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Frauenquote im Start-up-Vorständen : Junger Männerklub statt neue Unternehmenskultur

Bei Börsenneulingen ist der Frauenanteil in Vorständen noch niedriger als bei alten Konzernen. Die Gründe dafür sind bekannt – und werden kaum angegangen.

Frauenquote im Start-up-Vorständen : Junger Männerklub statt neue Unternehmenskultur

In Start-ups sind die Vorstandsposten oft anteilig noch mehr von Männern besetzt als in Dax-Konzernen.Soeren Stache/dpa

Seit Jahren werden Dax-Konzerne dafür kritisiert, dass zu wenige Frauen in ihren Vorständen sitzen. Nach Daten der der Organisation FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) lag der Anteil von Frauen in Vorständen der 190 größten Börsen-Unternehmen im Februar bei 11,8 Prozent. Nun liegen Börsengänge bei jungen Firmen derzeit im Trend. Start-ups wie Auto1, About You oder auch der Dax-Kandidat Delivery Hero sind inzwischen Größen auf dem Parkett und man könnte meinen, dass ihre junge Unternehmenskultur an diesem Missstand etwas ändert.

Eine Auswertung der Allbright Stiftung zeigt nun: Das Gegenteil ist der Fall. Die Börsenneulinge „ziehen in jedem Jahr zuverlässig den Frauenanteil in den Vorständen der 160 Börsenunternehmen nach unten“, heißt es von der Allbright Stiftung.

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Im April 2021 lag der Frauenanteil in den Vorständen der in den vergangenen fünf Jahren neu in die Indizes Aufgenommenen demnach bei nur 10,2 Prozent. Bei den Firmen, die in den vergangenen 15 Jahren gegründet wurden und bereits an der Börse sind, liegt der Frauenanteil in den Vorständen sogar nur bei 5,4 Prozent.

Lieber ein neues Board statt Frauen im Vorstand

Als Erklärung verweisen die Autorinnen der Auswertung auf den Druck der Risikokapitalgeber, „sodass in der Regel keine Ressourcen auf eine strategisch-vielfältige Rekrutierung verwendet, sondern weitgehend aus dem bestehenden Netzwerk rekrutiert wird“. Erst mit dem Börsengang verstärke sich durch die Transparenz-Pflicht der Druck von Öffentlichkeit und Investoren auf diese Unternehmen.

Die betreffenden Unternehmen betonen auf Nachfrage, sich für eine Erhöhung der Frauenquote in ihren Vorständen einzusetzen. „Die Entscheidung, den Vorstand in der aktuellen Konstellation mit vier Männern fortzuführen, ist keine Entscheidung gegen eine Frauenquote, sondern eine Entscheidung für die erfolgreiche Arbeit dieses Teams“, heißt es etwa von HelloFresh. Man habe sich aber zum Ziel gesetzt, auf den zwei folgenden Ebenen einen Frauenanteil von mindestens 20 Prozent sicherzustellen. Zudem verweist HelloFresh auf diverse Programme zur Förderung weiblicher Führungskräfte, wie etwa das „Women in Tech“-Stipendium.

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Bei Delivery Hero ist sowohl der Vorstand als auch das Global Advisory Board ausschließlich männlich besetzt. Statt hier eine Frau zu berufen, rief der Konzern im April ein anderes Board ins Leben, das Diversity & Inclusion Advisory Board. Zudem verweist man hier auf Nachfrage auf ein „Women in Leadership Program“, das im Sommer starten und Frauen den Weg in Führungspositionen erleichtern soll. Auto1 erklärt den reinen Männer-Vorstand damit, dass er lediglich aus dem Gründer-Team besteht.

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Gründer unter sich: Markus Boser (v.l.), Christian Bertermann und Hakan Koç beim Börsengang von Auto1.Auto1 Group

Eine Erklärung, die Christian Miele nicht. „Eine ausgeprägte Vielfalt unter den Mitarbeitenden, die immer auch einen ausgewogenen Anteil an Frauen auf allen Ebenen bedeutet, ist nicht nur gesellschaftlich geboten, sie ist vor allem auch ökonomisch sinnvoll“, kommentiert der Vorsitzende des Start-up-Verbands die Allbright-Auswertung. „Denn Untersuchungen zeigen, dass diverse Teams wirtschaftlich oft erfolgreicher sind.“

Die gesetzliche Quote für Frauen in Vorständen, die am vergangenen Freitag verabschiedet wurde, schreibt zwar vor, dass bei mehr als drei Vorständen künftig mindestens eine Frau im Vorstand sitzen muss. Es greift allerdings erst bei börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Firmen mit mehr als 2000 Mitarbeiter:innen. Davon gibt es derzeit nur 66 in Deutschland.

Aktiengesetz benachteiligt Frauen in Vorständen

Für Annika Rogge ist das Ergebnis der Auswertung keine Überraschung. Die Marketing-Expertin und Gründerin des Frauennetzwerks daere.de sieht vor allem zwei Ursachen. „Zum einen bekommen Gründerinnen seltener und weniger Risikokapital, womit wir als Folge weniger Gründerinnen haben, die längerfristig zu Vorständinnen in daraus resultierenden Dax-Konzernen werden könnten“, so Rogge. „Zum anderen haben wir die Benachteiligung von schwangeren Frauen im Aktiengesetz, die im Moment in der Babypause de facto gezwungen sind, aus dem Vorstand auszuscheiden.“

Für eine öffentliche Debatte hatte diese Regelung im vergangenen Jahr gesorgt, als die damals schwangere Delia Lachance, Gründerin des Möbel-Onlineshops Westwing, aus dem Vorstand ihrer eigenen Firma ausscheiden musste. Geändert hat sich seitdem nichts. „Gerechter wäre es, eine zeitlich begrenzte Mandatspause möglich zu machen, ohne dass weibliche Vorstände für die Zeit ihrer Abwesenheit voll in Haftung gehen müssen“, meint Rogge.

Zumindest den Missstand, dass Frauen weniger Risikokapital bekommen, wollen nun 60 bekannte Managerinnen wie Tina Müller (Douglas) oder Sigrid Nikutta (Deutsche Bahn) angehen. Auch die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypris (SPD) ist dabei. Am Donnerstag stellten sie das Netzwerk „Encourageventures“ vor. Damit wollen sie einen Fonds gründen, der zwischen 100 und 200 Millionen Euro für Gründerinnen bereitstellen soll.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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