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Diese Berliner Fotografin ließ sich nicht von der Stasi einschüchtern

Diese Berliner Fotografin ließ sich nicht von der Stasi einschüchtern

Eva Kemlein kurz nach Kriegsende mit ihrer Leica in Berlin. Während sie auf der Flucht vor den Nazis im Berliner Untergrund lebte, konnte sie die Kamera retten
Foto: Stiftung Stadtmuseum

Sie war eine der bedeutendsten Fotografinnen der Nachkriegszeit und geriet nach B.Z.-Recherchen 1953 in die Fänge der DDR-Staatssicherheit. Eva Kemlein (1909 -2004) dokumentierte das Leben in der Trümmerstadt Berlin, fotografierte das Berliner Schloß vor der Sprengung und das Theaterleben in Ost und West. Das Centrum Judaicum widmete ihr in zusammen mit dem Stadtmuseum 2016 die Ausstellung „Berlin lebt auf!“.

Von Hans-Wilhelm Saure

Die Tochter eines jüdischen Kaufmanns überlebte die Nazizeit in Berlin ab 1942 versteckt. Nach dem Krieg wohnte sie in der Wilmersdorfer Künstlerkolonie am Breitscheidplatz und fotografierte vor allem für Zeitungen in Ost-Berlin.

Die Stasi spionierte Kemleins Wohnort im April 1953 aus und wollte sie als Agentin gewinnen. Das belegen Unterlagen, die auf Antrag der B.Z. freigegeben wurden. „An der Wohnungstür der K. ist der Name Kemlein-Stein verzeichnet. Auf Läuten der K. wurde die Wohnungstür von einer männlichen Person geöffnet“, heißt es in einem Ermittlungsbericht der DDR-Geheimpolizei von 27. April 1953.

Diese Berliner Fotografin ließ sich nicht von der Stasi einschüchtern

Chronistin der Nachkriegszeit: Eva Kemlein fotografierte 1946 Berliner beim Anbau von Gemüse und Kartoffeln vor der Siegessäule (Foto: Stiftung Stadtmuseum/Eva K)

Die Stasi hatte die Holocaust-Überlebende laut Akten für „Informations- und Fotoaufträge in Westberlin vorgesehen“. Am 22. Oktober 1953 verpflichtete sich Eva Kemlein unter dem Decknamen „Ilse Kock“ handschriftlich zur Zusammenarbeit mit der Stasi.

Doch Aufträge von der Stasi führte die berühmte Fotografin, deren Nachlass (300.000 Negative) im Stadtmuseum Berlin aufbewahrt wird, nicht aus. Am 16. März 1954 hielt ein Stasi-Offizier in einem Abschluss-Bericht fest: „Schon bei dem Verpflichtungsgespräch stellte sich heraus, dass die K. Angst hatte diese Aufgaben zu lösen.“

Dagmar Hovestädt, Sprecherin des Stasiunterlagen-Archivs: „Die Unterlagen zeigen, dass Eva Kemlein wegen ihrer West-Ost-Verbindungen für die Stasi interessant war. Ihre Lebensgeschichte als Zwangsarbeiterin und Verfolgte des NS-Regimes war dabei kein Hindernis, sie für eine IM-Tätigkeit anzuwerben.“

Diese Berliner Fotografin ließ sich nicht von der Stasi einschüchtern

Zeitdokument: Eva Kemlein fotografierte am 19. Mai 1945 Schauspieler Heinz Rühmann im Gespräch mit Walter Ulbricht (Foto: Stiftung Stadtmuseum/Eva K)

Ein Jahr nach dem Mauerbau versuchte die Stasi erneut, Eva Kemlein zu einer Stasi-Agentin zu machen. Im Oktober und November 1962 traf sie sich zweimal mit einem Stasi-Offizier und berichtete, dass sie in Ost-Berlin immer weniger Fotoaufträge bekomme und man ihr die Arbeitsgrundlage entziehen wolle. Danach erschien Eva Kemlein nicht mehr zu den Stasi-Treffen. Sie ließ mitteilen, dass „sie sich den Gesprächen mit den Vertretern des MfS nicht gewachsen fühlt“.

Zwischen September 1962 und Februar 1963 oberservierte die DDR wieder die Wohnung von Eva Kemlein in West-Berlin. Zehnmal spähten Spitzel das Haus aus. Im August 1963 gab die Stasi auf und ließ die Chronistin der Nachkriegszeit in Ruhe.

Dagmar Hovestädt: „Kemleins Wunsch, für ihre Fotoarbeiten nach Ost-Berlin einreisen zu können, war ein Hebel, mit dem man sie unter Druck setzen konnte. Aber in beiden Anläufen hat sie sich dem Werben entzogen und die Stasi hat die Vorgänge eingestellt.“ Judith Kuhn vom Stadmuseum Berlin: „Das zeugt von Eva Kemleins großem Mut sich nicht einschüchtern und fremdbestimmen zu lassen.“

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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