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Die Enteigner-Demo in Grunewald war alles andere als harmlos

Die Enteigner-Demo in Grunewald war alles andere als harmlos

Enteigner-Demonstranten am 1. Mai auf dem Weg in den Ortsteil Grunewald: „Das war Einschüchterung und Nötigung“
Foto: Annette Riedl/dpa

Menschen wurden aus einer Masse heraus beschimpft, beschuldigt und bedroht, nur weil sie in einer teuren Gegend leben. Das war keine Demonstration, das war Nötigung, meint Gunnar Schupelius.

Am 1. Mai fuhren mindestens 10.000 Demonstranten auf Fahrrädern durch den Ortsteil Grunewald und forderten die Enteignung der Villenbesitzer. Etwa 50 linksradikale Organisationen hatten dazu aufgerufen. Die Polizei berichtete, es habe sich um „ganz normale, friedliche Leute“ gehandelt.

Das ist insofern richtig, als dass die Demonstranten weder Autos beschädigten noch Fassaden beschmierten, wie sie es am 1. Mai vor zwei Jahren in Grunewald getan hatten.

Doch die Parolen, die sie in diesem Jahr von sich gaben, waren alles andere als friedlich. Es waren versteckte Drohungen, die sich so anhörten: „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder: „Wer Teil des Problems ist, muss auch Teil der Lösung sein!“ oder „Wir schauen schon mal, welche Villa uns am besten gefällt. Wir kommen wieder.“

Und es kam noch schlimmer. Die Demonstranten behaupteten: „Seit Beginn der Krise wird hier hinter den Toranlagen heftig gehamstert“ und kündigten an: „Holen wir die Villenbesitzer ab!“

Schon vor einem halben Jahr, am 5. September 2020, hatte es einen ähnlichen Aufzug auf dem Johannaplatz gegeben, allerdings ohne Fahrräder. In einer Rede mit dem Titel „Grunewalddämmerung“ hieß es in Richtung der Anwohner: „Denken Sie an die tragischen Schicksale von Zar Nikolaus dem Dritten, der erschossen wurde, oder Marie Antoinette, die enthauptet wurde. Das wünschen wir niemandem.“

► Lesen Sie hier alle Kolumnen von Gunnar Schupelius

Was soll das heißen, ist das als Witz gemeint? Dieser Text steht immer noch auf der Seite „mygruni.de“, auf der zur Grunewald-Demonstration am 1. Mai aufgerufen wurde.

Die Anspielung auf den politischen Massenmord der französischen und der Russischen Revolution ist allerdings nicht lustig, erst recht nicht vor dem Hintergrund unserer deutschen Geschichte: Denn im Ortsteil Grunewald wurden tatsächlich schon Menschen aus ihren Häusern gerissen und umgebracht, weil man sie willkürlich für Krisen verantwortlich machte. Das geschah zwischen 1933 und 1945. Berliner Juden waren die Opfer. Vom Bahnhof Grunewald, Gleis 17, wurden sie in die Vernichtungslager deportiert.

Die von der Polizei als friedlich bezeichnete Demonstration vom 1. Mai in Grunewald war an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Gut gelaunt fuhren die Radler zurück über die Stadtautobahn, die eigens für sie gesperrt worden war, um in Kreuzberg an der „Revolutionären 1. Mai-Demo“ teilzunehmen, die gewalttätig verlief.

Mit der Demonstration in Grunewald wurde eine Grenze überschritten, die wir nicht überschreiten dürfen: Menschen wurden beschimpft, nur weil sie in einer teuren Gegend leben. Sie wurden willkürlich beschuldigt, sich an der Not anderer zu bereichern. Man drohte, ihr Eigentum zu beschlagnahmen. Und das alles gesichtslos aus einer anonymen Menge heraus, aus einem Mob auf dem Fahrrad.

Das war keine Demonstration, das war Einschüchterung und Nötigung, ein gefährliches Spiel.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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