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Immobilien-Haie fressen meinen Kiez

Immobilien-Haie fressen meinen Kiez

B.Z.-Lokalredakteur Uwe Steinschek sorgt sich um die Mieter-Struktur im Kiez
Foto: picture alliance / Zoonar/Lohse Combo B.Z.

Mein Kiez verkommt immer mehr zum Discounter für Immobilien-Haie. Bestes Beispiel ist unsere Straße. Hier haben sich skandinavische Investoren eingekauft, unser Haus gehört jetzt einem Unternehmen mit Firmensitz in Luxemburg.

Das Haus gleich nebenan hat sich ein privater Geld-Guru aus der Spätzle-Region geschnappt und die angestammten Mieter erstmal rausmodernisiert. Das Dachgeschoss hat er übrigens für sich reserviert. Wahrscheinlich, um seiner Provinz-Ödnis zu entkommen und in Berlin die Sau rauszulassen.

Neulich habe ich Erich im Treppenaufgang getroffen und ihn gefragt, was mit Arno ist. Der machte in der Vergangenheit die Runde mit seinen zwei kleinen Hunden. Ganz gemächlich einmal um den Pudding und dann wieder nach Hause.

„Na, haste nich mitbekommen? Der is jetzt weg. Da in der 27 haben sie aus den Mietwohnungen jetzt Eigentumswohnungen jemacht. Arno hatte Angst, dass die Miete durch de Decke jeht.“

Der Kiez bröckelt, altvertraute Gesichter verschwinden. Nach sinnentleerten und preistreibenden Modernisierungen schmeißen Arbeiter, Angestellte, Rentner das Handtuch. Aus Furcht, sich die hohen Mieten einfach nicht mehr leisten zu können. Das alles ist den Investoren herzlich egal. Sie spechten auf eine fette Rendite.

Für mich sind die Positionen klar: Da gibt es Menschen, die sicher und in Ruhe wohnen wollen. Und dann gibt es Zeitgenossen, die diese Menschen nicht in Ruhe wohnen lassen, weil die Rendite reizt. Nun raten Sie mal, in welche Richtung sich mein Sympathiefaden entrollt.

Klar, man kann die Frage stellen, mit welchem Recht Mieter darauf bestehen, ohne Sorgen in ihrem angestammten Kiez zu leben. Man kann das als ungerechtfertigte Befindlichkeit abtun. Man kann aber auch fragen, mit welchem Recht Investoren über Jahre gewachsene Strukturen aufbrechen. Die Antwort darauf ist einfach: mit dem Recht des Geldes.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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