Tribute von Panem“. Zuletzt ist er mit seinem Food-Truck nach Mallorca gereist und begleitete dort die RTL-Dramaserie „Der König von Palma“, die vom Tourismusboom nach der Wiedervereinigung auf der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen erzählt. In den 30 Jahren seines Schaffens im Filmbusiness hat er tausende Mägen gefüllt, Bedürfnisse von Prominenten befriedigt und nicht selten den Unterhalter gespielt. Er sagt: „Als Caterer arbeitet man ja wie auf einer Bühne. Ich habe immer gern gekocht, und ich habe gern mit Menschen zu tun.“

Koch, Kellner und Caterer

Matthias Fehrenbach ist 62 Jahre alt und ein so genannter alter Hase im Geschäft. Bevor er seine Zukunft im Filmcatering sah, kochte er in verschiedenen Restaurants, kellnerte oder jobbte auf Festivals. Mitte der 80er Jahre bekam er das Angebot, für ein Rock’n Roll-Catering zu arbeiten. Längst lebte er zu dem Zeitpunkt schon in West-Berlin, der Kreativ-Oase aus Rebellion, Kunst und Musik. Er tourte mit Liza Minelli, Joe Cocker, Eric Burdon, Ina Deter, Ulla Meinecke oder Jule Neigel, mit einigen Künstlern ist er heute noch befreundet. Parallel kaufte er sich ein Wohnmobil und baute es selbst um – zu einer Küche auf Rädern, die von nun an unter dem Segel „Star’s Dinner Express“ von Set zu Set rollte.

Mit „Otto – der Liebesfilm“ begann 1991 sein Einstieg ins Filmgeschäft. Zu dieser Zeit war die gesamtdeutsche Hauptstadt noch weit davon entfernt, eine Film- und Medienmetropole zu sein, für Matthias Fehrenbach bedeutete das auch: weniger Konkurrenz. Die Aufträge nahmen zu wie die „Flotte“ seiner Firma. „Polizeiruf 110“, „Tatort“, „Die Stille nach dem Schuss“. Er verfügt heute über neun große Fuhr-Trucks, fünf Angestellte und über einen Pool aus 20 freien Mitarbeitern.

“Was gibt es heute?”

„Am besten finde ich, wenn die Beschäftigten am Set morgens zu mir kommen und mich fragen, was ich heute koche“, erzählt er. „Dann weiß ich, ob sie das Essen mögen, oder ob ich für sie vielleicht etwas anderes zubereiten kann.“ Vegan, vegetarisch, lactosefrei – die Ernährung hat sich im Zuge der Jahrzehnte verändert, für Matthias Fehrenbach, der gerne mal ein Schnitzel mit Spargel zu sich nimmt, ist sein Job konstant geblieben: Bei jeder Produktion möchte er die beste Qualität liefern, sich auf die Leute ein- und sie zufriedenstellen. Dafür holt er sich immer neue Inspirationen, sei es von einem italienischen Freund, aus einem spanischen Kochbuch oder in einem Restaurant, dass die berühmten amerikanischen Bowls serviert – wenn schon mal Tom Hanks, Matt Damon oder Steven Spielberg an seinem Wagen stehen, will er bestens vorbereitet sein. Vor drei Jahren war er bei einer der ersten „Grünen Produktionen“ dabei, die den Wert auf Nachhaltigkeit legen, und er beschaffte sich ein Spülmobil. Seitdem verzichtet er auf Einwegbecher und Plastikgeschirr.

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Seine bisher größte Herausforderung, sagt er, sei die Hollywood-Produktion „Duell – Enemy at the Gates“ gewesen, die über die Schlacht von Stalingrad erzählte und zur Jahrtausendwende in den Filmstudios Babelsberg gedreht wurde. Damals hatte Matthias Fehrenbach 1200 Leute am Tag zu bewirten, die Hälfte davon waren Komparsen, die anderen gehörten zur Filmcrew. Ob Beleuchter, Kostümbildner, Regisseur, Kameramann, Set-Designer, Schauspieler oder Laiendarsteller – am Catering-Wagen treffen sich die Menschen wie gute, alte Bekannte, sie sind hungrig und wünschen sich Nahrung. Im Grunde ist das wohl auch das Schönste an diesem Beruf: Er kann etwas geben, das alle eint. Oder anders gesagt: Vor dem Essen ist jeder gleich.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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