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Brauchen wir ab jetzt eine Impfpflicht?

Brauchen wir ab jetzt eine Impfpflicht?

Eberhard Diepgen (CDU, li.) und Walter Momper (SPD) diskutieren über eine eventuelle Impflicht
Foto: picture alliance/dpa/B.Z. Montage B.Z.

Einmal die Woche diskutieren in der B.Z. Berlins Ex-Regierende Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) über aktuelle Themen. Heute geht es um eine eventuelle Impfpflicht.

Eberhard Diepgen: Ja, zunächst für Pflegekräfte, Lehrer und Erzieher

Es war voraussehbar. Anfangs fehlte der Impfstoff. Dann aber würde es genug geben. Aus dem Kampf um einen früheren Impftermin musste irgendwann der Wettbewerb um durchschlagskräftige Ideen werden, mit denen die Menschen zum Impfen gelockt werden. Schön, dass wir in Deutschland nun da angekommen sind.

Die tägliche Berieselung mit neuesten und unterschiedlichen Erkenntnissen der Virologen und der Impfkommission hat zu „ich kann es schon nicht mehr hören“ geführt. Fest steht aber: Zu einem hinreichenden Schutz vor den Coronaviren und ihren immer neuen Varianten brauchen wir eine sogenannte Herdenimmunität.

Egal, ob diese Immunität mit der Impfung von 85 oder 95 Prozent der Erwachsenen erreicht wird, ohne energischen Druck auf alle Unwilligen oder Gleichgültigen werden wir die Zahlen nicht erreichen.

Andere Erwartungen halte ich für Träumereien. Dazu gehören das Vertrauen auf Informationskampagnen genauso wie ministerielle Hinweise auf patriotische Pflichten. Die Geschichte lehrt, dass man nicht immer auf die Vernunft der Menschen vertrauen darf. Außerdem ist der Streit über die Frage, was ist vernünftig, ein Bestandteil unserer Demokratie.

Mit dem frühzeitigen Ausschluss einer Impfpflicht war die Politik voreilig. Immer ist es eine Abwägung. Und weil Langfristwirkungen der Impfung mit den neuen Impfstoffen noch nicht vorliegen, muss die Abwägung sorgfältig und überzeugend sein.

Aber nach allen Erkenntnissen sind die Gefahren einer Coronawelle für die Gesamtgesellschaft und den Einzelnen viel größer als nicht ganz auszuschließende Gesundheitsschäden durch eine Impfung. Dabei gefährden einzelne Berufsgruppen sich und andere in besonderem Maße. Eine Impfverweigerung sollte hier nicht geduldet werden.

Ich denke zunächst an medizinische Berufe, Pflegekräften, Lehrer und Erzieher. Selbstverständlich mit medizinisch begründeten Ausnahmen. Die Impfpflicht gegen Masern bei Lehrern ist ein Vorbild.

Walter Momper: Nein, eine Herdenimmunität wird auch so erreicht

Nein, nachdem sich rund 60 Prozent der Bevölkerung haben impfen lassen, werden wir auch die Herdenimmunität von rund 85 Prozent geimpfter Bürgerinnen und Bürger erreichen.

Natürlich wird es dauern, bis diese Quote erreicht ist, und es bedarf auch großer Anstrengungen, um so viele Menschen in unserer Gesellschaft davon zu überzeugen, dass Impfen wirklich notwendig ist. Wer die Impfung nicht will, muss das Risiko einer Infektion selbst tragen. Das ist nun einmal so.

Es gibt kein vernünftiges Argument dafür, dass man sich nicht impfen lässt. Die Impfstoffe haben ein ziemlich niedriges Nebenwirkungs-Risiko. Wenn 90 Prozent der geimpften Menschen einen wirklichen Schutz bekommen, so ist das höher, als bei anderen Impfungen, die in unserer Gesellschaft ganz üblich sind.

Man muss in dieser Gesellschaft wirklich an alle appellieren, sich impfen zu lassen. Nur dann erreicht man die Herdenimmunität, die dem Menschen die Sicherheit bieten, nicht angesteckt zu werden.

Der Druck in allen Bereichen der Gesellschaft ist groß, sich impfen zu lassen. Die Lufthansa hat jetzt schon damit begonnen, ihre Fluggäste auf das Virus zu testen und wird geimpfte Passagiere ohne Weiteres mitnehmen. Das ist ein großer Vorteil, der auch in anderen Bereichen der Gesellschaft um sich greift. Als geimpfter Mensch können sie überallhin: in Restaurants, Kino, Theater, Läden, Galerien und Veranstaltungen. Sie sind ganz sicher vor Ansteckungen.

Auch an den Arbeitsplätzen der Menschen ist der Druck schon groß. Dort, wo die Menschen mit anderen zusammentreffen, ist Druck da, sich impfen zu lassen. Es ist also davon auszugehen, dass der gesellschaftliche Konsens, dass man geimpft sein soll, sehr groß wird, sodass die Menschen sich dem kaum entziehen können.

Dann wird auch die Rate der gesellschaftlichen Durchimpfung größer werden, als sie es jetzt schon ist. Aber bis zur Herdenimmunität ist es noch ein weiter Weg mit viel Kampf um die Impfung.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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