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DOSB-Chef Hörmann: „Auch der Profifußball kämpft ums Überleben“

DOSB-Chef Hörmann: „Auch der Profifußball kämpft ums Überleben“

DOSB-Boss Alfons Hörmann fordert, dass der Jugend- und Amateursport seinen Betrieb wieder aufnehmen darf
Foto: picture alliance / Kai-Uwe Wärn

Die Sonderrolle des Profifußball wird auch im organisierten Sport kritisiert, der seit einem Jahr stillsteht. Für DOSB-Chef Hörmann hat er „sportspezifische Systemrelevanz“. Zugleich sei es aber „erkennbar Zeit“, dass sich für den Amateursport endlich etwas ändere.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann versteht die Kritik an der Sonderrolle des Profifußballs, spricht ihm aber eine „gewisse sportspezifische Systemrelevanz“ zu. Es hingen zehntausende Arbeitsplätze davon ab, ob die Clubs spielen können“, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn einzelne Vereine ins Wanken geraten, besteht die Gefahr, dass die ganze Bundesliga ins Straucheln kommt.“

DOSB-Chef Hörmann: „Auch der Profifußball kämpft ums Überleben“

Die Fußball-Bundesliga (Hier Freiburgs Lucas Höler und Unions Marcus Ingvartsen) seit September 2020 wieder. Für Alfons Hörmann ein richtiger Schritt (Foto: City-Press GmbH)

Die Sonderrolle des Profifußballs in der Pandemie gefällt auch Vielen im organisierten Sport nicht. Der steht seit einem Jahr still.
Es ist insgesamt verständlich, dass die Sonderrolle, die der Profifußball und insbesondere die Bundesliga haben, und bei der es naturgemäß auch um die internationalen Einsätze geht, auch bei uns an der Sportbasis zunehmend infrage gestellt wird. Man muss aber das Ganze in den Gesamtkontext einordnen, wie es ja auch die Bundesregierung getan hat, die an vielen anderen Stellen eher restriktiv agiert. Sie hat die besondere wirtschaftliche Bedeutung dieses Ligabetriebs aus gutem Grund erkannt und anerkannt.

DOSB-Chef Hörmann: „Auch der Profifußball kämpft ums Überleben“

DOSB-Boss Alfons Hörmann spricht über die Sonderrolle des Profi-Fußballs in Deutschland (Foto: picture alliance / dpa)

Warum ist die Sonderrolle des Profifußballs gerechtfertigt?
Neben dem, was die Bundesliga als Sport auszeichnet, sind die Clubs mit ihren Umsätzen auch klassische Wirtschaftsunternehmen mit den Spielern als wichtigste Mitarbeiter und Hauptdarsteller. Am Ende geht es um Wirtschaftszusammenhänge, die ganz erhebliche Folgen haben. Geschäftsführer Christian Seifert hat für die Deutsche Fußball Liga Einnahmeverluste von zwei Milliarden Euro binnen zwei Jahren aus der gesamten Pandemie prognostiziert. Daran mag man erkennen, was trotz der Geisterspiele an Ausfällen auf die Liga zukommt. Deshalb erfüllen die Präsidenten und Vereinsvorstände nichts anderes als ihre Pflicht, indem sie um jedes Spiel kämpfen und damit die Existenzfähigkeit der Clubs sichern, und mit professionellen Hygienekonzepten alles tun, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.

„10.000 Arbeitsplätze gefährdet“

Dazu gehören trotz Reisebeschränkungen, ins Ausland verlegte Europapokal-Spiele von RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach.
Das erweckt verständlicherweise Aversionen, aber am Ende geht es um Lizenz- und Fernsehrechte sowie das Aufrechterhalten von professionellen Strukturen. Der Ligabetrieb hat wohl eine gewisse sportspezifische Systemrelevanz, zumindest in bestimmten Teilen. Es hängen letztlich Zehntausende Arbeitsplätze davon ab, ob die Clubs spielen können oder nicht. Wenn einzelne Vereine ins Wanken geraten, besteht die Gefahr, dass die ganze Bundesliga ins Straucheln kommt. Man mag gar nicht daran denken, was das für einen Dominoeffekt nach sich ziehen könnte. Das würde zugleich alle nachfolgenden Ligen schwächen, wie es auch bei einem Ausfall der Olympischen Spiele der Fall wäre. Der könnte mittelbar Auswirkungen bis hin zu den regionalen Stützpunkten der verschiedenen Sportarten haben.

DOSB-Chef Hörmann: „Auch der Profifußball kämpft ums Überleben“

Hörmann hofft, dass bei der nächsten Ministerkonferenz (hier Berlins Regierender Michael Müller, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder) Öffnungen für den Amateursport schlossen werden (Foto: picture alliance)

Sie sehen den Profifußball als systemrelevant. Provoziert das nicht Widerspruch anderer gesellschaftlicher Bereiche und Branchen?
Auch der Fußball kämpft ums Überleben. Deshalb handelt es sich explizit um eine „sportspezifische“ Relevanz. Diese ist natürlich nicht vergleichbar mit der herausragenden Bedeutung der systemrelevanten Berufe, wie der Pflegeberufe und der öffentlichen Sicherheit, das ist vollkommen klar. Es ist jedoch eine sportliche Systemrelevanz. Das trifft für den Profifußball, aber auch für den gesamten Spitzensport zu. Die wirtschaftlichen Effekte, die auch die Olympischen und paralympischen Spiele für die Athleten des Team D, die zumeist keine Millionäre sind, haben und die mit solchen Veranstaltungen verbunden sind, entscheiden wesentlich über das künftige Schicksal dieser Sportler und weltweit über Arbeitsplätze in hunderttausender Größenordnung. Davon hängt an vielen Stellen somit auch der Fortbestand unseres vernetzten Sportsystems ab.

Der organisierte Sport liegt seit einem Jahr still und auch die größte Bewegung in Deutschland mit 28 Millionen Menschen hält still. Muss man die Stimme nicht mal lauter erheben?
Es wird erkennbar Zeit, dass sich etwas ändert. Der Sport in ganz Deutschland steht bereit, wichtiger Bestandteil der Lösung zu werden. Deshalb hoffen wir, dass das Thema zeitnah auf die Tagesordnung der Runde mit Kanzlerin und Ministerpräsidenten kommt. Im jüngsten Beschluss ist der Sport nach zahlreichen Monaten endlich wieder namentlich genannt worden. Und auch in den letzten Runden der Sportministerkonferenz (SMK) war deutlich zu vernehmen, dass sich langsam Unmut über die nicht vorhandenen Perspektiven breit macht, weil damit die vielfältigen Chancen des Sporttreibens ungenutzt brach liegen.

Besteht jetzt die Hoffnung, dass der SMK-Beschluss bei der Kanzlerrunde am 3. März zum Thema wird?
Zumindest ist dies das erklärte Ziel und der Prozess war genauso aufgesetzt. Ich habe es noch nie in meiner siebenjährigen Amtszeit erlebt, dass die SMK innerhalb von zwei Wochen dreimal getagt hat. Diese kurze Taktung ist dem Ziel geschuldet gewesen, der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten rechtzeitig Vorschläge vorlegen zu können. Was am Ende am 3. März folgt, wird sich zeigen und wir hoffen sehr dass es endlich Perspektiven für den Sport geben wird.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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