Mutter ins Koma gefahren, Tochter schwer verletzt: Ku’damm-Raser zu Haft verurteilt, aber dank Deal frei

Urteil: drei Jahre und zehn Monate, aber sofortige Haftverschonung

Das Trümmerfeld auf dem Kurfürstendamm im Sommer 2020 nach dem schlimmen Unfall

Das Trümmerfeld auf dem Kurfürstendamm im Sommer 2020 nach dem schlimmen Unfall

Foto: spreepicture
Von: Anne Losensky

Berlin – Ein Ku’damm-Raser muss 3 Jahre und 10 Monate ins Gefängnis. Aber danach geht sein Leben weiter, er kann sich sogar wieder einen neuen Führerschein besorgen. Die Folgen für das unschuldige Raser-Opfer dagegen sind schlimmer als der Tod: lebenslang lebendig begraben im eigenen Körper.

ER heißt Robert S. (29). Schlüsseldienst-Firmenboss, Wohnung in Grunewald. Am 31. August 2020 im Miet-BMW 750 unterwegs (530 PS, zwei Tonnen schwer). Vollgas auf dem Ku’damm, um die neue Freundin zu beeindrucken. Der Tacho erreicht 132 Km/h (erlaubt sind 50 Km/h).

SIE heißt Agnieszka T. (45). Ökonomin, gern auf Reisen. Neben ihr sitzt Tochter Wiktoria (17) in dem Ford Fiesta, sie ist Tänzerin. Der Kleinwagen will links von der Cicerostraße auf den Ku’damm abbiegen. Der BMW-Fahrer sieht das Auto, beschleunigt trotzdem. Der Ford schleudert 20 Meter durch die Luft. Die Unfallstelle sieht aus wie nach der Explosion einer Autobombe (sieben Autos Schrott).

Infografik: Schwerer Unfall am Kurfürstendamm

ER steigt unverletzt aus, haut ab im Taxi. Lügt dreist, er sei im Urlaub, nicht in Berlin und schon gar nicht am Steuer gewesen. Erst die DNA-Spuren am Fahrer-Airbag müssen ihn als Täter überführen.

SIE wird von Rettern zurückgeholt in ein Albtraum-Leben. Ein Dahinvegetieren im sogenannten Locked-in-Syndrom. Ihre Tochter hat Knochenbrüche. Ob sie je wieder tanzen kann, steht in den Sternen.

ER saß seit 2. Oktober 2020 in U-Haft. Keine Vorstrafen. Späte Reue. Sein Geständnis im Prozess wird belohnt: 46 Monate Gefängnis, aber sofortige Haftverschonung. Er kann die Strafe nun im offenen Vollzug „abschlafen“. Die Fahrerlaubnis wird entzogen, 4 Jahre und 4 Monate Führerscheinsperre.

Robert S. im Prozess – an den Folgen des Unfalls werden Mutter und Tochter ihr Leben lang zu leiden haben

Robert S. im Prozess – an den Folgen des Unfalls werden Mutter und Tochter ihr Leben lang zu leiden haben

Foto: spreepicture

DER RICHTER: „Sie mieteten einen völlig aufgemotzten BMW, um Ihre junge Bekannte zu beeindrucken. Sie gaben einfach Vollgas und haben die Bestie entfesselt. Sie haben wie ein Irrer beschleunigt und so die Katastrophe herbeigeführt.“

Verurteilt wurden: verbotenes Kraftfahrzeugrennen (mit sich selbst), schwere Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Unfallflucht.

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