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Ist es sinnvoll, die U-Bahn-Pläne immer wieder zu überprüfen?

Ist es sinnvoll, die U-Bahn-Pläne immer wieder zu überprüfen?

Berlins Ex-Regierende Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) diskutiere über die stetige Überprüfung der U-Bahn-Pläne
Foto: picture alliance/ B.Z-Montage

Einmal die Woche schreiben in der B.Z. Berlins Ex-Regierende Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) über Themen, die die Hauptstadt bewegen. Heute geht es um stetige Überprüfung der U-Bahn-Pläne.

Eberhard Diepgen: Nein, da werden Entscheidungen verschleppt

Große Verkehrsvorhaben werden immer komplizierter. In Deutschland dauern sie immer länger. Selbst während der gesetzlich vorgeschriebenen Planungsphasen sind daher Überprüfungen oft sinnvoll.

Neue Techniken, veränderte Wirtschaftsabläufe, Verkehrsströme und Umweltbestimmungen können dazu führen und auch neue Finanzierungsmöglichkeiten durch den Bund oder die EU schaffen. Die Zeitabläufe sind Folgen der Schwerfälligkeit unseres Planungsrechtes und der Tatsache, dass wünschenswerte Mitsprache betroffener Bürger und auch Gerichtsverfahren zeitlich und sachlich nicht ausreichend eingegrenzt sind.

Als Erzübel der Berliner Verkehrspolitik erscheint mir aber die Tatsache, dass wiederholte Prüfungsaufträge nur die Unfähigkeit oder Unlust zu einer klaren Entscheidung kaschieren. Sie werden dann auch noch als kraftvolle Entscheidung politisch verkauft. Und: Hinter immer neuen Prüfungsaufträgen versteckt sich auch der immerwährende Streit zwischen Befürwortern von U- oder Straßenbahnausbau.

Verschiebung heißt: Jede Partei kann sich als Sieger feiern.

Die Verlängerung der U7 zum Flughafen BER war schon 1996 Teil der verkehrspolitischen Überlegungen von Berlin und Brandenburg. Zu Bedarf und Sinn der Strecke zum BER gibt es nichts Neues. Nur die Verlängerung der U7 zur Heerstraße ist ein neueres Projekt. Nichts Neues gibt es auch seit Jahren zur Frage der U Bahn-Anbindung des Märkischen Viertels. Und wer am alten Flughafen Tegel große Ansiedlungen von Wissenschaft, Wirtschaft und Wohnen will, muss eine durchgehende ÖPNV Anbindung ohne Zwang zu lästigem Umsteigen planen.

In der Vergangenheit – ich denke an den Anfang von Großberlin und den Verkehrsplaner Ernst Reuter in den zwanziger Jahren – wurde für Zukunft gebaut. Prüfungsaufträge sind dafür kein Ersatz. Jedenfalls wenn nicht klar ist, was angestrebt wird.

Walter Momper: Ja, sie müssen ja zeitgemäß sein

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte müssen die Pläne immer wieder überprüft werden, ob sie noch zeitgemäß sind.

Ich finde, es war für alle überraschend, dass der Verlängerung der U-Bahnlinie 7 zum Flughafen Schönefeld und der Verlängerung im Norden bis zur Heerstraße eine so wichtige Priorität von der Nutzung her eingeräumt wird, wie es jetzt der Fall ist.

Wir sollten deshalb alle Planungskapazitäten darauf ausrichten, diese beiden Verlängerungen in den nächsten zehn Jahren hinzubekommen. Solange braucht schließlich eine U-Bahn-Planung bis zum Planfeststellungsbeschluss. Darüber hinaus sollte auch die Verlängerung der U-Bahn ins Märkische Viertel und zum Mexikoplatz in Angriff genommen werden. Vielleicht muss man die nicht in 10 Jahren fertigbekommen, aber in 15 oder 20 Jahren. Dann hätte man eine sehr gute Perspektive für die U-Bahn.

Aber es sollte auch die S-Bahn nicht vergessen werden. Was ist mit der Verlängerung auf der Stammbahn nach Potsdam? Was ist mit der Verlängerung nach Falkensee oder jedenfalls bis zur Landesgrenze? Das sind wichtige Strecken, die auch für die nächsten 20 Jahre anstehen. Dafür sollte man die Planung auch vorantreiben, um sie dann bauen zu können, wenn das Geld da ist bzw. es Geld vom Bund für den Bau dieser Vorhaben gibt.

Man sieht: U-Bahn-Bau ist keine Sache für Jahrzehnte, sondern für Jahrhunderte. Unsere U-Bahn ist jetzt mehr als 100 Jahre alt. Jede Generation hat ihr neue Strecken und Bahnhöfe hinzugefügt und so soll es auch bleiben.

In den nächsten zehn Jahren wird mindestens eine U-Bahn geplant, nämlich die, die den höchsten verkehrlichen Nutzen für die Berlinerinnen und Berliner bringt. Das ist die U7 zur Heerstraße und zum Flughafen.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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