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Chaotische Szenen an Berliner Seen : Bezirke verzweifeln an Badestellen-Falschparkern

An heißen Wochenenden drängen viele Berliner an die Seen – zu viele kommen mit dem Auto. 880 Falschparker hat allein das Ordnungsamt Treptow-Köpenick angezeigt.

Chaotische Szenen an Berliner Seen : Bezirke verzweifeln an Badestellen-Falschparkern

Hochsaison im Strandbad Wannsee von Berlin. (Archivbild)Foto: imago/Scherf

Berlin hat 39 Strandbäder und offiziell genehmigte Badestellen – dazu kommen etliche inoffizielle. Doch ist der Berliner endlich am See angekommen, will ins Wasser springen, wird es plötzlich eng. Auch die anderen Badegäste sind mit dem Auto angereist – es gibt ja einiges mitzuschleppen – und suchen ebenfalls den letzten freien Parkplatz. Am Ende bilanziert das Ordnungsamt von Treptow-Köpenick, mit Strandbädern und Badestellen reich gesegnet, 600 Knöllchen wegen wilden Parkens. Macht rund 12.000 Euro für die Staatskasse.

Das war am Hitzewochenende Mitte Juni mit Temperaturen über 30 Grad. Am vergangenen Wochenende war es etwas kühler, die Knöllchenquote sank auf 280. Und niemand wurde abgeschleppt, am Wochenende zuvor traf es sechs Badegäste am Kleinen Müggelsee, deren Autos den Rettungsweg blockierten.

Auf den Ansturm an heißen Wochenenden reagieren die Ordnungsämter der betroffenen Bezirke mit Schwerpunktkontrollen. In Treptow-Köpenick konnten die Besucher des Treptower Parks dafür ungestört feiern – alle verfügbaren Kräfte des Ordnungsamts waren an den Badeseen beschäftigt.

In Spandau hat der Bezirk nach chaotischen Szenen am Glienicker See – dort parkten Autos sogar an den Beachvolleyballfeldern – zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Direkt am Badestrand „Moorloch“ am Südufer stehen jetzt Polizeigitter und Halteverbotsschilder. Die Zufahrt zum Badesee am Ritterfelddamm wurde wie im Vorsommer mit einer Sperre blockiert. Eine Polizeiwanne parkte am Wochenende zur Abschreckung daneben.

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Die Spandauer SPD-Fraktion hat vorgeschlagen, einen Shuttle-Bus zum Badesee einzurichten, ein entsprechender Antrag wurde in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht. Der Shuttle könnte am Parkplatz Seekorso oder am Luftwaffenmuseum starten, „um mobilitätseingeschränkten Menschen trotz Sperrung in verkehrskritischen Zeiten in den Sommerwochenenden den Zugang zum See zu ermöglichen“. Der Haken: Der Bezirk hat keine eigene Busflotte. Also bringt die SPD die Taxi-Innung ins Spiel. Die würde sich freuen, nach den Impfzentren nun die Badeseen bedienen zu können.

Strandbadpächter wünscht sich „Mobility-Hub“ – einen Umsteigeort

Die Absperrungen am Glienicker See bewirkten am Wochenende aber auch, dass der traditionelle „Seegottesdienst“ fast ausgefallen wäre. Viele Gäste konnten das „Bootshaus Kladow“ nur zu Fuß erreichen. „Manche Gäste haben aufgegeben und sind umgekehrt“, berichtet Wirtin Madeleine Gottschalk. Dabei steht auf dem Straßenschild „Anlieger frei“.

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Die Bezirksämter appellieren regelmäßig, mit Bus, Tram und Bahn an die Seen zu reisen, die meisten größeren Strandbäder sind gut ans Netz angeschlossen. Aber auch das hilft nicht immer. Das Strandbad Grünau hat zwar eine eigene Haltestelle der Tramlinie 68, doch zu den Stoßzeiten an heißen Tagen sind die Züge hoffnungslos überfüllt. Weil die Regattastraße, die zum Strandbad führt, eher ein schmaler Weg ist, blockieren sich die Autofahrer gegenseitig.

Das alles mündet dann in einem Verkehrschaos, das Strandbadpächter Christian Rücker gerne mit einem „Mobility-Hub“ – einem Umsteigeort – in der Nähe beheben möchte. Wie der Hub genau aussehen soll, ob das Privatauto dort gegen Lastenräder getauscht werden soll, ist noch unklar.

„Alle abschleppen!“, fordert eine Besucherin

Der Bezirk hat bislang keine eigenen Lösungen für die Parkprobleme präsentiert. Auch Absperrungen wie in Spandau hält Ordnungsstadtrat Rainer Hölmer (SPD) nicht für nötig. „Prinzipiell ist das Parken an vielen der neuralgischen Stellen in Treptow-Köpenick ohnehin verboten“, erklärt das Bezirksamt auf Anfrage.

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Nur sind die Verbote nicht zwingend mit Verbotsschildern gekennzeichnet. Waldwege dürfen grundsätzlich nicht befahren werden. Und wenn der Abstand zum gegenüber parkenden Fahrzeug weniger als 3,10 Meter beträgt, gilt der Rettungsweg als blockiert. Der Fahrer, der zuletzt gekommen ist, bekommt das Knöllchen. Oder wird abgeschleppt.

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Zehlendorfs Ordnungsstadtrat Michael Karnetzki (SPD) rät Wannsee-Badegästen, den Bus zu nehmen. „Wie in jedem Sommer seit einigen Jahren fährt der Bus 312 vom S-Bahnhof Nikolassee zum Strandbad Wannsee. Die vorhandenen Parkplätze reichen nicht aus. Und sich einfach verkehrsbehindernd in den Wald zu stellen, ist rücksichtslos.“ Polizei und Ordnungsamt würden „im Rahmen der verfügbaren Kräfte auch in diesem Jahr konsequent falsch geparkte Pkw umsetzen – schon um dafür zu sorgen, dass der Bus hier überhaupt durchkommen kann.”

Auch am Freibad Lübars wird an heißen Wochenenden alles zugeparkt. Eine Besucherin erklärt auf Facebook: „Das war gestern auch Horror, Wildwest-Parkerei! Da wäre nicht mal die Feuerwehr durchgekommen – dass das den Badenden nicht klar ist. Alle abschleppen!“

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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