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Diese Fahrradspur ist der Untergang des Einzelhandels

Diese Fahrradspur ist der Untergang des Einzelhandels

Nikolaos Theodorou betreibt einen Supermarkt für griechische Spezialitäten am Tempelhofer Damm
Foto: Ufuk Ucta

Am Tempelhofer Damm wurden 800 Parkplätze entfernt. Kein Kunde und kein Zulieferer kann jetzt noch halten. Rücksichtlos haben Grüne und SPD eine Fahrrad-/Busspur durchgesetzt, gegen den Willen und die Interessen der Gewerbetreibenden, meint Gunnar Schupelius.

Der Tempelhofer Damm war mal eine lebendige Geschäftsstraße. Das änderte sich vor genau einer Woche, am 14. April.

Da wurden zwischen der Autobahn im Norden und dem Bahnhof Alt-Mariendorf im Süden sämtliche Parkplätze am Straßenrand entfernt, insgesamt etwa 800, auf einen Schlag, über Nacht.

Stattdessen verläuft dort jetzt eine kombinierte Bus- und Fahrradspur. Die Busse werden in einem halben Jahr wieder verschwinden, sie dienen nur als Schienenersatzverkehr, während der Bauarbeiten an der U 6.

Danach soll es bei einem Fahrradstreifen auf beiden Seiten von Norden her bis Ullsteinstraße bleiben, abgetrennt mit Plastikpollern. Auf dieser Strecke entfallen dauerhaft mindestens 300 Parkplätze.

Diese Fahrradspur ist der Untergang des Einzelhandels

Anwohner Marco Deinert, Armin Glebe (re.): 800 Parkplätze weg, niemand wurde informiert (Foto: Ufuk Ucta)

Kein Zulieferer und kein Kunde kann jetzt noch am Straßenrand halten. Es gibt keine Ladezonen, keine Kurzparkplätze, nichts. Nur das Ordnungsamt dreht seine Runden.

Die Einzelhändler sind wie vor den Kopf gestoßen. Sie wurden nicht informiert, was sollen sie tun?

Nikolaos Theodorou betreibt einen Supermarkt für griechische Spezialitäten am Tempelhofer Damm 218: „Die Stammkunden rufen mich an und fragen, wo sie parken sollen.“

Das kann ihnen Theodorou aber nicht sagen, denn er weiß ja selbst nicht, wo er seinen Lastwagen parken soll. Auf der neuen Fahrrad/Bus-Spur? „Um alle zehn Paletten abzuladen, brauche ich eine Stunde. Da ist das Ordnungsamt längst da.“

Um 40 (!) Prozent ist seit dem 14. April sein Umsatz eingebrochen. Und das ist nicht das einzige Unglück: Nebenan bewirtschaftet er das Restaurant „Taste Hellas“. Besser gesagt: Er hat es bewirtschaftet, denn das Lokal ist im Dauer-Lockdown seit dem 2. November geschlossen. Und jetzt macht man ihm den Supermarkt platt.

► Lesen Sie hier alle Kolumnen von Gunnar Schupelius

So wie Theodorou geht es den meisten Einzelhändlern und Gastronomen am Tempelhofer Damm: Der Fahrradstreifen gibt ihnen mitten in der Corona-Zeit den Rest. Die zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) interessiert sich nicht für sie sondern nur für Fahrradfahrer. So auch Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), die eigentlich für die Wirtschaftsförderung zuständig ist.

Vom Senat gibt es erst recht keine Hilfe. „Die Mobilitätswende kommt nach Tempelhof. So lässt sich auch hier sicher & komfortabel radeln“, twitterte die Verwaltung von Verkehrssenatorin Regine Günther (Gründe) hoch erfreut.

Zugegeben: Der Tempelhofer Damm war für Fahrräder immer ein gefährliches Pflaster. Aber warum diese radikale Lösung?

Hätte man nicht parallel Fahrradstraßen ausweisen können? Und wo bleibt das Anlieferkonzept für die Gewerbetreibenden, das vom Bezirksparlament (BVV) beschlossen wurde?

Dort macht sich vor allem die CDU mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Daniel Dittmar für die Einzelhändler stark.

Aber der Widerstand blieb ohne Erfolg. Rücksichtslos lassen grüne und rote Politiker die Menschen am Tempelhofer Damm auflaufen.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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