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Der Trost des Irrsinns : Wie Jeff Lemire dem Batman-Mythos eine neue Lesart beschert

Der kanadische Comicautor behandelt in „Joker: Killer Smile“ Fragen von großer Aktualität – und gibt verstörende Antworten.

Der Trost des Irrsinns : Wie Jeff Lemire dem Batman-Mythos eine neue Lesart beschert

Lachen ist die beste Medizin. Der Joker uns sein Therapeut.Foto: Panini

Sind diese Figuren nicht gnadenlos auserzählt? Jeder dunkle Winkel psychologisch ausgeleuchtet? Jede Neurose, jede seelische Verwundung analysiert, seziert und dokumentiert? Kann man die Geschichte des verrückten Clowns wirklich noch mal und noch mal erzählen, ohne sich zu wiederholen und schlussendlich bei der Floskel anzukommen?

Dass und wie es gelingen kann, zeigt Jeff Lemire mit seiner Geschichte „Joker: Killer Smile“ (Übersetzung: Josef Rotter, DC Black Label/Panini, 156 Seiten, 29 Euro).

Natürlich bedient auch er sich dabei einiger altbekannter Zutaten aus dem Batman-Mythos. Doktor Ben Arnell, Lemires Protagonist, ist wahrlich nicht der erste Psychiater, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Joker zu therapieren. Und wie Dr. Harleen Quinzel, alias Harley Quinn, vor ihm, da verrät man nichts, wird er scheitern.

Was Lemires Erzählung nun besonders macht, ist zweierlei. Zum einen, dass er sich unter dem Banner des „Black Label“ von dem Korsett frei machen durfte, das den Figuren aus verlegerischen Gründen so oft angelegt wird, um die Kontinuität zumindest oberflächlich zu wahren, und zum anderen, dass das Thema Wahnsinn und Wahrnehmung momentan wieder von brennender Aktualität ist.

„Was passiert, wenn du nicht mehr weißt, in welcher Welt du lebst?“

Die Frage, die Arnell quält, nämlich: „Aber was passiert, wenn du nicht mehr weißt, in welcher Welt du lebst?“, ist schließlich eine, auf die auch unsere Gesellschaft, die sich durch Verschwörungstheorien entzweit und der in der politischen Diskussion zunehmend der gemeinsame Faktenboden abhandenkommt, erst noch eine Antwort finden muss.

Der Trost des Irrsinns : Wie Jeff Lemire dem Batman-Mythos eine neue Lesart beschert

Der überformatige Band vereint vier Hefte, hier das Titelbild.Foto: Panini

Die Antwort, die Lemire in seiner kammerspielartigen Alternativweltgeschichte gibt, ist eine verstörende. Früh verweist der Kanadier mit Anspielungen in Dialogen und einer Geschichte in der Geschichte auf den doppelten Boden, der sich bald unter den Figuren auftun wird. Um dann, ganz am Ende, mit einem weiteren Plottwist gleich dem ganzen Batman-Kosmos eine neue Lesart zu bescheren.

Der grelle Wahnsinn

Der überformatige Hardcoverband vereint die drei Hefte der titelgebenden Geschichte sowie den Comic „Batman: The Smile Killer“, die der Italiener Andrea Sorrentino illustriert hat. Wie schon in der Serie „Gideon Falls“, die er ebenfalls mit Lemire gestaltete, bedient er sich dabei realistischer Bilder, in denen die tiefen Schatten Ecken und Gesichter verdecken.

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Dazu kommen nur auf den ersten Blick putzig anmutenden Buntstift-Kinderbuchzeichnungen, wobei die vielen extremen Querformate dem Buch einen kinematographischen Anstrich geben.

Koloristin Jordie Bellaire findet eine Farbsprache, die die jeweilige Stimmung der einzelnen Schauplätze präzise widerspiegelt: das Zwielicht von Arnells Reihenhaus, die eiskalte Helligkeit der psychiatrischen Klinik Arkham Asylum, die grellen Farben des Wahnsinns, der hier als die nicht unbedingt absurdeste Reaktion auf den lärmenden Irrsinn der Welt erscheint.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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