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Ist es richtig, den Schulbetrieb noch nicht hochzufahren?

Ist es richtig, den Schulbetrieb noch nicht hochzufahren?

Ist es richtig, den Schulbetrieb noch nicht hochzufahren?Darüber diskutieren Eberhard Diepgen (l.) und Walter Momper
Foto: picture alliance / ZB / Dirk Lässig (B.Z. Collage)

Einmal die Woche schreiben in der B.Z. Berlins Ex-Regierende Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) über Themen, die die Hauptstadt bewegen. Heute geht es um die Schul-Pläne des Senats.

Eberhard Diepgen: Ja, der Verzicht ist konsequenter

 Die Verabredung der Ministerpräsidenten bei der Bundeskanzlerin habe ich als Empfehlung für einen Verzicht auf einen Schulbesuch bis Ende Januar verstanden, Präsenzunterricht also erst nach den noch immer vorgesehenen Winterferien.

Mir erschien das logisch, weil Kontakte vermieden werden sollen. In den nächsten Wochen soll ja sogar nur noch eine Person einen anderen Haushalt besuchen. Oma und Opa dürfen danach nur nacheinander ihre Enkel besuchen, auch nachbarschaftliche Zusammenarbeit bei Kinderbetreuung ist erschwert.

In Berlin gab es in den letzten Tagen ein bedauerliches Durcheinander. Aber Konsequenz bei einem eingeschlagenen Weg ist erforderlich und die vielen Spezialregelungen für einzelne gesellschaftliche Bereiche schaffen zusätzlichen Begründungsbedarf und Unsicherheiten.

In Berlin sollte der Lockdown eigentlich für die Schulen wieder aufgelockert werden. Erst für „abschlussrelevante“ Jahrgänge, dann für die ersten Grundschuljahrgänge und ab 25. Januar für die Klassen 4 bis 6. Zusätzlich soll es Notversorgung geben, insbesondere für Kita-Kinder.

Trotz aller AHA-Regeln hätte man damit bewusst ein Infektionsrisiko in Kauf genommen. Familien mit mehreren Kindern hätte es eine Fülle neuer Probleme gebracht, zum Beispiel gesonderte Planungen für die Kinder in unterschiedlichen Jahrgangsstufen. Für berufstätige Eltern nichts Halbes und nichts Ganzes.

Hinzu gekommen wären Ansteckungsgefahren für Kinder und Lehrer. In der Impfprioritätenliste müssen die Lehrer vorgezogen werden.

Die Winterferien beginnen Anfang Februar. Ist da ein schnellerer Beginn des Präsenzunterrichts sinnvoll? Für die Klassenstufen 4 bis 6 sogar nur für eine Woche. Berufstätigen Eltern wird mit erweitertem Erziehungsurlaub geholfen. Ältere können zu Hause unterrichtet werden.

Verzicht auf Präsenzunterricht bis zu den Winterferien wäre richtig.

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Walter Momper: Nein, das benachteiligt die Kinder

 Jedes Lernangebot der Schulen ist von Vorteil für die Kinder und Jugendlichen.

Würde der Schulbetrieb wie geplant wieder hochgefahren, würden die Kinder nicht mehr zu Hause herum hängen und versuchen, sich mühsam im Homeschooling den Stoff des Unterrichts anzueignen. Sie kämen wieder unter ihresgleichen, könnten sich in den Pausen austoben und wären im Unterricht mit der Lehrerin oder dem Lehrer konfrontiert, die ihnen helfen und sie auf den richtigen Weg beim Lernen bringen.

Das alles wäre von Vorteil gewesen. In jedem Fall ist es hinnehmbar, dass bereits ab dem 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant ist, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause.

Dabei sollen die Lerngruppen maximal halb so groß sein wie üblich. Prüfungen sollen stattfinden können.

Nun will der Senat erst am 19. Januar darüber entscheiden, wie es ab dem 25. Januar mit dem Schulbetrieb an Grundschulen weitergeht.

Leider bieten auch die Kitas in Berlin weiterhin nur ein Notversorgung für Kinder an. Es ist gut, dass die gewohnten Winterferien in der Schule in diesem Jahr nicht ausfallen werden.

Wenn es vor den Ferien doch noch eine schrittweise Öffnung für die anderen Jahrgänge gibt, fände der Unterricht wohl in halber Klassengröße statt. Das setzt die Infektionsgefahr sehr stark herab.

Es sollten mindestens drei Stunden Präsenzunterricht am Tage geben. Das zeigt, dass nicht die volle Stundenzahl erteilt wird, sondern es eben weniger sein können.

So würden unsere Kinder und Jugendlichen vor einer Infektion halbwegs geschützt und hätten trotzdem Präsenzunterricht. So könnte es gehen.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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