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Halbherziges Nachtzug-Comeback : Deutsche Bahn kauft keine neuen Schlafwagen

In einer europäischen Allianz will die Bahn wieder Nachtzüge anbieten. Doch eigene Waggons schafft die DB nicht an. In Deutschland fahren nachts weiter ICEs.

Halbherziges Nachtzug-Comeback : Deutsche Bahn kauft keine neuen Schlafwagen

Sehnsucht Liegewagen: Mit der ganzen Familie über Nacht in Europas Metropolen.Foto: Harald Eisenberger/ÖBB/dpa

Die Deutsche Bahn steigt zwar wieder ins Nachtzug-Geschäft ein, will jedoch keine eigenen Liege- und Schlafwagen kaufen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung an die FDP-Fraktion hervor, die Tagesspiegel Background vorliegt. „DB Fernverkehr AG verfügt über keine Schlafwagen mehr und plant auch nicht, neue Schlafwagen zu kaufen oder zu leasen“, schreibt Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU).

Die DB AG beteilige sich mit eigenen Sitzwagen an den Nachtzugverbindungen ihrer europäischen Partnerbahnen, heißt es weiter. Im innerdeutschen Nachtverkehr will die Deutsche Bahn zudem weiter auf reguläre ICE- und Intercity-Züge setzen. „Eine vertane Chance“, sagt der FDP-Verkehrsexperte Christian Jung. „Die Vorstellung, über Nacht sitzend zu fahren, ist bei weitem nicht so attraktiv wie ein Schlafwagen.“

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Im Dezember haben die Staatsbahnen von Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz eine Renaissance des europäischen Nachtlinien-Netzes angekündigt. Schon damals war klar, dass auf den neuen Verbindungen ab Ende 2021 von Zürich über Köln nach Amsterdam und von Wien über München nach Paris zunächst nur der österreichische Nightjet unterwegs sein wird. Denn nur die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben (in Kooperation mit der schweizerischen SBB) in den vergangenen Jahren neue Nachtzüge bestellt.

Doch nun zeigt sich, dass die Deutsche Bahn wohl auch auf der ab 2023 verkehrenden Linie von Berlin nach Brüssel und Paris dauerhaft lediglich den Betrieb der Nightjets unterstützen will. An einem schnellen Ausbau der europäischen Nachtzugverbindungen ist die DB offenbar nicht interessiert. In der Vergangenheit hat die ÖBB stets darauf hingewiesen, dass deutlich mehr Nachtverbindungen nur möglich sind, wenn auch andere Bahnen neue Züge bestellen.

Keine Förderung durch den Bund

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat die Nachtzugallianz im Dezember als Einstieg in den Trans-Europ-Express 2.0 gefeiert. Unter dem bekannten Retro-Markennamen TEE soll es in Zukunft mehrere europäische Schnellzug-Verbindungen geben. Die Bundesregierung will den Prozess nun aber offenbar nicht weiter beschleunigen.

„Eine Förderung von Nachtzugverbindungen im Schienenpersonenfernverkehr mit Bundesmitteln ist nicht vorgesehen“, schreibt Ferlemann in seiner Antwort an die FDP. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung sieht deshalb in der Nachtzugallianz der vier Staatsbahnen auch kein wettbewerbsrechtliches Problem.

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Eine „fast schon hämische Antwort“, sagt Christian Jung. Die Verhandlungen über die Nachtzugverbindungen seien ausschließlich zwischen staatlichen Bahnen ausgetragen worden. Zumindest ein privater Betreiber steigt nun aber offenbar größer ins Nachtzug-Geschäft ein.

Nachtzüge durch Deutschland, nur nicht von der Bahn

Nach Informationen der Bundesregierung will Transdev Deutschland in Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Snälltåget, das ebenfalls zur Transdev-Gruppe gehört, ab Sommer 2021 einen Nachtzug zwischen Berlin, Kopenhagen und Stockholm fahren lassen. Ende 2021 soll dann ein Zug von Schweden nach Österreich folgen.

Als wettbewerbsneutrale Förderung von Nachtzügen haben unter anderem die Grünen mehrfach stark vergünstigte Trassenpreise vorgeschlagen. Zumindest die Neuanschaffung von Schlafwagen könnte als Teil des European Green Deal aber eine Förderung erhalten, berichtet nun Ferlemann.

Während der deutschen Ratspräsidentschaft hätten die Staaten die EU-Kommission gebeten, ein Förderprogramm aufzulegen, damit interessierte Eisenbahnen Rollmaterial für den grenzüberschreitenden Personenverkehr anschaffen können.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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