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Corona-Bilanz : Zehn Zahlen, die vor einem Jahr unmöglich schienen

Kaum Reisen und Kinobesuche, dafür Essenslieferungen und Kurzarbeit: Was die Pandemie in einem Jahr mit der Wirtschaft gemacht hat.

Corona-Bilanz : Zehn Zahlen, die vor einem Jahr unmöglich schienen

Im ersten und zweiten Lockdown kauften die Menschen so viel Toilettenpapier, dass es zeitweise nicht verfügbar war.Foto: Oleksandr/ Adobe

Vor einem Jahr wurde der erste Corona-Fall in Deutschland gemeldet. Seitdem leben die Menschen in einem permanenten Ausnahmezustand: Millionen waren oder sind in Kurzarbeit. Unternehmer fürchten die Insolvenz. Onlinehändler machen das Geschäft ihres Lebens, während Läden in den Innenstädten nichts verkaufen können. Ein Überblick.

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Corona-Bilanz : Zehn Zahlen, die vor einem Jahr unmöglich schienen

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Null Besucher für Monate

Theater und Kinos, Cafés, Bars und Restaurants, Geschäfte und Friseure – alles zu. Zwei Monate lang. Dann kehrte im letzten Mal etwas Normalität zurück, mit Abstandsregeln und Hygienekonzepten, zumindest theoretisch.

Draußen schauten sich die Menschen den Sommer über Filme an, aßen gemeinsam beim Lieblingsitaliener. Es wurde getanzt! Doch Wirte und Künstlerinnen sollten bald wieder verzweifeln. Ende Oktober versuchte es die Bundesregierung mit einem „Lockdown light“. Im Dezember folgte der harte Einschnitt.

Die Konsequenz? Bei einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) gaben fünf Prozent der Betriebe an, dass sie von der Insolvenz bedroht seien. Dies wären hochgerechnet auf die deutsche Gesamtwirtschaft etwa 175 000 Firmen. Ein Drittel der kreativen und künstlerischen Betriebe, 30 Prozent der Reisebüros, 27 Prozent der Taxibetriebe und 20 Prozent der Gastronomiebetriebe fürchten trotz staatlicher Hilfen die baldige Pleite.

Ihre Angestellten sind wieder in Kurzarbeit oder verlieren ihren Job. Laut der Kulturstaatsministerin Monika Grütters bangen mehr als 1,5 Millionen Menschen im Kultur- und Kreativbereich um ihre Existenz.

14 Prozent der Angestellten im Homeoffice

Laut einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung arbeiteten im November nur 14 Prozent der deutschen Erwerbstätigen zu Hause. Trotz wieder steigender Infektionszahlen. Beim ersten Lockdown im April 2020 waren es immerhin 27 Prozent.

Zwar können Schätzungen zufolge nur vier von zehn Menschen im Homeoffice tätig sein, statt auf Baustellen oder in Kitas. Dennoch fahren viel mehr Angestellte mit der Bahn ins Büro als nötig. Manche wollen nicht am Esstisch sitzen. Andere haben Chefs, die noch immer denken, Homeoffice bedeute Nichtstun.

Mit einer neuen Verordnung verpflichtet die Bundesregierung Unternehmen nun, Homeoffice anzubieten, soweit dem keine „zwingenden betriebsbedingten Gründe“ entgegenstehen. Arbeitsrechtler sagen: Fehlende Technik reicht als Grund nicht aus. Die Verordnung gilt bis zum 21. März.

82 Milliarden vom Staat für Unternehmen

Olaf Scholz wollte keine Zweifel aufkommen lassen. Um mit Hilfe von staatlichen Eingriffen zur Pandemie-Bekämpfung Pleiten zu verhindern, stellte der SPD-Bundesfinanzminister sowohl im Bundeshaushalt des vergangenen als auch des laufenden Jahres große Summen für Unternehmenshilfen bereit.

Im Jahr 2020 waren es 42,6 Milliarden Euro, die in 18 Milliarden für Soforthilfen für kleine Unternehmer und Selbstständige sowie 24,6 Milliarden Euro für die sogenannte Überbrückungshilfen I und II aufteilten.

Für 2021 sind nochmal 39,5 Milliarden eingeplant. Damit soll die Auszahlung der November- und Dezemberhilfen sowie der Überbrückungshilfe III gesichert werden. Doch dass das Geld bereit steht, heißt nicht, dass es auch verwendet wird.

So sind bislang laut einem Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft von Mitte Januar nur 15,8 Milliarden Euro oder 37 Prozent der für 2020 eingeplanten Gelder ausgezahlt worden; aus dem Paket fürs laufende Jahr bisher nur 1,5 Milliarden. Verbände fordern ein besseres Verfahren, um die Zahlung zu beschleunigen.

60 Prozent weniger Fluggäste

„Die Terminals an den Flughäfen sind so leer wie die Regale im Supermarkt.“ Der Satz fiel vor knapp einem Jahr, als Deutschland gerade über Hamsterkäufe diskutierte. Er stammt von Ralph Beisel, dem Chef des Flughafenverbands ADV. Airlines waren damals emsig auf Parkplatzsuche für ihre Flugzeuge.

Die meisten Maschinen stehen dort immer noch. Europa ist nach der Erholung im Sommer wieder im Lockdown. Wer jetzt fliegt, tut das, weil er muss – oder ein Ferienhaus auf Mallorca hat.

Am Donnerstag veröffentlicht die deutsche Luftverkehrswirtschaft ihre Zahlen für 2020, die tiefrot ausfallen werden. Weltweit ist die Zahl der Passagiere allerdings „nur“ um 60 Prozent gefallen. In den USA wurde trotz Pandemie weitergeflogen.

Und Asien hat schneller den Weg raus aus der Pandemie gefunden, weshalb etwa innerhalb Chinas zuletzt wieder fast so viele Flugzeuge abhoben wie vor Corona. Wie 2021 wird? Der Blick in die Glaskugel war selten so trübe.

5 Mal so viele Google-Suchfragen nach “Essen liefern”

Öfter als in der 13. Kalenderwoche 2020 wurde in den vergangenen zwei Jahren nie nach diesen Schlüsselworten gesucht. Und der Anstieg war massiv: Noch drei Wochen zuvor interessierten sich fünfmal weniger Menschen in Deutschland für gelieferte Speisen.

Was war geschehen? Als im März der Lockdown begann, stellten Gaststätten auf Abhol- und Lieferbetrieb um. Google erfasst die Anzahl der Suchanfragen und veröffentlicht sie als wöchentliche Werte.

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Ihre Entwicklung zeigt auch, dass sich die Menschen schnell wieder für Anderes interessierten. Die Zahl der Anfragen fiel bald ab. Auffällig ist: Es suchten konstant mehr Menschen nach dem Begriffspaar „einfache Rezepte“ als nach „Essen liefern“. Zudem wurde ein anderer Begriff ab der 12. Woche so oft gesucht, dass das Interesse an Lieferdiensten und Rezepten im Vergleich verschwindend gering erscheint: „Corona“.

Das BIP sinkt um fünf Prozent

Reisen sind abgesagt, Geschäfte und Restaurants wochenlang geschlossen. Deutschland hat im Kampf gegen das Coronavirus einen Teil seiner Wirtschaft schlichtweg stillgelegt. Entsprechend heftig fällt der Einbruch aus.Dabei sagen Experten: Es hätte schlimmer kommen können. „Minus 5,0 Prozent sind für die BIP-Entwicklung 2020 als Erfolg zu werten“, sagt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Die Rezession nach der Finanzkrise war heftiger. Auch ist die Wirtschaft in anderen Ländern der EU noch stärker eingebrochen. Deutschland hilft die starke Industrie, die trotz Lockdown weiter produziert.

552 Milliarden Umsatz im Einzelhandel

In dieser Zahl ist keine Krise zu erkennen, denn mit 552 Milliarden Euro Umsatz steigerte der Einzelhandel sein Geschäft sogar um 4,1 Prozent im Vergleich zu 2019. Ein Blick auf die unterschiedlichen Segmente zeigt jedoch dramatische Verschiebungen. Klarer Gewinner ist der Online-Handel, der im vergangenen Jahr um rund 33 Prozent zulegte.

Größter Verlierer ist hingegen der Handel mit Bekleidung, Schuhen und Lederwaren. Laut dem Statistischen Bundesamt ging der Umsatz hier um rund 20 Prozent zurück. Dass der Lockdown viele Verbraucher dazu brachte, sich Gedanken ums eigene Zuhause zu machen, lässt sich an den Zahlen ebenfalls ablesen: Der Umsatz von Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf nahm um 16 Prozent zu.

Sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit

Im April 2020 waren knapp sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit. Das bedeutet: Fast jeder Fünfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitete weniger oder gar nicht – und bekam den fehlenden Lohn teilweise vom Staat ersetzt. Zum Vergleich: In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 lag der Höchststand bei 1,4 Millionen.

Anders als damals sind während der Pandemie nicht überwiegend Industrieunternehmen betroffen. In der Spitze bezogen 63 Prozent der Mitarbeiter:innen im Gastgewerbe und 27 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeitergeld. Die Bundesagentur für Arbeit hat errechnet: Bei einem durchschnittlichen Arbeitsausfall von etwa 38 Prozent hat der Einsatz von Kurzarbeit die Jobs von einer Million Menschen gesichert.

Parallel zu den Lockerungen im Sommer meldeten sich weniger Unternehmen. Seit dem Herbst werden es wieder mehr. So erhielt die Bundesagentur für Arbeit im November Anzeigen für 666 000 Personen. In welchem Umfang Arbeitnehmer tatsächlich in die staatlich mitfinanzierte Zwangspause geschickt wurden, weiß die Behörde jedoch erst mit mehrmonatiger Verzögerung. In der Regel wird Kurzarbeit nicht für alle Anmeldungen verwirklicht.

131 Prozent mehr Toilettenpapier verkauft

Warum es ausgerechnet bei diesem Produkt zu Beginn der Pandemie zu Hamsterkäufen kam, ist bis heute ein Rätsel. Im Vergleich zum wöchentlichen Durchschnitt der Vorkrisenmonate August bis Januar kauften die Deutschen in der elften Kalenderwoche 2020 mehr als doppelt so viel Toilettenpapier.

Leere Regale hinterließen bei vielen ein mulmiges Gefühl. Knapp waren die Produktionskapazitäten nie. Allein die enorm gestiegene Nachfrage sorgte dafür, dass nicht mehr genug Rollen für alle da waren.

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Noch stärker als Klopapier hamsterten die Deutschen den experimentellen Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge Desinfektionsmittel. Hier war schon Ende Februar ein Anstieg auf das Achtfache des Vor-Corona-Niveaus zu sehen.

88 Prozent weniger Buchungen auf den Balearen

Für Reisen war es ein schwieriges Jahr. Im ersten Lockdown waren selbst Urlaube innerhalb Deutschlands verboten. Im Sommer ging ein bisschen was, wenn man nicht gerade in ein Risikogebiet wollte.

Doch seit dem Herbst ist auch damit wieder Schluss: Tests und Quarantänen machen Ferienreisen praktisch unmöglich.

Die deutsche Reisebranche erlitt einen Umsatzeinbruch von 70 Prozent, Marktführer Tui brauchte Milliarden vom Staat. Und auch die Lieblingsinsel der Deutschen ist in Not: Mallorca wartet auf Gäste, die allerdings nicht kommen.
Autoren und Autorinnen: Jonas Bickelmann, Heike Jahberg, Thorsten Mumme, Carla Neuhaus, Marie Rövekamp

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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