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Drei Monate Bauzeit für 20 Meter Kabel

Drei Monate Bauzeit für 20 Meter Kabel

Die Bauvorhaben der Berliner Baubehörden dauern zu lange und sind unnötig teuer, findet B.Z.-Redakteur Torsten Hasse
Foto: picture alliance, Christian Lohse

Jeden Montag sagen B.Z.-Redakteure, was sie wirklich stört. Heute Torsten Hasse, Mitglied der Chefredaktion, der sich über Baustellen und Behörden ärgert.

Kennen Sie den Blaumilchkanal? Diese Satire von Ephraim Kishon, in der ein Mann mitten in Tel Aviv eine Hauptverkehrsstraße mit dem Presslufthammer aufreißt – und für gehörig Chaos sorgt. Die Behörden schieben sich gegenseitig die Schuld zu, niemand weiß etwas.

Ähnlichkeiten mit Berliner Baubehörden sind NICHT zufällig und voll beabsichtigt. An unserer Anwohnerstraße in Alt-Tegel kann man in einem Bereich auf dem Gehweg parken. Gut 20 Meter davon sind ab heute bis Mitte Juni gesperrt. Das Stromnetz Berlin baut dort, heißt es auf einem Schild.

Dreieinhalb Monate für 20 Meter Stromkabel, das nenne ich mal ein schnelles Arbeitstempo. Ich erinnere mich, wie in unserem U-Bahnhof Alt-Tegel eine Rolltreppe kaputt ging. Eine Reparatur war nicht möglich, Ersatz musste her.

Zwei Jahre für eine neue Rolltreppe

Ich wurde stutzig, als man dort eine provisorische Holztreppe errichtete. Tatsächlich, ganze zwei Jahre hat es dann gedauert, bis eine neue Rolltreppe eingebaut wurde. Warum zwei Jahre? Das konnte bei der BVG auch niemand so genau erklären.

Berliner Baustellen sind gefräßig, verschlucken Millionen über Millionen Euro und Millionen über Millionen Arbeitsstunden.

Wenn der Senat oder der Bezirk baut, scheint es kein Limit zu geben. Nicht wenige Fachleute sagen, dass uns die milliardenschwere BER-Blamage erspart geblieben wäre, wenn ein privates Baukonsortium am Start gewesen wäre. Aber so dauert es und dauert es. Für Baufirmen ein lohnendes Geschäft.

Woher kommen diese Mondpreise?

In Charlottenburg muss die Ufermauer der Spree saniert werden, zuständig ist die Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt. Als ich las, dass 500 Meter am Bonhoefferufer 25 Millionen Euro verschlingen sollen, rechnete ich aus: Ein Meter Ufer kostet 50.000 Euro! Woher kommen diese Mondpreise?

Das wird wohl ein Geheimnis bleiben, versteckt in Baugutachten und Prüfberichten.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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