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Daniel Brühl über sein Regiedebüt: Man soll mich im Film nicht mögen

Daniel Brühl über sein Regiedebüt: Man soll mich im Film nicht mögen

Schauspieler Daniel Brühl feierte mit „Nebenan“ auf der Berlinale sein Regiedebüt
Foto: picture alliance

Von einer Vorabendserie („Verbotene Liebe“, 1995) hat es Daniel Brühl (43) bis nach Hollywood („The First Avenger: Civil War“, 2016) geschafft. Nun liefert der Schauspieler mit der Tragikomödie „Nebenan“, die ab heute im Kino läuft, ein beeindruckendes Regiedebüt ab.

Er hat in dem Film, der in einer Berliner Eckkneipe spielt, außerdem eine Hauptrolle: Einen Schauspieler namens Daniel, der in Berlin-Mitte wohnt, spanischer Herkunft ist, zwei Söhne hat und sich auf ein Vorsprechen in Hollywood vorbereitet, bis ein fieser Nachbar (Peter Kurth) ihm zu Leibe rückt.

Brühls Figur erinnert verdächtig an ihn selbst!​

B.Z.: Ihr Film wirkt wie eine Autobiografie, ist es aber sicherlich nicht…​

Daniel Brühl: Absolut nicht! Ich habe mich gezielt in die Überhöhung begeben, um klar zu machen: Ich spiele hier eine Figur und nicht mich selbst. Vieles davon ist sehr nah an meinem Leben, aber nichts davon ist privat.​

Warum nicht?​

Brühl: Weil ich damit den Film entzaubern würde. Es ist ja ein bewusstes Spiel von mir, selbstironisch Klischees zu verarbeiten. Wer mich kennt, entdeckt schon Parallelen zum echten Daniel Brühl. Wenn aber Leute, die mich nicht so gut kennen, das falsch sehen, ist mir das auch recht. Das finde ich genau interessant daran.​

Inwiefern?​

Im Film ist es eine völlig überhöhte Figur, und diese Note wollte ich ganz am Anfang setzen.​

War das von Anfang an so angelegt?​

Ursprünglich war die Figur des Daniel in der Geschichte ein unbedarfter, sehr viel reaktiverer und netter Typ, der auf einen Wutbürger aus dem Osten trifft. Doch ich wollte die von Peter Kurth gespielte Figur des Bruno auf gar keinen Fall verraten, sondern eher verstehen, warum er im Film das tut, was er tut. Also eher aus einer menschlichen Reaktion auf seine Vergangenheit heraus, die es anfangs gar nicht gab.​

Daniel Brühl über sein Regiedebüt: Man soll mich im Film nicht mögen

Daniel Brühl (re. mit Peter Kurth) präsentiert sein Regiedebüt „Nebenan“ im Wettbewerb (Foto: Reiner Bajo/DPA)

Und wie veränderte sich Ihre Figur?​

Ich wollte meine Figur wesentlich eitler und arroganter haben, als ich es in Wirklichkeit bin. Dabei wollte ich mich weder auf die eine oder andere Seite schlagen, noch soll es der Zuschauer. Man soll auch mich im Film nicht mögen.​

Könnte das nicht nach hinten losgehen?​

Einige sagen jetzt, ich wäre im Film viel zur sehr wie ein Gockel, aber das war eine bewusste Entscheidung. Das, was im Film thematisiert wird, hat natürlich viel mit mir zu tun, und es sind Erfahrungen mit eingeflossen, die ich als Schauspieler gemacht habe. Dennoch bin das nicht ich.​

Dennoch scheinen Sie doch ein sehr selbstreflektierender Mensch zu sein…​

Viele nehmen mich immer als den netten Typ wahr, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte. Klar formt das einen auch und zehrt an den Kräften, wenn man das Gefühl hat, permanent unter Beobachtung und Beurteilung zu stehen. Daher habe ich versucht, auch meine Außenwirkung oder das, was andere meinen, in mir zu sehen, in diese Geschichte zu packen.

Ein Thema, das auf den Tisch kommt, ist Gentrifizierung. Was war der Grund?​

Für mich ist die Gentrifizierung ein sehr zentrales Thema, das mich, seit ich als junger Mensch aus Köln nach Berlin gezogen bin, immer begleitet hat. Ich war sehr früh sehr privilegiert. Mein beruflicher Erfolg hat es mir ermöglicht mir ein Leben zu leisten, wie ich es mir wünschte. Ich konnte eine teure Wohnung im Prenzlauer Berg mieten. Das Gleiche wiederholte sich später in Barcelona, wo es für mich auch kein Problem war, eine Wohnung in einem angesagten Viertel zu bekommen. Aber jedes Mal habe ich mich dabei als invasiv empfunden, nicht unbedingt als Schuldiger, aber als Teil eben dieses Gentrifizierungsprozesses. Meine Anliegen war es aber, das Thema eher auf eine humoristische Art zu behandeln.​

Daniel Brühl über sein Regiedebüt: Man soll mich im Film nicht mögen

Daniel Brühl (r.) stellte auf der Berlinale sein Regiedebüt „Nebenan“ vor (Foto: JENS KALAENE/AFP)

Viele Ihrer Schauspielkollegen, die in den Regiestuhl wechseln, denken ganz groß. Sie aber haben sich für ein kleines Kammerspiel entschieden…​

Die Idee kam mir bei einem Mittagessen in Barcelona. Da stand noch gar nicht fest, wo und mit wem die Geschichte spielen würde. Ich wusste nur, sie muss in einer Gaststätte spielen und wie ein Kammerspiel angelegt sein. Das hatte mich bei meinem ersten Regieprojekt dann auch unheimlich beruhigt.​

Wahrscheinlich auch, um sich erst mal als Regisseur auszuprobieren?​

Vielleicht dachte ich unterbewusst, wenn ich mal Regie führe, kann ich nicht mit diesem ganzen logistischen Wahnsinn umgehen. Ich will nicht an 1000 Motiven mit 1000 Schauspielern arbeiten. Das kann ich nicht. Wie wäre es also mit zwei bis vier Schauspielern in einem Raum. Wobei mir auch klar war, dass man das dann auch 90 Minuten lang spannend halten muss.​

In Barcelona kam Ihnen die Idee, aber die Geschichte spielt in Berlin…​

Ja, das war mir wichtig. Es ist ein totaler Berlin-Film, denn die Geschichte macht in der Hauptstadt viel mehr Sinn, allein schon durch die Figur des Bruno. Die Idee wurde dadurch viel stimmiger, aber auch zwingender für mich.​

Wie sehr kam Ihnen dann beim Drehen Corona dazwischen?​

Schon mit Proben-Beginn ging die Pandemie los. Zwischenzeitlich sah es dann auch so aus, als könnte der Film komplett wegsterben. Damit musste ich erst mal umgehen lernen und bin dankbar, dass mein Produzent und Partner Malte Grunert, der Verleih Warner Bros. und die Förderer mir weiterhin die Stange gehalten haben. Denn anfangs dachte ich wirklich, das war es jetzt. Zwei Jahre Arbeit für nichts. Aber zum Glück ist es dann doch anders gekommen. „Nebenan“ könnte man sogar als einen pandemiefreundlichen Film bezeichnen: Zwei bis vier Schauspieler in einem geschützten Raum.​

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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