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„Deadlines“-Serie auf ZDFneo : Schein und Sein

„Deadlines“ ist eine erfrischend boshafte und politisch unkorrekte Dramedy-Serie über vier Frankfurter Freundinnen, die vor wichtigen Lebensentscheidungen stehen.

„Deadlines“-Serie auf ZDFneo : Schein und Sein

Die Serie funktioniert wie ein chemisches Experiment, in dem Elif (Jasmin Shakeri, 2.v.r.) der Katalysator ist. Die Wirkung auf…Foto: ZDF und Anne Wilk

Wenn sich Menschen, die einst gut befreundet waren, längere Zeit nicht gesehen haben, landen sie ziemlich bald in der Vergangenheit; schließlich ist es nicht die Gegenwart, die sie verbindet, sondern die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse. Gerade Gruppen fallen daher meist umgehend in alte Muster zurück.

So geht es auch Lena, Elif, Franzi und Jo, einem Quartett aus Frankfurt, das einst unzertrennlich war, sich anschließend aber aus den Augen verloren hat. Mittlerweile sind die vier Frauen Anfang dreißig und stehen mitten im Leben, wenn auch nicht alle: Jo (Salka Weber) ist immer noch nicht erwachsen geworden und hat einen Haufen Schulden. Wie genau Elif (Jasmin Shakeri) ihr Geld verdient, wird nicht recht klar; es hat irgendwas mit Investitions- und Spekulationsgeschäften zu tun, scheint aber sehr lukrativ zu sein. Sie lebt in London und ist wegen eines Termins in Frankfurt.

[„Deadlines“, ZDFneo, Dienstag um 23 Uhr 15, seit Samstag in der ZDF-Mediathek]

Als sich ihr Rückflug verschiebt, kommt Elif spontan auf die Idee, die alte Clique wiederzusehen. Pharmareferentin Franzi (Llewellyn Reichman), das Nesthäkchen, wohnt in einer Luxusvilla und ist meist damit beschäftigt, ihre Instagram-Gemeinde auf dem Laufenden zu halten. Vierte im Bunde ist Lena (Sarah Bauerett), die am ehesten den Eindruck macht, angekommen zu sein: Sie ist Lehrerin und wird demnächst Marek (Markus Winter) heiraten, mit dem sie schon seit der elften Klasse zusammen ist; die beiden haben ein Pflegekind.

Wie ein chemisches Experiment

Das klingt zunächst nicht besonders aufregend, funktioniert aber wie ein chemisches Experiment, weil Elif als Katalysator wirkt: Ihr Auftauchen löst Prozesse aus, in deren Verlauf die Frauen ihre Lebensentwürfe hinterfragen. Tatsächlich sind die Dinge nur bedingt, wie sie scheinen: Lena bekommt angesichts der bevorstehenden Hochzeit Torschlusspanik, Franzi hat vor lauter Streben nach dem perfekten Bild für ihre Follower nicht mitbekommen, dass ihr Lebensgefährte sie buchstäblich nicht mehr riechen kann, und selbst bei Powerfrau Elif ist nicht alles im Lot. Bloß Jos Dasein ist exakt so kaputt, wie es aussieht.

Das ZDF hat den acht Folgen das Etikett „Comedy“ verpasst. Das ist zwar nicht ganz falsch, weil es viele komische Situationen und witzige Dialoge gibt, aber „Dramedy“ wäre gerade wegen der Diskrepanzen zwischen Schein und Sein trotzdem die treffendere Bezeichnung. Außerdem verfolgt das Konzept von Johannes Boss, der die Drehbücher gemeinsam mit Nora Gantenbrink geschrieben hat, einen durchaus dramatischen Ansatz, denn in der Verpackung verbergen sich diverse ernste Themen.

Die entsprechende Strategie sorgt mehrfach für Überraschungen: Zunächst wirkt es wie eine spontane Laune, dass Elif zur Stalkerin ihrer ersten großen Liebe wird; bis sich rausstellt, dass sie in jungen Jahren ein bitteres Erlebnis hatte, das sie bis heute prägt. Gleichfalls nur anfangs lustig ist ein Anruf beim ehemaligen Deutschlehrer (Ernst Stötzner), den die Frauen als DJ für Lenas Hochzeit gewinnen wollen: Der alte Herr ist nicht mehr der, der er mal war.

Nur auf den ersten Blick amüsant

Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Serie: Viele Szenen sind auf den ersten Blick amüsant, aber dann wandelt sich der Tonfall. Dass „Deadlines“ trotzdem vorwiegend heiter ist, liegt in erster Linie an den Dialogen. Elif ist mit ihrer erfrischend unkorrekten und stellenweise boshaften Wortwahl ebenso überzeichnet wie Lena, die selbst in Stressmomenten nicht den Glottisschlag („EinbrecherInnen“) vergisst und doch immer wieder profunde Vorurteile offenbart. Dass sie außerdem eine ziemlich nervige Person ist, hat allerdings mit ihren Minderwertigkeitsgefühlen zu tun, die sie regelmäßig zu absurden Übersprunghandlungen verleiten.

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Im Gegensatz zu vielen Dialogen und Situationen, die dank ihrer oft unterschwelligen Komik auch ein intellektuelles Vergnügen darstellen, hat sich Boss zu einer Maßnahme hinreißen lassen, die die Qualität der Serie fast schon konterkariert: Mitten im Satz müssen sich die vier Schauspielerinnen regelmäßig unterbrechen, um das soeben Gesagte Richtung Kamera zu kommentieren oder richtigzustellen. Das stört den Handlungsfluss, sorgt nur selten für echten Erkenntnisgewinn und hätte sich mit ein bisschen Mühe subtiler erzählen und inszenieren lassen (Regie: Barbara Ott, Arabella Bartsch).

Unbedingt sehenswert sind die Hauptdarstellerinnen, obwohl sie mit Ausnahme von Sarah Bauerett nur wenig Kameraerfahrung haben; schon allein Jasmin Shakeri ist ein Einschaltgrund. Neo zeigt dienstags jeweils zwei Folgen hintereinander; in der ZDF-Mediathek kann die komplette Serie abgerufen werden.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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