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Corona-Talk bei Anne Will : Ach, wenn das Impfen nur so einfach wäre…

Die Menschen sind „pandemüde“, das Vertrauen in das Krisenmanagement der Regierung schwindet. „Was muss jetzt passieren?“ fragte Anne Will am Sonntagabend.

Corona-Talk bei Anne Will : Ach, wenn das Impfen nur so einfach wäre…

Moderatorin Anne WillFoto: ARD Das Erste/NDR/Wolfgang Borrs/obs

Nur noch rund 40 Prozent der Deutschen haben Vertrauen in das Corona-Management der Bundesregierung, der Rest hatte es entweder nie oder ist auf dem langen Weg durch Lockdowns verloren gegangen. Was tun, um die Menschen zu motivieren, noch länger durchzuhalten – und sich an alle Maßnahmen zu halten?

Einheitliche Kommunikation wäre schön, hörte man von Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation, beim Talk von „Anne Will“ am Sonntagabend. Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten sollten sich in ihren Beschlüssen möglichst einig, Regeln einfach und überall gültig sein. Ach ja: Es wäre ein Gewinn, wenn „Impfen einfach“ sei. Und Senioren nicht an Websites oder überlasteten Hotlines scheitern würden.

Bei diesem Ansatz blieb es satte 60 Sendeminuten über. Einmal abgesehen von Sahra Wagenknechts Meinung, ihres Zeichens Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag. Sie würde lieber heute als morgen auf Inzidenzwerte pfeifen und das Land fast komplett wieder aufsperren. Zugegeben: Das würde psychischen und sozialen Druck von vielen Menschen nehmen. Was die Mutationen von so einer Strategie halten würden, steht auf einem anderen Blatt.

Mehr Lösungsansätze für das Vertrauensdilemma kamen nicht zur Sprache, auch Moderatorin Anne Will schien nicht sonderlich interessiert am eigentlichen Sendethema. Stattdessen brütete die Runde einmal mehr über dem Impfstoff-Dilemma, zu dem sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sogar im zugeschalteten Einzelinterview äußern durfte – Kritik der anderen Studiogäste ausgeschlossen.

Viel mehr als das Mantra, Deutschland und die EU habe bei der Impfstoff-Bestellung richtig gehandelt, war bei Spahn nicht zu holen. Die Zuschauer erfuhren noch: Man kümmere sich darum, die Produktion schnellstmöglich zu erweitern.

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Ähnlich blass blieb Spahns Parteikollege Ralph Brinkhaus, Unionsvorsitzender im Bundestag. Scheibchenweise Lockdown-Taktik soll seiner Meinung nach der Vergangenheit angehören, das Wort „lernen“ nutzte er öfter, lernen aus Fehlern. Dass für manche Menschen Schnelltests nicht gratis verfügbar sind und durchaus ins Geld gehen, hörte Brinkhaus offensichtlich zum ersten Mal von Sahra Wagenknecht. Auch er hat also immerhin schon wieder etwas gelernt.

Profilieren per Impfung will sich derzeit auch Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. „Der Impfstoff wäre unsere Waffe für einen Motivationsschub“, glaubt sie – und ist daher unzufrieden, dass er „in den entscheidenden Monaten fehlt“. Zu Recht. Da das Kind aber nun nicht nur in den Brunnen gefallen, sondern schon halb ertrunken ist, wirkt es müßig, nur Vorwürfe und keinen Rettungsring zu haben.

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern bekommen in Sachen Vertrauen und Motivation jetzt jedenfalls FFP2-Masken per Postsendung zugeschickt. Das ist gut gemeint und mag einigen helfen: Wie eine medizinische Maske das Vertrauen in die Regierungsarbeit wiederherstellen soll, bleibt aber wohl Schwesigs Geheimnis.

Blieb Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, der gerne die Stimme der Vernunft und Menschlichkeit der Runde sein wollte. Er sieht den Föderalismus als nicht ausreichend im Kampf gegen Corona – stattdessen werde es von Landkreis zu Landkreis unterschiedliche Regeln geben müssen, abhängig von der Inzidenz. Sehr staatstragend waren seine Worte, es sei eine „medizinische und humanitäre Katastrophe“, dass sich derzeit reiche Länder um den Impfstoff streiten würden: darunter auch Deutschland. Die Schwachen und Armen würden vergessen.

Solches Denken kommt derzeit zu kurz, andererseits: Wer kein Herz hat, kann keines spenden. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Impfstoff. Ob Talks wie dieser irgendetwas zur Vertrauensbildung der Bevölkerung beitragen?  Vermutlich hinterlassen sie die meisten Zuschauer eher demotiviert.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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